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Das Jagdhaus ist endlich gerettet

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Von: Olaf Velte

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Die rückwärtige Ansicht ist geprägt von einer parkähnlichen Gartenlandschaft, einem Teich sowie dem Schwimmbad nebst Kleingebäuden.
Die rückwärtige Ansicht ist geprägt von einer parkähnlichen Gartenlandschaft, einem Teich sowie dem Schwimmbad nebst Kleingebäuden. © ov

Die Sanierung der Mouson-Villa hat begonnen. Die Eigentümerfamilie Handon will das Anwesen im bekannten Stil erhalten.

Nach sieben Jahren des Leerstands und der Vernachlässigung tritt das Jagdhaus von Wehrheim in eine neue Ära ein. Am vorläufigen Ende eines langen Prozessmarathons hat Volker Handon endlich die Haus- und Hofschlüssel des im Forstdistrikt Mark höchst idyllisch gelegenen Anwesens übernehmen können. Schlimmste Befürchtungen um den Erhalt des Hauses erweisen sich als unbegründet. "Das Innere des Gebäudes ist komplett trocken", so der in Schmitten wohnende Eigentümer.

Dass die 1927 durch den Frankfurter Kosmetik-Fabrikant August Mouson in Fachwerkbauweise errichtete Jagdvilla weiterhin ihren traditionellen Platz im Wehrheimer Gemeindewald behaupten kann, ist eine gute Nachricht für die geschichtsinteressierte Bürgerschaft. Nur wenige Stätten ähnlicher Art haben im Taunusgebiet überdauert. Die zermürbende juristische Auseinandersetzung zwischen Verkäufer und Käufer (diese Zeitung berichtete) mitsamt ausbleibender Grundstückspflege und vier Gutachter-Einschätzungen hat auf dem 9000 Quadratmeter großen Areal unübersehbare Spuren hinterlassen.

Vielfältige Arbeiten

Hölzerne Elemente des vorkragenden Daches müssen ausgetauscht werden, die 350 Quadratmeter messende Hausverkleidung aus Lärche ist abzuschleifen und neu zu streichen - um nur die wichtigsten Vorhaben zu nennen. Das Sichten und Ausräumen von Erd- und Obergeschoss ist weitgehend beendet, die Umgestaltung der lichtdurchfluteten Innenräume hat bereits begonnen.

Schäden durch eingedrungene Feuchtigkeit sind auf den 210 Quadratmetern Wohnfläche jedenfalls nicht feststellbar. Während die verwinkelte Situation unter den Dachschrägen klarer strukturiert werden soll, bleibt die weite Offenheit der unteren Etage gewahrt.

Wuchernde Wildnis beseitigt

Hier wandert der Blick über die breite, rückwärtig angelegte Steinterrasse hin zu einer reizvoll baumgerahmten Garten- und Parklandschaft. "Acht Wochen lang haben wir Wildwuchs beseitigt und die Anlage stückweise freigelegt." Begehbar ist nun wieder eine steinerne, zuvor unter Bewuchs versteckte Treppe. Hoch strebende Rhododendren - wohl noch aus der Zeit des ersten, 1867 erbauten und später niedergebrannten "Jagdschlösschens" - rahmen einen von Fröschen dominierten Naturteich und das aufgrund maroder Technik ramponierte Schwimmbecken ein.

Auf dem Gelände ist jedoch nicht alles bewahrt worden. Der mittlerweile verstorbene Voreigner Ickstadt hat nach der 2015 erfolgten Unterzeichnung des Notarvertrages massiv in den Altbestand eingegriffen. Volker Handon nennt sechs Bauten und Einrichtungen, die mittlerweile aus dem Ensemble-Bild verschwunden sind - darunter eine historische Remise aus der Baron von Lüttwitz-Zeit, Werkstatt, Stallung, Tennisplatz. Heute prägt eine Dreiheit, bestehend aus Mouson-Wohnstatt, Gästehäuschen und Doppelgarage, das Ambiente.

Entdeckungen werden bis zur Stunde gemacht. So verbirgt ein eisenschwerer, in Gartenerde eingelassener Deckel den Zugang zu einem betongefassten, unterirdischen Raum, dessen Bedeutung noch zu erforschen ist. Der Rundgang durchs Haus offenbart ebenfalls Überraschendes. Ein Kellerbalken zeigt die Jahreszahl "1867", die erste Erbauung durch den Jagdpächter Arthur Maria Baron von Lüttwitz signalisierend. Wo sich Ölheizung, Kühlkammer und Schlachtraum befinden, dürfte der älteste Teil des Bauwerks zu finden sein.

Voller Rätsel steckt ein Zimmer im Erdgeschoss, etwas abseits angeordnet, bestückt mit Kamin, Theke, Tisch, Barhockern. Die rustikale Anmutung in ihrer dunklen Eichenbalken-Ästhetik verweist auf altdeutschen Stil, ein Deckenholz trägt gar die Zahl "1782". Steinerne Platten bedecken den Boden, Fenster und Tür können nicht zur Mouson-Epoche gerechnet werden.

Wasserversorgung wird neu gemacht

Ein Teil der früheren Jagdvilla, vom Feuer verschont? Oder Rekonstruktion, Nachbau, Spielerei? Volker Handon: "Unser Museum." Ein Raum jedenfalls, der nicht verändert werden soll.

Ändern möchte die Eigentümerfamilie jedoch die Situation der Wasserversorgung. Bislang wird das Anwesen neben eigenen Zisternen von dem Nass einer nahen Schürfung gespeist. Auch dem benachbarten Refugium der hiesigen Jägerschaft kommt dieses Waldwasser zugute. Die zunehmende Trockenheit bereitet Probleme, stellt neue Herausforderungen im Gebiet des alten Steinbügel. "Ich plane eine Brunnenbohrung", sagt Volker Handon.

Noch viel ist also zu tun am und im Jagdhaus, an einem Ort, der schon Ende des 19. Jahrhunderts von ergriffenen Ausflüglern als "wunderlieblich" angeschwärmt wurde. In den kommenden Monaten soll Wesentliches organisiert und durchgeführt werden. "Noch vor Weihnachten möchten wir so weit sein, um das Haus nutzen zu können." VON OLAF VELTE

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