Talent der Humboldtschule

Berliner Komponist Boris Bergmann hat seine Wurzeln im Taunus

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Dass Humboldt selbst ein Ausnahme-Talent war ist bekannt. Und offenbar färbt der berühmte Namensgeber auch ein wenig ab. Denn nun hat Boris Bergmann, einstiger Lehrer der Humboldtschule, sein erstes musikalisches Solowerk fürs Klavier vorgelegt. Beteiligt war nicht nur er . . .

Auf den ersten Blick liegen zwischen dem deutschen Lyriker Friedrich Hölderlin und dem russischen Komponisten Alexander Scriabin Welten. Der eine schaffte es in der literarischen Welt zu Ruhm und Ehre, der andere in der musikalischen. Hölderlin lebte selbst einige Jahre in der Bad Homburger Kurstadt, Scriabin hingegen entwickelte eine atonale Technik als Vorform der Zwölftontechnik. Zwei Künstler mit Weltruhm, die vor allem den Komponisten Boris Bergmann zu einem eigenen Album inspirierten. Es heißt „Hölder/Scriabin Night Sessions“

Der Filmkomponist, der im Wehrheimer Ortsteil Obernhain aufwuchs, war schon früh von der Idee angetan, sein Leben der Musik zu widmen. „Da mein Vater selbst Jazzmusiker ist, war es gar nicht möglich, dass er mir davon abgeraten hätte“ sagt Bergmann im Gespräch mit dieser Zeitung.

Bergmann war Schüler der Humboldtschule in Bad Homburg. „Die Schule gab mir schon Möglichkeiten für musikalische Auftritte“, schildert Bergmann. Da sei er unter anderem als Solist mit dem Orchester der Humboldtschule aufgetreten und habe „Karneval der Tiere“ gespielt. Als Schüler lernte er Hölderlin kennen, später dann auch Scriabin, der ihn sehr lange begleitete.

Nach dem Abitur 1990 studierte er Klavier in Frankfurt und Komposition in Darmstadt. Neben der „Neuen Musik“ bildete fortan auch die Filmmusik für das Taunuskind einen zusätzlichen Schwerpunkt.

Und obgleich Bergmann ein Freund der klassischen Musik ist, war es für ihn nie ein Widerspruch, auch in Bands als Schlagzeuger zu spielen. Auf langen Spaziergängen durch die Taunuswälder bevorzugte er zwar die Klassik, doch sein musikalisches Empfinden ist breit gefächert.

Nach dem Studium ging Bergmann nach Berlin und widmete sich ganz der Filmmusik. Dabei schrieb er Musik für Kinofilme, für das Fernsehen und etwas später auch für Melodien zum Tanzen und fürs Theater.

In verschiedenen Bands spielte er als

Drummer und Keyboarder

, nahm sogar eine Single mit der Gruppe „Wild Style Lion und Kim Gordon“ auf. Seit 2014 gehört er der Rembetiko-Formation „Asimetri Apili“ als Keyboarder an.

Doch bei allem musikalischen Mix, ist ihm der russische Komponist als treuer musikalischer Wegbegleiter nicht verloren gegangen. Irgendwann reifte schließlich die Idee, seine Musik aufzunehmen. So entstand nun eine Doppel CD, auf der Bergmann selbst komponierte, moderne und klassische Werke, und eben jene von Alexander Scriabin präsentiert.

Der Bezug zum Taunus ist aber nicht nur der Umstand, dass Bergmann hier aufwuchs. Er hat auch für den TV Obernhain Tischtennis gespielt und zwar ziemlich erfolgreich. Auch zwei Walzer, die Bergmann seiner Lebensgefährtin Silvina Buchbauer widmete. Buchbauer ist Schauspielerin und beide leben gemeinsam in Berlin. „Sie gehört zu meinen größten Kritikern und umgekehrt“, sagt Bergmann. Beide kennen sich noch aus der Schulzeit, wo sie schon die ersten zarten Bande knüpften.

Ebenfalls ein guter Freund und Wegbegleiter ist Professor Dr. Martin Ullrich, der in seiner Kindheit und Jugend in Wehrheim wohnte und zur Humboldtschule ging. Die Schule hat zweifelsfrei beachtliche Talente hervorgebracht. Denn Ullrich hat nicht nur die Texte zum Booklet verfasst, er ist inzwischen auch Präsident der Hochschule für Musik in Nürnberg. Mit seiner Doppel-CD präsentiert Bergmann seinen Hörern anspruchsvolle Kost.

Wann er wieder einmal im Taunus zu hören sein wird, „das kann ich noch nicht sagen.“ Doch wenn immer er in der Nähe ist, zieht es ihn in die Taunus-Wälder.

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