Nicole Rubel (links) und Ines Röseler lieben Islandpferde. Sie leiten das Gestüt Hirtenhof mit viel Engagement.
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Nicole Rubel (links) und Ines Röseler lieben Islandpferde. Sie leiten das Gestüt Hirtenhof mit viel Engagement.

Wehrheim

Hier fühlen sich Mensch und Tier wohl

  • VonGerrit Mai
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Nicole Rubel und Ines Röseler haben sich den Islandpferden verschrieben

Wehrheim -Frauen sagt man ein besonderes Faible für große Tiere nach. Schon kleine Mädchen sind vor allem von Pferden fasziniert. Nicole Rubel und Ines Röseler haben diese "Kinderliebe" zum Beruf gemacht. Mehr noch, seit drei Jahren leiten sie gemeinsam das Islandgestüt Hirtenhof bei Obernhain. "Hier haben wir ein ideales Gelände, auch wenn ich unserem früheren Standort immer noch ein wenig nachtrauere", sagt Nicole Rubel. Dort verbringen allerdings noch etwa 60 Isländer ihren Ruhestand.

1999 hatte sie das Islandpferde-Gestüt gemeinsam mit ihrem Mann Christoph Leibold unterhalb des Bügels gegründet. Dass die heute 49-Jährige bereits vier Jahre zuvor ihren ersten Isländer unter dem Label "Hirtenhof" gezüchtet hatte, hat einen guten Grund, denn ihr Vater war Hirte, und er hat ihr die Natur nahegebracht. Das habe sie geprägt, und sie zu den Isländern gebracht Nicole Rubel ist gelernte Zahnarzthelferin, hat aber ihren Beruf an den Nagel gehängt, um sich auf die Zucht zu konzentrieren.

Robust, umgänglich und zuverlässig

Kindern und Jugendlichen die Liebe zur Natur und zu den Pferden weiterzugeben, ist die Intention der beiden energievollen Frauen, wenn sie auf dem Hirtenhof zusammen mit dem Verein Islandpferde-Reiter Wehrheim (IPRW) unterrichten und ausbilden. Für junge Leute sei es heute umso wichtiger, sich für zwei oder drei Stunden täglich an der frischen Luft zu bewegen und Verantwortung zu übernehmen, betont Ines Röseler. "Außerdem gibt ihnen der Umgang Sicherheit und Selbstbewusstsein."

Die 46-Jährige hatte mit zwölf Jahren auf der Insel Spiekeroog den ersten Kontakt zu Isländern. Später habe sie ihr erstes Pferd auf dem Hirtenhof gekauft und mit ins Rheinland genommen. 2007 sei sie samt Isländer zurückgekommen, und seit nunmehr vier Jahren wohnt sie mit ihren drei Kindern, drei Pferden, zwei Hunden und zahlreichen Hühnern auf dem Hof.

Sie hat sich für Isländer entschieden, weil ihrer Meinung nach kaum eine Rasse so tierfreundlich in Gruppen gehalten werden kann. Sie seien robust, umgänglich und zuverlässig. Womit sie auch ein anderes Reiter- und Käufer-Klientel anziehen als andere Pferde. Denn: "Reiter und Pferd müssen zusammenpassen." Schon bei der Auswahl von Stute und Hengst achtet Nicole Rubel auf deren Eigenschaften. "Wir fördern die Stärken eines Tieres."

Auf dem Hirtenhof stehen neben 70 Einstellpferden jede Menge Eigenzuchten verschiedener Altersstufen sowie zehn Zuchtstuten und drei Hengste. Mit dem Zureiten und der Ausbildung lassen die Züchterinnen den Pferden Zeit. Erst wenn ein Fohlen vier Jahre alt ist, wird es für sechs Wochen angeritten, dabei werden einfache Befehle eingeübt. Dann kommt es wieder auf die Weide, bevor das eigentliche Einreiten beginnt. "Erst wenn sie im fünften Jahr sind, werden sie verkauft." Interessenten gebe es schon vorher, und viele Tiere bleiben als Einstellpferde auf dem Hof. "Wir sehen sie immer mal wieder und kriegen nette Briefe von glücklichen Reitern." Darüber freut sich Rubel besonders, das liegt sicher auch daran, dass ihr der Rote Faden wichtig ist, der sich durch die Zucht zieht.

Der Traum von der Weltmeisterschaft

Sie selbst hat sich als Reiterin in der Turnierszene etabliert, ist Dauergast bei Deutschen Meisterschaften und stellt dort regelmäßig Pferde ihrer eigenen Zucht vor. Wie "Ótur vom Hirtenhof", der zudem als Zuchthengst für wertvolle Nachkommen sorgt. Ein Traum wäre es für die Züchterin, wenn eines ihrer Zuchttiere bei einer Weltmeisterschaft mitreiten würde.

Dass Ines Röseler Tierärztin ist, passt perfekt ins Konzept. Ihr liegt das Pferdewohl am Herzen, und sie ist froh, dass ihr Heu nicht nur von den eigenen Wiesen, sondern auch von den Landwirten der Umgebung kommt.

Sie ist stolz auf die gute Hofgemeinschaft, die sich im Laufe der Jahre entwickelt hat, und darauf, dass sich auf dem Hirtenhof der Turnierreiter genau so ernst genommen fühlt wie der Naturfreund. Dazu trägt auch der Verein der Islandpferdereiter bei, durch den sich Synergien bilden, und ohne dessen Mitglieder die Ausrichtung von hochrangigen Turnieren wie der Deutschen Meisterschaft im September, nicht möglich wären. von Gerrit Mai

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