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Timo und Edith Emmerich (von links) sowie Werner Emmerich (Zweiter von rechts) informieren sich bei Nicole Meier (rechts) und Katja Jokiel-Gondek, wie man die eigenen vier Wände gegen Einbrecher schützt.

Kriminalität

Sie machen es Einbrechern schwer: Opfer informieren sich im Präventionsmobil auf dem Marktplatz

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Nach der jüngsten Einbruchsserie in Wehrheim ist die Gemeinde aktiv geworden und bietet Informationen der Polizei an. Nach dem Auftakt gestern gibt es auch heute noch die Möglichkeit, sich über wirksamen Schutz zu informieren.

Wachsame Nachbarn sind auch heute noch der beste Schutz vor Einbrechern. Sie können darauf achten, wenn ein fremdes Auto in der Straße parkt, aufmerksam werden, wenn ein Rollladen mit viel Krach hochgeschoben oder mit einem Knall ein Fenster eingeschlagen wird. Wer sein Haus einbruchssicher machen möchte, zu dem kommt die Polizei nach Hause und gibt Ratschläge. Oder sie präsentiert sich auf Plätzen in verschiedenen Gemeinden. So in Wehrheim.

Für Edith und Werner Emmerich war es kaum zu fassen: Einbrechern war es gelungen, einen dreifach gesicherten Tresor zu knacken und jede Menge Wertgegenstände mitzunehmen. Zudem waren im Haus des Wehrheimer Ehepaars von oben bis unten alle Schubladen und Schränke durchwühlt.

Großes Interesse

Der Schaden ist immens, auch weil die Diebe Erinnerungsstücke wie die goldene Uhr – ein Familienerbstück – mitgenommen haben. Die einzige Möglichkeit des Nachweises sind Fotoalben mit Bildern, auf denen sie die Erinnerungsstücke getragen haben.

Dabei hat die Familie schon einiges für ihre Sicherheit getan. Die Emmerichs hatten, als sie am Abend des Einbruchs für längere Zeit das Haus verließen, den Fernseher laufen und das Licht brennen lassen. Wer dann aber die Rollläden offenlässt, um zu zeigen, dass jemand zu Hause ist, sei auf dem falschen Weg, erklärt Polizeihauptkommissarin Katja Jokiel-Gondek.

Sie ist als Schutzfrau vor Ort der Polizeistation Usingen für Prävention und Information zuständig. Wie gestern steht sie auch heute mit ihrer Kollegin Nicole Meier und dem Präventionsmobil des Polizeipräsidiums Westhessen auf dem Marktplatz und beantwortet Fragen zur Sicherung der eigenen vier Wände.

In den vergangenen Wochen hatten sich Einbrüche in Wehrheim und den Ortsteilen gehäuft (diese Zeitung berichtete), so dass das Interesse an Prävention trotz regnerischen Wetters groß ist.. Für Hauseigentümer gibt es viele Möglichkeiten, sich abzusichern, aber eine hundertprozentige Sicherheit gebe es nicht, erfahren die Interessierten.

Gut seien Sicherheitsglas und abschließbare Fenster, weil die Einbrecher dann nicht durch ein kleines Loch in der Scheibe durchgreifen könnten. Ein Fenster großflächig einzuschlagen, verursache mehr Lärm und könne Nachbarn aufmerksam machen. „Bei einem kurzen Schlag hört kaum jemand hin“, so die Schutzfrau.

Nachbarschaft, die aufpasst, sei überhaupt die beste Prävention. Doch die gibt es nicht überall. Etwa wenn das Gelände weitläufig und durch eine Mauer oder hohen Hecken vom Nebenhaus getrennt ist.

20 Minuten reichen aus

Bei den Emmerichs müssen die Einbrecher gewusst haben, dass sie Zeit haben, vermutet die Fachfrau. Selten werde eingebrochen, ohne dass sich die Täter zuvor genau über ihr Ziel informieren. Sie räumt mit dem Gedanken auf, dass große Werkzeuge nötig sind, um einen Tresor zu öffnen. „Im Notfall nehmen sie ihn mit.“

Jokiel-Gondek ist immer wieder erstaunt, wie Einbrecher mit einem kleinen Schraubenzieher Fenster öffnen. Edith Emmerich ist froh, dass sie nicht zu Hause war oder von den Dieben überrascht wurde. Ihre Befürchtung, angegriffen zu werden, sei aber nahezu unbegründet. „Die meisten Täter flüchten, wenn sie ertappt werden“, erklärt Jokiel-Gondek. Die Hoffnung, Diebesgut zurückzubekommen, muss sie den Geschädigten aber auch nehmen, meist werde es ruckzuck weiterverkauft.

Die Expertin macht auch klar, dass gewiefte Einbrecher Kamera-Attrappen auf einen Blick erkennen können, dass es aber Systeme gebe, die Türen und Fenster absichern, diese jedoch nicht unter 1000 bis 2000 Euro zu haben seien. Und: „Das System ist nur so gut wie der, der es bedient.“ Die Anlage müsse bei jedem Verlassen des Hauses scharf gestellt werden, denn schon 20 Minuten reichen Verbrechern aus.

„Was kann ich tun, wenn ich zur Miete und dazu noch im Parterre wohne?“, fragt eine besorgte Frau. Die Polizistin verweist ebenfalls auf wachsame Nachbarn und regt an, Rollläden zu schließen. Sie können zwar geknackt werden, das gehe aber nicht lautlos vonstatten, was Nachbarn aufschrecken könne.

Stefanie Böttcher aus Obernhain, wo es kürzlich mehrere Einbrüche gegeben hatte, sagen die beiden Hauptkommissarinnen zu: „Wir kommen auf Anfrage nach Hause, um dort auf Schwachstellen aufmerksam zu machen und Lösungen zu finden.“

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