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Landwirte erleben enormen Wandel

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In der Ortsmitte stehen noch heute diese beiden Traktor-Oldtimer, die schon vor mehr als 50 Jahren im Einsatz waren. FOTO: PIEREN © Red

Wehrheim. Im Wind wogende Getreidefelder, Bauernhöfe in der Weite des Wehrheimer Beckens, ab und an auch Rinder auf den Weiden, prächtige Pferde auf Koppeln sowie PS-strotzende Traktoren und ein effizienter Maschinenpark: So sieht moderne Landwirtschaft heute aus. Vor 100 Jahren war das Dorf noch komplett von Landwirtschaft geprägt, ein Bauerndorf eben.

Viele Einwohner bewirtschafteten einen eigenen kleinen Hof im Ortskern, hielten dort Tiere und bewirtschafteten nur wenige Morgen Land.

Wie überall in Hessen waren die bäuerlichen Betriebe durch die Realteilung im Erbfall schnell in ihrer Existenz bedroht. Bei dieser erbte jedes der Kinder den gleichen Anteil. Die Bauernhöfe wurden so mit jeder Generation kleiner und die Ackerfläche zerstückelte mehr und mehr.

Größer und näher beieinander

Es entstanden handtuchschmale Parzellen und ein buntes Mosaik von Eigentümern. »Es dauerte bis zum Jahr 1925, als sich in Wehrheim endlich eine Mehrheit für ein Umlegungsverfahren findet«, berichtet Gemeindearchivar Robert Velte in einem Aufsatz zum Wandel in der Wehrheimer Landwirtschaft, der im Jahrbuch des Hochtaunuskreises 2018 veröffentlicht steht. »Mit Abschluss der Flurbereinigung 1932 ist Wehrheim nicht wiederzuerkennen. Die bisherige Parzellenwirtschaft ist abgeschafft.« Die einzelnen Grundstücke sind größer und liegen näher beieinander, der Wegebau war zweckdienlich gestaltet. 1958/1960 dann ein zweites Umlegungsverfahren, bei dem das neue Wegenetz aber nicht mehr geändert wird. In den 1960er Jahren war die hessische Landesregierung bemüht, durch eine Flurbereinigung die Agrarstruktur in den ländlich geprägten Regionen entscheidend zu verbessern.

Ziel war es, die durch das Erbrecht verursachte Zerstückelung der Ackerflächen zumindest teilweise zu beheben. Das Eigentum wurde neu geordnet und wertgleich um- und zusammengelegt, größere Einheiten entstanden. Die durchschnittliche Parzellenzahl wurde je Hof deutlich reduziert - die einzelnen Parzellen waren jedoch deutlich größer. Weil mit dieser Neuordnung zahlreiche landwirtschaftliche Betriebe aufgaben, konnten die verbleibenden Betriebe ihre Flächen aufstocken. Zugleich siedelten mit Beginn der 1960er Jahre einige Landwirte mit ihrem Hof aus der Dorfmitte in die Randlagen der Orte und passten ihre Betriebe den neuen Anforderungen an. Der Oranienhof, der Wilhelmshof und auch der Langwiesenhof sind Beispiele dafür. Die Aussiedlerhöfe erleichterten wie überall im Usinger Land Wachstum und Ausdehnung der Ortschaft. Die Grundstückspreise, die für die Erschließung von Neubau- und Gewerbegebieten angeboten wurden, lagen weit über den Pachtpreisen, die von Landwirten bezahlt werden konnten.

Aus dem Blick verloren

Wie alle Ortschaften im Usinger Land, entwickelte sich auch Wehrheim zu einem Wohnort in attraktiver Naturlandschaft und in erreichbarer Nähe der Arbeitsplätze im Ballungsraum Frankfurt/Rhein-Main. Mit dem Wachstum ging aber zugleich die Bindung der Menschen zur Landwirtschaft verloren. Heute ist der natürliche Ablauf von Aussaat, Wachstum, Ernte und den dafür erforderlichen Arbeiten längst nicht mehr im Blick der Menschen.

»Landwirtschaft und der Alltag in unserer modernen Gesellschaft sind nicht immer einfach unter einen Hut zu bringen«, berichtet Dr. Nikolaus Bretschneider-Hermann, pensionierter Leiter des Landwirtschaftsamtes. »Die Bürger wollen vor allem die Vorteile des modernen Lebens genießen und erwarten in ihrem Umfeld keine Einschränkung durch zeitgemäße Landwirtschaft.«

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