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Mark Opeskin (am Klavier) wird den Chor Cantus Wirena künftig nicht mehr leiten. Das bestätigt Vorsitzende Kerstin Mony. Opeskin hat sich aus mehreren Gründen dazu entschieden.

Eine Wehrheimer Chor-Ära geht zu Ende

Mark Opeskin geht in Ruhestand

  • Nina Fachinger
    vonNina Fachinger
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WEHRHEIM Nach fast 30 Jahren gibt er die Leitung von Cantus Wirena ab - Chor sagt Haydn-Konzert ab

Im Apfeldorf Wehrheim geht eine Ära zu Ende: Mark Opeskin wird den Chor Cantus Wirena 1842 e.V. im nächsten Jahr nicht mehr leiten. Und das nach fast 30 Jahren als Chorleiter. Der 67-Jährige geht in Rente. Das hat er am Donnerstagabend auch den Chormitgliedern erklärt. "Ich gönne ihm seinen Ruhestand. Wir haben ihn gern gehabt und lassen ihn jetzt mit einem tränenden Auge gehen", sagt Almut Rödel, die als Leiterin der Musikschule Wehrheim Teil des Chor-Vorstandes ist. Opeskin wolle sich seiner Familie widmen und seine Enkelkinder genießen, deshalb gebe er seine Chöre auf, so Rödel. Zu jeder Chorprobe gehöre eine intensive Vor- und Nachbereitung, der Chorleiter müsse Werke und Lieder heraussuchen.

Opeskin leitet in Wehrheim den Frauenchor, Männerchor und den gemischten Chor. "Er wird uns bei der Suche nach einem neuen Chorleiter unterstützen" so Rödel.

Menschlich könne sie die Entscheidung gut verstehen, sagt auch Vereinsvorsitzende Kerstin Mony. Aber überrascht war sie von dieser Nachricht dennoch. Bei einem Termin über Berufsperspektiven im kleinen Kreis im Juni habe Opeskin noch signalisiert, dass er den Chor weiter leiten werde. "Da war die Entscheidung wohl noch nicht gereift", so Mony.

Viel Energie in Haydn-Proben investiert

Doch Corona hat auch das Chorleben durcheinandergewirbelt. Am Donnerstag fand zwar wieder eine Probe unter strengen Hygiene-Regeln statt. "Die Zahl unserer Proben in diesem Jahr kann man an einer Hand abzählen", sagt Rödel. Zuletzt - auch schon vor dem Corona-Lockdown - hat der Chor Haydns "Jahreszeiten" geprobt. Das 1801 uraufgeführte vierte und letzte Oratorium Haydns hat einen weltlichen Text und wird relativ selten gespielt. In einer Pressemitteilung hat Cantus Wirena mitgeteilt, dass das mehrfach verschobene Haydn-Konzert "Jahreszeiten", das erst im März diesen Jahres und schließlich ein Jahr später zunächst in Wehrheim und dann in Bad Homburg stattfinden sollte, nicht stattfinden werde. "Es ist dem Vorstand des Chores nicht leicht gefallen, das Konzert abzusagen, da man viel Energie und Probestunden investiert hat. Bedingt durch die Corona-Pandemie war die Aufführung bereits zweimal verschoben worden. Die Aussichten für eine Aufführung im März 2021 haben sich nunmehr endgültig zerschlagen, da zusätzlich zur Pandemie-Problematik der Chorleiter nicht mehr zur Verfügung steht."

Die im Vorverkauf erworbenen Eintrittskarten können ab sofort beim Veranstalter, der Sängervereinigung Wehrheim 1842 e.V. (www.cantuswirena.de) oder der Tourist-Info im Bad Homburger Kurhaus, für die dort gekauften Eintrittskarten bis zum Jahresende 2020 gegen Kostenerstattung zurückgegeben werden, teilt der Verein mit.

Cantus Wirena ist einer der bekanntesten gemischten Chöre im Hochtaunuskreis. Gegründet 1842 ist die Sängervereinigung der älteste Verein in Wehrheim. Unter der Leitung von Mark Opeskin hat der Chor nicht nur Werke aus der modernen Chorliteratur sondern auch aus dem Mittelalter, dem Barock, der Renaissance sowie der Romantik gesungen.

1992 übernahm Opeskin die Chorleitung, seit 1993 ist er künstlerisch-pädagogischer Leiter der Musikschule Wehrheim. "Als die Musikschule Wehrheim gegründet wurde, war es nur konsequent, die Schule als musikinstrumentale Lehreinrichtung der erfolgreichen Wehrheimer Sängervereinigung anzugliedern", heißt es auf der Internetseite der Musikschule. "Die Entscheidung hat keine Auswirkung auf die Musikschule", so Rödel. Ob er weiterhin künstlerischer Leiter der Musikschule Wehrheim bleibe, sei noch nicht entschieden.

Der gebürtige Lette, der in Neu-Anspach wohnt, hatte im Juni bereits die Leitung von drei Chören des Männergesangverein (MGV) Falkenstein nach rund 18 Jahren aufgegeben. Auch damals begründete er diesen Schritt damit, dass seine beiden Töchter Mütter würden und er sie als Großvater unterstützen wolle.

Bereits im Sommer 2019 beendete Opeskin seine Lehrtätigkeit an Dr. Hoch's Konservatorium in Frankfurt nach 38 Jahren in diesem Amt und ging in den Ruhestand.

Von 1990 bis 2004 kümmerte er sich als Kreis-Chorleiter um die musikalischen Belange der 54 im Hochtaunuskreis zusammengeschlossenen Chöre und ist Mitglied im Bundesmusikausschuss des Hessischen Sängerbundes.

Mitglieder sollen zu Wort kommen

Für Cantus Wirena ist durch Corona nichts mehr wie es war. "Menschen, die ihr Leben lang gesungen haben, verlieren etwas", sagt Rödel, "die Frustration ist groß." Deshalb will der Vorstand wissen, wie es seinen Sängerinnen und Sängern geht, "sie sollen Stellung nehmen und können Wünsche äußern". Diese Zusammenkunft soll am 6. November im Saal 1 des Bürgerhauses in Wehrheim stattfinden (Uhrzeit wird noch bekanntgegeben). Darin werde der Chor, nachdem die Regularien abgearbeitet sind, auch über die Zukunft sprechen, sagt auch Mony.

Doch vielleicht wird der Chor in diesem Jahr noch zu hören sein. Bei zwei Veranstaltungen möchte der Chor auftreten: "Wir haben einige Weihnachtslieder auf der Pfanne und haben die Idee, dass wir diese in der Neuen Mitte singen", so Mony. Momentan verhandele der Chor darüber mit der Gemeinde. Außerdem sei geplant, dass Cantus Wirena, auf Einladung der Stadt Usingen, beim Usinger Adventskalender auftritt.

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