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Im Regiomat von Tobias und Claudia Allendörfer können Kunden "kontaktlos" einkaufen. Auch Bürgermeister Gregor Sommer legt Wert auf regionale Produkte.

Wehrheimer Direktvermarkter geht neue Wege

Familie Allendörfer rüstet auf und bietet jederzeit Frisches für die Kunden

  • vonGerrit Mai
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Der Regiomat soll weiter ausgebaut werden

Die Corona-Krise hat das Kaufverhalten der Menschen verändert. Zum einen sind sie über längere Zeitspannen Zuhause - im Homeoffice, weil sie Kurzarbeit haben oder Kinder betreuen müssen. Andererseits ist vielen durch die weltweite Pandemie der Zusammenhang zwischen ihrem Kaufverhalten, den Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit klar geworden.

Kunden kaufen ihre Lebensmittel seitdem verstärkt und bewusst regional ein. Um die heimischen Produzenten zu unterstützen und um für den Einkauf keine langen Fahrten mit dem Auto zurücklegen zu müssen.

Weitere Punkte sind die Qualität der regional produzierten Waren, aber auch das Tierwohl, die Sorge um die Tiere, die bei Großschlachtungen unter nicht artgerechten Bedingungen teilweise tausende Kilometer durchs Land gefahren werden.

Das Fleisch und die Wurst von den selbst gezüchteten Tieren der Allendörfers stellt die Metzgerei Hofmann - ein kleiner Landbetrieb in Wölfersheim, der für weitere Hofläden arbeitet - her.

Viel neue Kundschaft

"Wir haben seit Corona viele neue Kunden", freut sich Claudia Allendörfer. Und die müssen jetzt mit dem Einkauf nicht bis zum Freitagnachmittag warten. Am Mittwoch haben die Betreiber des Langwiesenhofs zusammen mit Bürgermeister Gregor Sommer (CDU) einen neuen Regiomaten eingeweiht, der in einer kleinen, offenen Gartenhütte, gleich hinter der Auffahrt zum Hof steht. Der Automat, hinter dessen Glastüren Salami, Mettwurst in Gelee, Schinken, Pfefferbeißer zum Kauf bereitstehen, muss mit Bargeld gefüttert werden. Scheckkarten nimmt er nicht, das sei schwierig, weil jeder Bezahlvorgang einzeln abgeschlossen werden muss, und ein System, das dieses schafft, sei um einiges teurer.

Wer die Nummer der gewünschten Ware eingibt und auf einen Knopf drückt, bekommt das Gewünschte durch die Ausgabeklappe. Auch gut verpackt Eier. Die gab es aber vorher schon. In einem Kühlschrank mit Vertrauenskasse direkt an der Hofeinfahrt. "Das hat gut geklappt", hat Claudia Allendörfer festgestellt.

Blick in die Landwirtschaft

Vom neuen Automaten aus können die Kunden die Rinder weiden sehen, und die Hühner gackern gleich hinter dem Stall rund ums Hühnermobil. Diese Klarheit, woher Fleisch, Wurst und Eier kommen, möchten heute immer mehr Kunden, und die Allendörfers, die vor zwei Jahren Auf biologische Landwirtschaft umgestellt haben, dass ihrer Investition von rund 20 000 Euro ein Schritt in die Zukunft ist.

"Wir fangen damit erstmal an, haben aber alle Möglichkeiten zur Erweiterung." Das Regiomat-System, vom dem es schon einige im Taunus gibt, sei auf Module ausgelegt, so dass es erweitert werden könne. Ein ähnlicher Automat - die Milchzapfstelle des Oranienhofs - liegt quasi auf der Strecke von zum Langwiesenhof.

Im Hofladen gibt es alles aus eigener Produktion, ein paar Gläser Honig aus Pfaffenwiesbach stehen auch im Regal. Aber Claudia Allendörfer kann sich vorstellen, dieses Angebot durch weitere Bioprodukte aus der Region zu erweitern. Eigentlich sollte er in diesem Jahr umgebaut werden, dann wäre das möglich, aber Corona habe einen Strich durch die Rechnung gemacht und stattdessen den Regiomaten gebracht.

Fleischprodukte zur Grillsaison

Fleisch gibt es derzeit noch nicht "automatisch", aber: "Wir denken daran, im Sommer Grillfleisch ins Angebot zu nehmen." Der Beratungsbedarf gerade bei Rindfleisch sei groß, so dass Kunden das gerne im Hofladen einkaufen. Hier herrschte aber in den letzten Monaten während den Öffnungszeiten freitags von 15 bis 18 Uhr großer Andrang, und diese Tatsache hatte der Entscheidung den Automaten anzuschaffen den letzten Schub gegeben. "Gedacht haben wir daran schon länger."

Allerdings sollen damit durchaus nicht alle Kunden auf das kontaktlose System verwiesen werden. "Uns sind nach wie vor der direkte Kontakt mit den Kunden und die Beratung wichtig." Dafür bleibe durch den Automaten auch wieder mehr Zeit. Am liebsten haben die Allendörfers es jedoch, wenn die Kunden ihre Waren bestellen, das sei leichter zu bearbeiten, und so bleibe auch Zeit für ein Gespräch.

Bürgermeister Gregor Sommer freut sich über das neue Angebot, das die Vielfalt der regionalen Produkte erweitert. "Ich finde das ganz wichtig, dass die Leute nicht so weit zum Einkaufen fahren müssen." Ihm komme das auch entgegen, schließlich habe ein solcher Automat sieben Tage in der Woche, 24 Stunden täglich geöffnet. Gerrit Mai

Im Regiomat sind die Waren abgepackt und jederzeit erreichbar.

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