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Readhead Hedgehog (links) und A.B. Bass waren heiß darauf, die schwarzen Scheiben aufzulegen.

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Fun-Revival-Party lässt Kult-Disko wieder aufleben

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Mit der Fun-Revival-Party hatte die TSG voll ins Schwarze getroffen. Etwa 1500 Besucher sind Beweis dafür, auch wenn nur 1000 von ihnen eine Eintrittskarte bekommen hatten. Das Bier konnte nachbestellt werden, die Karten wurden durch Stempel ersetzt.

Die Gäste der ersten offiziellen Fun-Revival-Party seit dem Ende der Kult-Disko im Usinger Land, können von ihrem Erfolg nicht nur erzählen, sondern Handy-Fotos zeigen. Das gab’s in den 90er Jahren noch nicht. Aber die Tonträger waren schwarz und aus Vinyl – auch am Samstagabend, das ist DJ A.B. Bass wichtig. Er strahlt, wenn er an seine Zeit in der Usinger Diskothek Fun denkt. „Wir waren Trendsetter im ganzen Rhein-Main-Gebiet, zum Beispiel beim Dancefloor. Bei uns waren Leute, die später Stars waren.“ Kurz bevor Eloy de Jong mit „Caught in the Act“ in England seinen Durchbruch hatte, war er im Fun in Usingen.

A. D. Bass legt heute noch auf privaten Partys und beim HR-Jugendsender You FM Platten auf. Nach dem ersten Bühnennebel und spätestens beim Eurodance-Song „What is Love“ tanzen, klatschen und strecken die Besucher ihre Hände in purer Euphorie in die Höhe. Sie scheinen in den fast zehn Jahren, die es die Kult-Disko nicht mehr gibt, um keinen Tag gealtert.

Der Disk-Jockey selbst schwelgt in Erinnerungen. Er hat das alte – leicht abgewaschene – T-Shirt mit dem Fun-Emblem angezogen, und umarmt alte Bekannte, lernt aber auch die Söhne und Töchter früherer Fans kennen.

Sein Partner Thorsten Möckel, damals unter DJ Readhair Hedgehog bekannt, ist ein bisschen aufgeregt, aber wesentlich ruhiger. „So war es damals schon. Ich war hibbelig und er hat mich beruhigt, wir haben uns prima ergänzt.“

Hibbelig warten die rund 1500 Gäste, bis die zwei auf dem Musiktruck die erste nostalgische Scheibe auflegen. Der Truck muss auf festen Rädern stehen, denn klösterlich ruhig geht’s beim Auflegen nicht zu, und Schallplatten sind für Wackler anfälliger als moderne CDs.

Tanja Kandler aus Westerfeld kann sich noch gut an den 30. Dezember 2010 erinnern, als sich die Tür zum letzten Mal öffnete. „Das war sehr traurig für uns.“ Schließlich hatte sie in den 90ern ein paar Jahre dort gearbeitet. Sie hat ihre Member-Card dabei, und dafür gibt’s von der TSG einen Tequila, das damalige Kultgetränk. „Aber es gingen auch Jacky-Cola und Cocktails.“ Nur Handys gab es noch nicht, und so kann sie keine Fotos zeigen, hat aber noch viele auf Papier zuhause. Und die Erinnerung. An alternative Musik wie Hooters, Metallica oder Böhse Onkelz immer donnerstags, freitags gab’s Techno und samstags alles, was die Charts boten. „Besonders beliebt waren die Themen-Partys, zum Beispiel die Halloween- oder die Beachpartys.“

Genau dazu hat TSG-Chef Thomas Wagner eine eindrückliche Erinnerung aus der Zeit Mitte der 90er Jahre. Alle sprachen vom Fun, und der damalige Bürgermeister Helmut Michel wollte auch mal erleben, woran junge Leute im Fun ihren Spaß haben. Also ging’s mit den beiden Ehefrauen nach Usingen – mitten in eine Schaumparty. Und Helmut Michel hat im guten Anzug mitgetanzt. „Es war unglaublich, wie stolz die Wehrheimer Kids waren, dass ihr Bürgermeister da mitgemacht hat.“ Aber Wagner hat noch mehr Erinnerungen, schließlich zeichnete er mit seiner Firma für Planung und Ausführung der Elektrik verantwortlich. „So etwas gab es in der ganzen Region nicht“, schwärmt er heute noch. Und auch davon, wie seine Mutter im gesetzteren Alter nach einer Betriebsfeier im Fun mittanzte. „Der Opa konnte es kaum fassen.“

Das Fun sei immer familiär gewesen, erinnert sich Wolfgang Gauger. „Es war unser Fun.“ Wer genau hinsieht, kann am Samstagabend in den Augen der Gäste das eine oder andere Nostalgie-Tränchen sehen. Viele von ihnen hoffen zusammen mit der TSG, dass es nicht die einzige Fun-Revival-Party bleibt. Aber jüngere sind dann sicher dabei, denn auch Tanja Kandler vermisst solche Angebote, die ihre Jugend bereichert haben, für heutige junge Leute. Deshalb hoffen alle zusammen, dass die damaligen Eigentümer, Helmut und Reimund Müller, die Inhaber aller Rechte sind, im nächsten Jahr beim Beach-Wochenende wieder grünes Licht geben. Das ist dann das 20., und zum Jubiläum sollte das doch möglich sein.

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