Noah (von links), Luuk und Eike (alle 6 Jahre) haben ienen Wildkirschbaum gepflanzt und beobachten eine veränderliche Krabbelspinne, die um die jungen Knospen herumturnt.
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Noah (von links), Luuk und Eike (alle 6 Jahre) haben ienen Wildkirschbaum gepflanzt und beobachten eine veränderliche Krabbelspinne, die um die jungen Knospen herumturnt.

Wehrheimer Waldkinder kommen gut durch die Pandemie

Inmitten guter Luft muss aber auch diese Gruppe strenge Regeln einhalten

  • vonEvelyn Kreutz
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Regelmäßige Testreihen für alle Kinder sollen mehr Sicherheit bieten

Schon von weitem ist das fröhliche Kinderlachen zu hören. Zwei Jungs hocken als Späher im Baum und melden den anderen Kindern und den beiden Erzieherinnen: "Da kommt jemand." Die meisten Mädchen und Jungs vom Waldkindergarten Wichtelland lassen sich dadurch nicht ablenken.

Noah, Eike und Luuk sind schon sechs Jahre alt. Sie schleppen Äste herbei für ein neues Waldsofa. Andere Kinder schauen zusammen mit den Erzieherinnen Andrea Pfäfflin und Daniela Wagner, wie die kleinen Buchen ihre ersten beiden Blätter aus dem Waldboden strecken, wo es schon Blüten zu entdecken gibt, und ob die neuen kleinen Bäume, die sie in ihrem Schatzwald gepflanzt habe, auch wachsen. Eike hört wie eine Hummel vorbeibrummt.

In der Waldküche spielen Nele (vier Jahre) und Rosa (zwei Jahre) Kuchenbacken. "Unser Zimtkuchen mit Äpfeln ist in drei Minuten fertig", meint Nele stolz.

Würde sie wirklich etwas essen wollen, müsste sie vorher die Händewaschen. Das ist unter Corona-Bedingungen im Waldkindergarten nicht ganz einfach, weil es kein fließendes Wasser gibt. "Das Händewaschen ist schon anstrengend für uns", gibt Pfäfflin zu. Sonst reichte den Kindern vor dem Frühstück zum Abreiben der Hände ein feuchtes Handtuch, das sie von Zuhause mitgebracht haben.

Wenn alle Kinder da sind, müssen jetzt 36 Kinderhände mit wenig Wasser angefeuchtet und nach dem Einseifen und der vorgeschriebenen Einwirkzeit abgespült werden. Die Kinder sind abgehärtet, fast alle ziehen die Lufttrocknung vor.

Hygienekonzept auch im Freien

"Aber seitdem wir häufiger Hände waschen, haben alle trockene Haut", so Pfäfflin. Ohne Hygienekonzept und Dokumentationspflicht geht auch im Waldkindergarten Wichtelland in Paffenwiesbach nichts. Beim Bringen und Holen der Kinder müssen die Eltern Masken tragen. Masken tragen auch die Erzieher, wenn sie den Kindern beim Pipimachen oder Schuhebinden helfen. Aber insgesamt haben die derzeit 18 Wichtel, die sich in der freien Natur aufhalten, auch in Zeiten von Corona deutlich mehr Freiheiten als Kinder in konventionellen Einrichtungen.

Weil im Wald viel frische Luft und Platz ist, können die Kleinen ihrem Bewegungsdrang freien Lauf lassen. Auch Singen im Kreis ist erlaubt, wenn die Abstände weit genug sind. "Die neue Aerosolforschung spielt uns in die Karten", stellt Pfäfflin fest und berichtet: "Im Winter, als man den Atem sehen konnte, haben wir den Kinder bildlich erklären können, wie weit das Virus sich beim Atmen und Sprechen verbreiten kann." So lasse sich ein abstrakter Vorgang sichtbar machen.

Um die Kontakte zu minimieren sind anders als sonst derzeit keine Eltern im Wechsel als Betreuer mit im Wald. Außer Pfäfflin und Wagner gibt es mit dem Musikpädagogen Jens Urban und der Biologin Dr. Sybille Winkelhaus zwei feste Aushilfen, die beide hygienisch geschult sind. Sie alle achten darauf, dass die Kinder sich in Zeiten von Corona nicht gegenseitig helfen, sondern die Erzieher um Hilfe bitten, wenn zum Beispiel die Trinkflasche nicht aufgeht.

Tabu ist es miteinander das Essen zu teilen, wenn eines der Kinder seinen Rucksack vergessen hat. Da auch das gemeinsame Nutzen von Werkzeug-Handschuhen nicht erlaubt ist, hat jedes Kind jetzt eigene Handschuhe, die entsprechend markiert sind. Will jemand Bücher aus dem Bauwagen holen, werden Geländer, Türschloss und Bücher desinfiziert. "Zum Glück müssen wir keine Bäume desinfizieren", lacht Pfäfflin. Auf Knete, die früher im Winter schon mal gerne benutzt wurde, können die Waldwichtel locker verzichten.

Neuer Bauwagen in Sicht

"Sie spielen sowieso lieber mit Matsch, und der ist über Nacht im Freien automatisch wieder keimfrei", so die Erzieherin. Was alle vermissten, seien gemeinsame Ausflüge oder Feste, zu denen auch die Eltern und Geschwister kommen. "Aber unterm Strich kommen unsere Kinder gut durch die Coronazeit und spielen relativ unbelastet", stellt Pfäfflin fest. Erstaunlicherweise sei Corona kein Spielthema.

Sie führt das darauf zurück, dass die Kinder sich relativ entspannt in der Natur bewegen und es vergleichsweise wenige Einschränkungen gebe.

Weil es im Bauwagen zu eng ist, hat der Wichtellandverein als Notlösung für das gemeinsame Essen schon im letzten Jahr günstig ein Partyzelt erworben, dass gut gelüftet und leicht beheizt werden kann. Der Förderantrag für einen größeren Bauwagen läuft.

Infektionsfälle habe es im Waldkindergarten noch keine gegeben, teilt Pfäfflin mit. Ab dieser Woche führen die Erzieher mit den Kindern zweimal wöchentlich Corona-Selbsttests durch. Evelyn Kreutz

Nea (von links, 4 Jahre), Liana (4 Jahre) und Alba (3 Jahre) machen gerade mal ein Pause.

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