Dank des Islandpferdes Zorro reitet Irmengard Middelanis-Neumann das erste Turnier in ihrem Leben.
+
Dank des Islandpferdes Zorro reitet Irmengard Middelanis-Neumann das erste Turnier in ihrem Leben.

Wehrheimerin verfällt Zorros Charme

Mit 57 Jahren bestreitet Irmengard Middelanis-Neumann das Turnier ihres Lebens

  • vonTatjana Seibt
    schließen

Beim Turnier der Islandpferdereiter rechnet sich die 57-Jährige Chancen aus, muss aber das Turnier vor leeren Rängen reiten.

In diesem Jahr ist für die Islandpferdereiter nichts wie bisher. Nicht nur die abgesagte Mitteleuropäische Meisterschaft ist so ein Fall, auch der am kommenden Samstag bevorstehende Qualifikationstag ist außergewöhnlich. Denn das Turnier wird erstmals ohne Zuschauer, dafür aber mit Fernsehteam und mindestens einer Premiere über die Bühne gehen.

So ist ein Kamerateam des Privatfernsehsenders Vox der Sendung "Hund, Katze, Maus" auf dem Hirtenhof, um Nicole Leibold, die Reiter und auch das Turnier zu filmen. Das an sich wäre schon eine Premiere, doch die Besonderheit liegt im Detail. Vor allem für die zweite Vorsitzende des Vereins der Islandpferdereiter, Irmengard Middelanis-Neumann. Die 57-Jährige ist normalerweise die Cheforganisatorin wenn es um die Verpflegung und Care-Organisation für die Teilnehmer geht. Zwischen 40 und 50 Helfer braucht sie für einen solchen Qualifikationstag, an dem die Reiter Punkte für die Teilnahme an Meisterschaften sammeln. Dabei ist sie stets die erste die kommt und die letzte die geht.

Als Mutter von drei Kindern ist ihr die Organisation geradezu auf den Leib geschneidert und zweifelsohne hat sie in den vergangenen 18 Jahren die sie auf dem Hof ist, einiges an Routine gewonnen. "Aber dieses Mal ist es anders", sagt sie mit einem Lächeln. Denn das erste Mal in ihrem Leben wird die passionierte Freizeitreiterin die Seiten wechseln, von der Organisation zur Teilnahme, vom Freizeit- zum Turnierreiter. "Ich will's einfach noch mal wissen", sagt sie schmunzelnd.

Über die Tochter zum Reiten gekommen

Ein Turnier ist sie noch nie zuvor geritten, eine Karriere in dem Bereich strebt sie auch nicht an, obgleich sie schon als Kind in ihrer Heimat Nordrheinwestfalen früh in die Reitschule ging. "Da lief alles noch ganz wie in der alten Schule ab", kann sie sich noch gut erinnern. Das bedeutete schreiende Reitlehrer, ewiges im Kreis reiten immer verbunden mit der Hoffnung, dass man nicht gerade das bockige Schulpferd erwischt hat.

Zwischen ihrem Umzug nach Wehrheim 1996 und dem Weg zum Hirtenhof vergingen für die gelernte OP-Schwester und nun aktive Teilhabeassistentin an der Limesschule noch vier Jahre. "Den Weg zum Reiten habe ich erst wieder über meine Tochter gefunden", schildert sie.

Islandpferde sind anders, das hat sie schnell gemerkt. Nicht nur wegen ihrer fünf Gangarten, sondern auch ihrem Wesen "und der Fallhöhe", schmunzelt die passionierte Reiterin. Als das erste Pferd vor vier Jahren in Rente ging, stand Middelanis-Neumann vor der Entscheidung das Reiten aufzugeben, oder sich noch mal ein Pferd zu kaufen, nachdem die Kinder nun groß sind.

"Ich wollte weiter machen", entschied sie und dann ging alles ganz schnell. Dem Charme des Zorro vom Hirtenhof konnte die Reiterin einfach nicht widerstehen. "Das war Liebe auf den ersten Blick", sagt sie. Ob's die dunklen Augen waren, das leicht Wilde und Ungestüme wenn er frei läuft, weiß sie im Rückblick nicht mehr, nur, dass sie lediglich 24 Stunden Zeit hatte, sich zu entscheiden. In den vier Jahren sind die zwei zu einem so guten Team geworden, dass auch Trainerin Nicole Rubel die Reiterin animierte, an einem Turnier teilzunehmen.

Am Ende zählt der Mut, es auch zu probieren

"Ich habe richtig Prüfungsangst", gibt sie zu. Auch ein Grund, warum Turniere bislang nicht in Frage kamen. Deshalb habe sie sich erst vor einem halben Jahr entschieden. Viele ihrer Konkurrentinnen sind deutlich jünger, haben mehr Erfahrung, doch der schwarze Zorro macht es seiner Besitzerin leicht, obgleich sie schon Tage vorher angespannt ist. Mit 57 noch immer Dinge zum ersten Mal zu wagen, das sei durchaus auch ein gutes Gefühl. Denn am Ende zählt der Mut es zu probieren, vor allem die Dinge, die einem Sorge bereiten, die am Ende aber Ross und Reiter wachsen lassen. Dass sie dabei auch noch vom Kamerateam in den Fokus genommen wird, ist ein besonderes Bonbon.

Dafür hat sie in den vergangenen sechs Monaten zwei Mal in der Woche trainiert und eigens Turnierkleidung gekauft, schließlich soll alles ordentlich aussehen. Tochter Moira (26) wird ihr als einzige aus der Familie zur Seite stehen können, denn auf Grund der Corona-Auflagen, sind pro Starter nur ein Helfer und keine Zuschauer erlaubt. Über das Hygienekonzept hat sich die zweite Vorsitzende mit ihrem Team lange Gedanken gemacht, viel Arbeit steckt also für alle in der Vorbereitung. Nun hofft die Reiterin, das am Ende eine gute Note steht, "sonst war es eine Erfahrung."

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare