Brüderpaare: Patrick Hildebrandt, Kevin Lindner, Tobias Ketter, Jonasa Lindner, John Angus Hildebrandt und Moritz Ketter (von links).
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Brüderpaare: Patrick Hildebrandt, Kevin Lindner, Tobias Ketter, Jonasa Lindner, John Angus Hildebrandt und Moritz Ketter (von links).

SG Wehrheim/Pfaffenwiesbach

Die Familienbande: So viele Brüder kicken in sonst keinem Taunus-Verein

Wenn die SG Wehrheim/Pfaffenwiesbach am Sonntag in Mammolshain antritt, wird auch das letzte Spiel des Jahres zur Familienangelegenheit. Mehrere Brüder kicken gemeinsam. Das unterstreiche das Vereinscredo, sagt der Trainer.

Der Begriff „Bruder“, synonym für Kumpel, wird in letzter Zeit auf Fußballplätzen häufiger bemüht. Gerade unter Amateurmannschaften ist es auch nicht ungewöhnlich, dass echte Geschwister gemeinsam auf dem Feld stehen. Die SG Wehrheim/Pfaffenwiesbach ist diesbezüglich aber wohl der Spitzenreiter im Hochtaunuskreis, sind dort doch sage und schreibe sechs Brüderpaare aktiv: Moritz und Tobias Ketter, Kevin und Jonas Lindner, Patrick und John Angus Hildebrandt, Andrei und Bogdan Ursachi, Manuel und Timo Waldschik sowie Florian und Marius Backmeister. Mit Jonas und Christian Stiefel wären es eigentlich sogar deren sieben, doch Christian Stiefel tritt gerade sportlich etwas kürzer und steht nur als Stand-By-Kicker parat. Nichtsdestotrotz kann man die SG als den „Verein brüderlicher Liebe“ bezeichnen. Meistens jedenfalls.

„Natürlich ist man umso stolzer, wenn dem eigenen Bruder auf dem Platz was gelingt“, sagt Tobias, genannt Tobi, Ketter über Bruder Moritz, „andererseits ist die Hemmschwelle auch geringer, ihn mal richtig anzupfeifen, wenn er Mist baut.“ Anlass zur Kritik gab es in dieser Saison selten. Vor dem letzten Spiel des Jahres beim FC Mammolshain (Sonntag, 15 Uhr) belegt die SG Wehrheim/Pfaffenwiesbach den ersten Platz der Kreisliga und ist als einziges Team im Hochtaunuskreis noch ungeschlagen.

Die Doppel-Sechs bildeten bisher in der Regel Tobi und Moritz Ketter. „Wir haben vier oder fünf Leute für diese Position“, verrät Kapitän Tobi grinsend, „mit ihm ist die Abstimmung aber definitiv am leichtesten. Vielleicht auch deswegen, weil er für mich die Drecksarbeit übernimmt.“ Der „Arbeiter“ Moritz spielt seit seinem dritten Lebensjahr in Wehrheim Fußball, Tobi suchte sein Glück zwischendrin unter anderem beim FC Neu-Anspach. Dort spielte er einst schon gemeinsam mit Patrick Hildebrandt.

Nach einem halben Jahr ohne Einsatz kam jener Patrick Hildebrandt im vergangenen Jahr zur SG. „Nach meinem Umzug nach Wehrheim hat sich das so ergeben“, erklärt der Torjäger, „und ich habe es bis jetzt keine Sekunde bereut.“ Angebote von höherklassigen Vereinen habe es zwar auch gegeben, zuletzt vom Gruppenliga-Zweiten FC Kalbach, doch an einen Wechsel verschwende Patrick Hildebrandt keinen Gedanken. „Ich geh’ hier nicht mehr weg“, sagt er und betont dabei auch sein fortgeschrittenes Fußballeralter von 30 Jahren. „Das hätte ich zwar nie gedacht, aber man spürt den eigenen Körper jetzt immer mehr“, stöhnt Patrick, und Bruder John Angus nimmt die Steilvorlage sogleich auf: „Den merkt man auch schon mit 26.“ Momentan muss „Johnny“ aufgrund eines Bänderrisses pausieren, ansonsten spielen die beiden manchmal sogar nebeneinander. John Angus ist auch Stürmer.

Im ersten gemeinsamen Spiel der Hildebrandt-Brüder, am ersten Spieltag gegen den FSV Friedrichsdorf II, legte Johnny, der in der Jugend bei Eintracht Frankfurt an der Seite von Cenk Tosun stürmte, auch gleich ein Tor für Patrick auf. Beide betonen das gute Klima innerhalb des Vereins und bekommen dabei Rückendeckung von Kevin und Jonas Lindner, die vom TuS Merzhausen zur SG kamen.

„In Merzhausen gab es eine Zwei-Gruppen-Gesellschaft zwischen der 1. und der 2. Mannschaft“, meint Kevin Lindner. Das, pflichtet Jonas bei, habe sich in den vergangenen Jahren leider so entwickelt. Bei der SG Wehrheim/Pfaffenwiesbach sei der Zusammenhalt unter den drei Senioren-Teams viel größer. Für Sonntag haben sich die Spieler der 2. und 3. Mannschaft bereits zum Brunch verabredet, anschließend geht es mit einem Bus nach Mammolshain, wo man die „Erste“ anfeuern will.

„Ehrlich gesagt habe ich bisher nie darüber nachgedacht, dass wir so viele Brüder im Verein haben“, gesteht Trainer Gregory Strohmann, „aber es unterstreicht unser Bild des familiären Vereins.“ Als klaren Wettbewerbsvorteil im Kampf um den direkten Wiederaufstieg in die Kreisoberliga sieht der Coach die Familienbande allerdings nicht. „Dafür sind sie allesamt einfach sehr unterschiedliche Charaktere“, sagt Strohmann.

Aber ganz unerheblich dürfte die geteilte DNA auch nicht sein, glaubt man Patrick Hildebrandt. „Ich habe in meiner ganzen Karriere mit keinem Verein so eine gute Hinrunde gespielt“, schwärmt der Stürmer, „nach dieser sollten wir auf jeden Fall den Aufstieg anpeilen.“ Beim letzten Halbsatz nickt John „Johnny“ Angus zustimmend. Unter Brüdern bedarf es halt häufig keiner Worte.

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