Carla Regge-Pyper und Michael Pyper treten den Beweis an, dass alte Bausubstanz und Klimaschutz kein Widerspruch sind.
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Carla Regge-Pyper und Michael Pyper treten den Beweis an, dass alte Bausubstanz und Klimaschutz kein Widerspruch sind.

Für den Klimaschutz

Aus alt mach umweltfreundlich

  • Thomas Kopp
    VonThomas Kopp
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Bei Pypers in Pfaffenwiesbach gehen Fachwerk und moderne Techniken Hand in Hand

Die neue Bundesregierung mit dem "Superminister" für Klima und Wirtschaft Robert Habeck (Grüne) will in Sachen Klimaschutz vorankommen. Zu erwarten sind deswegen auch neue Anreizprogramme für energetische Haussanierungen. Doch wie geht man vor, wenn man ein sehr altes Haus sanieren will? Zwei Beispiele dafür gibt es in Wehrheim.

Die Familien Gwiasda im alten Ortskern von Wehrheim und Pyper in Pfaffenwiesbach haben ihre eigenen vier Wände nämlich nach modernen Umweltschutz-Aspekten saniert. Das geht mit ihrer grundlegenden Einstellung gut einher, engagieren sie sich doch beide im Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND). In diesem ersten Teil schauen wir bei Pypers vorbei.

Michael Pyper schildert: "Wir besitzen seit gut 20 Jahren ein in Teilen bis zu 250 Jahre altes Bauernhaus in Pfaffenwiesbach. Wir haben damals einen Anbau neu bauen lassen, der praktisch ein kleines Haus für sich ist. Alt- und Neubau wurden anschließend mit 14 Zentimeter Steinwolle isoliert, sämtliche Fenster durch Fenster mit dem damals optimalen K-Wert (Indikator für Wärmedämm-Eigenschaften) ersetzt und das Dach mit eingeblasenem Zellulosedämmstoff gedämmt. Seitdem habe ich mein Büro unter diesem Dach."

Photovoltaik fehlt noch

Geheizt wurde und wird bei Pypers mit Flüssiggas aus einem Erdtank im Garten hinter dem Haus, da es bis heute kein Erdgas in Pfaffenwiesbach gibt. Der Einkauf erfolgt über den Einkaufsring Taunus, einem Zusammenschluss von privaten Flüssiggasverbrauchern, die in der Gemeinschaft deutlich bessere Preise als Einzelkunden erzielen. "So haben wir auch noch zu günstigeren Preisen im Frühjahr tanken können. Der Tank ist so ausgelegt, dass wir mindestens über eine Saison, sprich ein Jahr, kommen. Außerdem haben wir einen gerade nach neuesten Vorschriften erneuerten kleinen Holzofen, mit dem wir zusätzlich Wärme erzeugen. Er steht im offenen Wohnzimmer, so dass die Wärme fast durchs ganze Haus zieht. In meinem Büro unterm Dach habe ich die Heizkörper praktisch nie an. Holz gibt es in unserer noch wald- und baumreichen Gegend eigentlich immer irgendwo kostenlos oder für wenig Geld, wenn man selbst zur Kettensäge greift."

Was Pypers immer wieder in anderen Haushalten auffällt: Oft ist es sehr warm, ihnen zu warm. "Eine Temperatur von 20 bis 21 Grad reicht völlig aus. Lieber mal einen Pullover anziehen. Das tut auch der Gesundheit gut. Wir schlafen praktisch immer bei offenem Fenster und sind so gut wie nie erkältet. Der Heizkörper im Schlafzimmer war fast noch nie in Betrieb."

Die Familie hat von Anfang an auf modernste Heiz- und Warmwassertechnik gesetzt und vor zwei Jahren die Heizung durch eine Brennwerttherme der neuesten Generation ersetzen lassen. Schon bei der Sanierung des Hauses haben sie Warmwasserkollektoren, damals noch unter Anleitung im Eigenbau, aufs Dach gesetzt, die seit dem ersten Tag ohne jede Störung laufen. "Etwa drei Monate im Sommer können wir dadurch auf die Gasheizung verzichten. Würden wir heute das Haus sanieren, würden wir sicher eine Wärmepumpe nehmen. Wir kochen auch mit Gas, was wesentlich günstiger ist als mit Strom."

Mehr Verbrauch, höhere Kosten

Photovoltaik war zu Zeiten der Sanierung noch Zukunftsmusik. Derzeit denken die Pypers aber darüber nach, eine kleine Dachfläche eines Schuppens mit PV-Elementen zu bestücken, da die anderen Dachflächen zu zerklüftet sind oder die falsche Ausrichtung haben. Dank immer besserer Effizienz und günstigerer Preise der Solarelemente ließen sich heute auch Flächen bestücken, die vor einigen Jahren noch unrentabel waren.

Strom beziehen die Pypers vom Anbieter Bürgerwerke, einem von wenigen Anbietern, die ihren Strom vollständig aus eigenen erneuerbaren Energiequellen beziehen und Gewinne in deren weiteren Ausbau investieren. "Der Preis unterscheidet sich kaum noch von Strom aus fossilen Quellen. Praktisch sämtliches Licht ist mittlerweile auf LED umgestellt, bei neuen Geräten achten wir auch auf deren Verbrauch."

Außerdem haben die Pypers eine große Zisterne im Hof, über die die Toilettenspülung, die Waschmaschine und die Gartenbewässerung laufen. "Dadurch verbrauchen wir nur etwa 50 Kubikmeter Trinkwasser im Jahr. Umgerechnet ist das ein Pro-Kopf-Verbrauch von unter 70 Litern pro Tag." Der aktuelle durchschnittliche Pro-Kopf-Verbrauch betrug 2019 laut Statista in Deutschland 125 Liter pro Tag und Person. "Wobei ich mich trotzdem frage, an welchen Stellen ich 70 Liter Wasser pro Tag verbrauche. Ich bin sicher, dass sich das weiter reduzieren lässt."

Er ist klar dafür, den Wasserpreis mindestens zweistufig zu machen: ein günstiger Preis bis zu einem Verbrauch von vielleicht 100 Litern pro Person und Tag, alles was darüber hinaus geht, sollte seiner Meinung nach drastisch teurer werden, auch wenn das einigen Swimmingpool-Besitzern nicht gefallen möge. Finanzschwächere Haushalte könnte das sogar entlasten, meint er.

"Ehrlicherweise muss ich natürlich sagen, dass Energieeinsparungen oft mit erheblichen Investitionen verbunden sind. Deshalb sollte man sich bei größeren Vorhaben immer den Rat eines herstellerunabhängigen Energieberaters einholen. Diese kennen sich auch aus mit Finanzierungsmöglichkeiten wie etwa über die Kreditanstalt für Wiederaufbau, die auch den Berater zu großen Teilen bezahlt." von thomas kopp

Moderne Technik ermöglicht, dass auch nach Osten gerichtete Dachflächen zur Energiegewinnung genutzt werden können. Die Pypers wollen nun noch ein Schuppendach bestücken.

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