Verkehrskonzept

Heute werden die Fahrzeuge im Kernort vollautomatisch gezählt

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Bald wird klar sein, wie viele Autos täglich durch den Kernort fahren. Die entsprechenden Messgeräte wurden gestern Mittag installiert, seit 23.45 Uhr wird der Verkehr erfasst. Doch mit der Messung ist es noch lange nicht getan . . .

Unscheinbar sind sie nicht gerade, die schwarzen Geräte, die seit gestern an verschiedenen Straßenrändern im Ortsteil Wehrheim angebracht sind. Sie erinnern etwas an Not-Sendeanlagen aus Kriegs- oder Endzeitfilmen, in denen die Infrastruktur zusammengebrochen ist und solche Sender die einzige Möglichkeit sind, mit anderen versprengten Überlebenden in Kontakt zu treten.

So weit ist es im Apfeldorf natürlich nicht – wobei der Zusammenbruch der Infrastruktur schon ein verbindendes Element zu den Geräten ist. Denn der soll durch die großangelegte Verkehrszählung am heutigen Donnerstag vermieden werden.

Gestern war Klaus Hoffmann von der beauftragten Firma „R+T Ingenieure für Verkehrsplanung“ damit beschäftigt, die batteriebetriebenen Anlagen zu installieren und so zu kalibrieren, dass sie – je nach Aufgabenstellung – den fließenden und ruhenden Verkehr erfassen können. Dazu muss das Gerät richtig verkabelt und der Mast mit der Kamera so ausgefahren werden, dass er die Straße erfassen kann, ohne dass ihm Schilder oder Dachrinnen die Sicht versperren. Auch direkte Sonneneinstrahlung sollte vermieden werden. Noch die Software programmieren und fertig.

Für den Profi kein Problem. Keine fünfzehn Minuten dauert es, das Messgerät aufzustellen und einsatzbereit zu machen. „Wir haben extra Aufkleber angebracht, dass es sich nicht um Anlagen zur Geschwindigkeitsmessung handelt“, verrät Hoffmann. Seitdem gebe es auch weniger Vandalismus. Kritische und prüfende Blicke gibt es trotzdem, wie sich beim Ortstermin zeigte „und Fragen kommen meist auch“, erzählt Hoffmann. Seit drei Jahren hat die Firma die Geräte in Verwendung und misst damit bundesweit. Hoffmann: „Wir waren damit auch schon in Italien.“

Aber sind diese Messungen auch aussagekräftig, wenn nur einen Tag gezählt wird? „Die Erhebungen werden üblicherweise an einem ,repräsentativen Werktag‘ außerhalb der Ferien durchgeführt. Sofern keine Beeinträchtigungen gegeben sind, reicht eine eintägige Zählung aus, da die Schwankungen erfahrungsgemäß in einem Bereich von etwa fünf Prozent liegen“, sagt Thomas Pickel von R+T aus Darmstadt.

Und was passiert, wenn es ausgerechnet an diesem Tag einen Unfall mit Vollsperrung gibt oder ein Wasserrohrbruch auf einer der Ausfallstraßen zu flicken ist? Pickel: „Wir versuchen natürlich, ungewöhnliche Begleitumstände auszuschließen. Man habe daher vorab mit der Gemeinde abgestimmt, dass absehbare Beeinträchtigungen, etwa durch größere Baustellen oder Feste, ausgeschlossen werden. „Im Falle einer erheblichen Beeinträchtigung auf der Umgehung wäre das Ergebnis nicht repräsentativ und die Erhebung müsste – zumindest für den betreffenden Zeitraum – wiederholt werden“, so Pickel.

Heute wird dann gemessen und diktiert. Der Datenschutz erlaubt es nämlich nicht, dass die Kennzeichen erfasst werden. Deswegen wird an den Ortseingängen ein Teil der Kennzeichen der Ein- und ausfahrenden Fahrzeuge auf Band gesprochen. Taucht das Kennzeiche-Teil zwei mal auf, handelt es sich um Durchgangsverkehr. Ist es nur einmal auf Band, darf es dem Ziel- oder Quellverkehr zugerechnet werden.

Dann beginnt die eigentliche Arbeit für die Fachfirma: „Außer den Verkehrszählungen werden auch die weiteren verkehrlichen Gegebenheiten für die Wehrheimer Ortsmitte aufgenommen, zum Beispiel das Parkraumangebot und die -Nachfrage, das ÖPNV-Angebot sowie die Situation für Radfahrer und Fußgänger.“ Anschließend werden die verkehrlichen Mängel analysiert und Ziele für das Verkehrskonzept festgelegt.

Auf dieser Grundlage sollen dann Maßnahmen als Handlungsempfehlungen für die Politik vorgeschlagen werden. Pickel: „Wir haben also noch etwas Arbeit vor uns . . . “

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