Dem niedlichen Waschbären ist kaum anzusehen, dass er ein skrupelloser Nesträuber ist.
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Dem niedlichen Waschbären ist kaum anzusehen, dass er ein skrupelloser Nesträuber ist.

In Wehrheim plündern Waschbären die Vogelnester

Der Allesfresser macht auch vor Meisen nicht halt

  • vonGerrit Mai
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BUND Wehrheim entdeckt zerfetzte Nester, hat aber schon eine Lösung

Der Waschbär ist für die einen ein possierliches Tierchen, andere sahen in ihm schon immer einen Eindringling. Er ist im 20 Jahrhundert von Nordamerika nach Europa eingewandert, und ist inzwischen zum ernsten Problem für die heimische Fauna geworden, verdrängt als Konkurrent um Nahrung und Unterschlupfmöglichkeiten heimische Arten, gilt als anpassungsfähiger und erfolgreicher Beutegreifer. Das musste auch der Nabu Wehrheim jetzt erkennen, weiß aber auch, wie er Abhilfe schaffen kann.

Das Säubern der Nistkästen ist eine typische Winterarbeit für Naturschützer wie Franz Josef Salzmann. Seit ein paar Jahren macht er aber immer wieder eine Entdeckung, die ihm gar nicht gefällt: Die Brutstätten sind zerwühlt, teilweise liegen die Eier ausgetrocknet und zerstört am Boden, Jungvögel herausgeholt, hier und da kann er sogar erkennen, dass Meise, Fink oder Rotschwänzchen, während sie auf ihrer Brut saßen, getötet wurden. "Ich konnte mir lange keinen Reim darauf machen", so Salzmann.

Jetzt ist er hinter das Geheimnis der ausgeraubten Nistkästen gekommen, und hat festgestellt, dass hier Waschbären am Werk waren. Die mittelgroßen Säugetiere erschließen sich bis in Städte und Dörfer neue Lebensräume. Sie sind nachtaktiv und haben als Allesfresser schon so manche Mülltonne ausgeräumt. Auch in und um Wehrheim fühlen sie sich wohl und sind nächstens auf vielen Dächern unterwegs.

Aber auch rund um das Biotop Wolfsborn - eines der ersten, die der Nabu in den 1980er Jahren eingerichtet hat. Der normale Lebensraum der Raubtiere mit den so niedlich gezeichneten Gesichtern, sind Laubwälder und Feuchtgebiete. Da sind die Tiere im Wolfsborn genau richtig, weiß Salzmann, der viele Jahre Vorsitzender des Nabu war. Hier, wo der Panoramaweg an der Schlink in den Weg zum Galgenberg mündet, habe er auch besonders viele ausgeraubte Brutstätten entdeckt.

Für den Waschbären, der ausgezeichnet auf Bäume klettern kann, stellen normale Nistkästen kein Hindernis dar. Seine langen, schmalen Vorderbeine reichen durch das Einflugloch bis zum Nest, das er mit seinen nadelspitzen Krallen zerwühlt und ausraubt, was er dort findet - seien es Eier, Brut oder erwachsene Vögel, die darauf sitzen.

Der Naturschützer geht zwar nicht davon aus, dass das Verhalten der Waschbären viel mit dem Rückgang der Singvögel zu tun hat, aber ärgerlich sei es schon, wenn die wenigen Vögel, denen in den trockenen Sommern der letzten Jahre noch die Aufzucht von Nachwuchs gelingt, auch noch getötet werden.

Aber da es für jedes Problem irgendwann auch eine Lösung gibt, ist der Nabu in Sachen Bruträuber auf die Suche gegangen und bei der Lebensgemeinschaft Behinderter in Sassen fündig geworden. Die Mitarbeiter haben in die Nistkästen für Kleinvögel Schikanen eingebaut, die dem Bruträuber den Zugang zum Nest unmöglich machen. Sie stellen Nistkästen her, in die das gewitzte Tier trotz seiner langen Vorderfüße und der nadelspitzen Krallen nicht hineingreifen kann.

Die Kästen sind um einiges tiefer als normale Nistmöglichkeiten, damit der Waschbär beim Eingreifen das Nest gar nicht erst erreicht. Außerdem sei das Einflugloch um rund fünf Zentimeter verstärkt worden, so dass der Bruträuber das Nest mit seiner Vorderpfote nicht mehr erreichen kann, erklärt Franz Josef Salzmann.

Die ersten hat der Wehrheimer Nabu bereits bestellt, Salzmann beginnt damit, bei der Säuberung Nistkästen in besonders gefährdeten Gebieten auszutauschen und hofft, dass im nächsten Jahr wieder mehr heimische Vögel brüten, und mehr Jungvögel überleben. mai

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