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Eine Impression, wie sie nur der Herbst schaffen kann: Der Blick geht von der Bundesstraße 456 am Hohen Berg über Weidegrund hinweg hinab ins Eschbach- und Usatal. Im Hintergrund der Winterstein mit dem Fernmeldeturm.

Vorstoß gegen Windrad-Alleingang

Natur- und Erholungsgebiet schaffen

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Dass der Bundesforst am Winterstein sechs Windräder im Alleingang errichten will, hat die betroffenen Kommunen überrascht, verärgert – und vereint. Nun gibt es einen gemeinsamen Vorstoß – der noch weiter polarisieren könnte.

War die Absicht des Bundesforsts schon ein Paukenschlag, könnte das Vorhaben der vier Kommunen, die Aktien in dem Stückchen Taunuswald zwischen Pfaffenwiesbach und Ockstadt haben, das noch toppen. „Natur- und Erholungsgebiet Winterstein entsteht“, ist eine gemeinsame Mitteilung der Städte Friedberg und Rosbach sowie der Gemeinden Ober-Mörlen und Wehrheim an die Redaktionen überschrieben. Darin fassen die Kommunen ihre Absicht zusammen, alle Interessen der Waldnutzer und Waldbewohner unter einen Hut zu bringen.

An der Nutzung für Windkraft soll festgehalten werden – nur eben nicht durch Anlagen der vorpreschenden „Konkurrenz“. Außerdem sollen Sportler, Erholungssuchende, Wissbegierige und historisch Interessierte auf ihre Kosten kommen – ebenso das Wild. Konkret planen die Kommunen, durch eng miteinander abgestimmte Bebauungspläne folgende Ziele umzusetzen:

Die verschiedenen Nutzungsarten sollen strukturiert werden.

Biotope sollen geschaffen werden. Damit könnten Ökopunkte generiert werden, die mit Bauvorhaben verrechnet werden.

Das Wanderwegenetz wird optimiert, auch das Wegeleitsystem, also die Beschilderung, soll überprüft und verbessert werden.

Außerdem sind für die Interessensgruppen Projekte geplant:

Errichtung eines Naturlehrpfades.

Errichtung eines Flowtrails für Mountainbiker.

Freihaltezonen für den Schutz des Weltkulturerbes Limes und der Kapersburg.

Festlegung geeigneter Standorte für Windenergieanlagen.

Um sicher zu gehen, dass der Bundesforst nicht Fakten schaffen kann, sollen Veränderungssperren erlassen werden. Auch sind artenschutzrechtliche Untersuchungen zur Bestandsaufnahme und als Basis für die Planung, an welchen Stellen und für welche Tierarten zusätzliche Lebensräume gesichert werden sollten, vorgesehen. Einen genauen Zeitplan für das Natur- und Erholungsgebiet gibt es noch nicht. Erst sollen „gleichlautende Beschlüsse in den vier Kommunalparlamenten gefasst werden“. In den Magistraten von Friedberg und Rosbach wurde entsprechend beschlossen. Die Beschlüsse aus Ober-Mörlen und Wehrheim sollen zeitnah folgen, so die Mitteilung.

Ein gewichtiges Wort mitzureden hat das Regierungspräsidium (RP) Darmstadt. „Der Gesetzgeber ermöglicht Gemeinden und Städten, gemeinsame Bauleitplanungen aufzustellen – entscheidend dabei ist, dass die Verfahren in allen Parlamenten, in denen das Vorhaben umgesetzt werden soll, unabhängig voneinander durchgeführt werden“, weiß RP-Sprecher Dieter Ohl. Die damit verbundene Änderung der Flächennutzungspläne bedarf immer der Genehmigung der oberen Verwaltungsbehörde, also des Regierungspräsidiums.“

Dabei ist eine solche Zusammenarbeit über Gemeinde- oder gar Kreisgrenzen hinweg nicht unüblich. „Typische Themen für interkommunal aufgestellte Bauleitpläne sind gemeinsame Gewerbegebiete wie im Weschnitztal im Odenwald oder gemeinsame Flächennutzungspläne zur Steuerung der Windkraft“, so Ohl, der angibt, dass das aktuelle Vorhaben beim RP bislang noch nicht bekannt sei.

Als Begründung für das ehrgeizige Projekt führt die Stadtverwaltung Rosbach an, dass sich der Bereich Winterstein zu einem „beliebten, vielfältig genutzten und wertvollen Naherholungsgebiet entwickelt“ habe.

Der Winterstein „ist ein beliebtes Ziel bei Wanderern, Joggern, Radfahrern und Reitern und verfügt über eine artenreiche Tierwelt, wertvolle Baumbestände und Biotope“, heißt es. Da weite Teile des Waldgebietes lange von den US-Streitkräften als Übungsterrain genutzt worden seien, wurde der Wald erst nach Beendigung dieses Übungsbetriebs für Kommunen und Bevölkerung nutzbar.

Damit das Areal auch künftig wertvolles Naherholungsgebiet bleibe, müssten die Nutzungsansprüche in Einklang gebracht werden. „Um die Interessen der Kommunen und ihrer Bevölkerung zu wahren und zu einem Ausgleich zu bringen, ist die Aufstellung eines Bebauungsplanes notwendig.“ Damit sichern sich Kommunen die Planungs- und Gestaltungshoheit.

Die vier Bürgermeister sind sich einig: „Für eine nachhaltige Gestaltung und Nutzung des Naherholungsgebietes müssen die Interessen aller Nutzer kooperativ unter einen Hut gebracht werden.“

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