1. Startseite
  2. Region
  3. Hochtaunus
  4. Wehrheim

Nicht ganz dicht

Erstellt:

Von: Inka Friedrich

Kommentare

Holger Brandt zeigt den Hohlraum unter der Tribüne. Die tragenden Metallstützen waren an mehreren Stellen gebrochen. Und auch die Rollen, auf denen die Tribüne steht, sind porös.
Holger Brandt zeigt den Hohlraum unter der Tribüne. Die tragenden Metallstützen waren an mehreren Stellen gebrochen. Und auch die Rollen, auf denen die Tribüne steht, sind porös. © INKA FRIEDRICH

Handballer: Zustände in der Wehrheimer Limeshalle sind „nicht tragbar“. Der Hochtaunuskreis weist die Vorwürfe zurück.

In den letzten Sommertagen war es mal wieder so weit: Ein Platzregen sorgte dafür, dass es in die Sporthalle an der Limesschule hineingeregnet hatte. Wieder einmal. Und das, obwohl im Frühjahr gerade erst Arbeiten am Hallendach ausgeführt wurden, die genau diese Situation eigentlich verhindern sollten. „Das ist nicht hinnehmbar für uns“, sagt Holger Brandt, der Vorsitzende der Handballspielgemeinschaft SG Wehrheim/Obernhain.

Er zeigt auf eine Ecke der Halle. Hier sieht man deutlich, wo Wasser eingedrungen ist. Dort, wo die Flüssigkeit an den Scheiben heruntergelaufen ist, sind sie ganz milchig. Wenige Schritte weiter, im Anbau, ist der Wasserschaden noch deutlicher. Die Decke ist schmuddelig verfärbt, in einem Abstellraum zeigen sich am abgeplatzten Deckenputz deutlich bläuliche Stock- oder Schimmelflecken. „Das ist gesundheitsgefährdend für uns alle“, sagt der Vereinsvorsitzende.

Schimmel und spröde Stahlträger

Doch das Wasser sei nicht die einzige Schwierigkeit. „Ein weiteres Problem ist die Tribüne“, betont er. Denn die sei über Monate nicht einsatzfähig gewesen. „Sie hing in der Mitte durch und durfte eigentlich nicht betreten werden, weil einige Stahlträger gebrochen waren. Das war ein klares Sicherheitsrisiko. Doch niemand hat uns darüber informiert“, betont er. Eigentlich sei die Tribüne einfahrbar. Das funktioniere aber nicht mehr, da sowohl Rollen als auch Stahlgestänge porös geworden seien.

„Die Rollen bestehen aus Plastik, das wegbröckelt, weswegen die Tribüne auch nicht mehr bewegt werden darf. So etwas entsteht nur dann, wenn man sie über einen längeren Zeitraum nicht ersetzt. Was mich dazu führt, zu hinterfragen, ob der Kreis überhaupt eine Wartung vorgenommen hat“, fragt Brandt.

Gleiches gelte für eine regelmäßige Reinigung der Halle. „Es kommt immer wieder vor, dass unsere Sportler auf dem Boden ausrutschen und zu Schaden kommen, weil nicht richtig geputzt wurde, und Flusen, die aus dem Raum unter der Tribüne stammen, auf das Spielfeld geweht werden.“ Dies deute darauf hin, dass das Unternehmen, das die Reinigung der Halle vornimmt, dies nicht regelmäßig tut. Auch die Sanitärräume seien immer wieder so verdreckt, dass die Frauen sich geweigert hätten, in der Sporthalle zu duschen.

Brandt hatte bereits am 19. August alle Fraktionen und auch den Kreis über den Wasserschaden in Kenntnis gesetzt sowie den Wehrheimer Sozialausschuss in seiner Sitzung über die aus Sicht der Handballer „unerträgliche Hallensituation“ informiert. Brandt hatte damals gesagt, dass die Handballer von einer Fachfirma bereits einen Kostenvoranschlag für die Reparatur der Tribüne eingeholt hätten.

„Wir verlangen ja keine neue Tribüne - eine Instandsetzung für 1000 Euro tut es doch auch.“ Brandt räumte jedoch auch ein, dass ihm gegenüber vom Kreis angekündigt worden sei, dass die undichten Stellen sachgerecht abgedichtet werden sollen. „Was ich jedoch nicht verstehe ist, warum man eine solche Flickschusterei betreibt. Ist es nicht sinnvoller, gleich das ganze Dach zu erneuern, dass man dann die nächsten Jahre Ruhe damit hat?“

Bereits einen Tag nach der Sozialausschusssitzung hatte Bürgermeister Gregor Sommer (CDU) sich nach eigener Aussage bereits zum zweiten Mal an den Hochtaunuskreis gewandt und von dort eine ausführliche Antwort erhalten. In dieser sei unter anderem auch aufgeführt worden, dass „für das kommende Jahr im Bauunterhaltungsetat des Kreises ein sechsstelliger Betrag für eine neue Abdichtung des Sporthallendaches vorgesehen“ sei.

Auf Nachfrage dieser Zeitung betont die Kreispressestelle, dass die Sicherheit der Sportler zu keinem Zeitpunkt gefährdet gewesen sei. Wartungsarbeiten würden in den gebotenen und vorgeschriebenen Rhythmen vorgenommen.

Kreis weist Vorwürfe zurück

Vorwürfe einer mangelnden Kommunikation wies der Kreis klar zurück. Es habe sowohl mit Sommer als auch mit den Handballern einen ständigen Austausch gegeben, Einschränkungen und Reparaturarbeiten seien Bürgermeister und Handballern immer wieder per E-Mail kommuniziert worden.

Zwar räumte der Kreis ein, dass die Nutzbarkeit der Tribüne in ihrer ursprünglichen Funktion momentan nicht gegeben sei, dieses beeinträchtige den Sportbetrieb aber nicht. Zudem solle in den nahenden Herbstferien mit den Reparaturarbeiten für das Dach begonnen werden. Zwischendurch sei es zusätzlich zu einer Rissbildung in der Hallenabdichtung gekommen, dessen Sanierung ebenfalls für die Zukunft eingeplant sei.

Auch auf den Vorwurf der mangelnden Reinigung ging der Kreis ein: Die Reinigung werde täglich an allen Schulen im Hochtaunuskreis ausgeführt, so die Kreispressestelle. Mängel würden durch die Hausmeister dokumentiert und an den Kreis als Schulträger rückgemeldet, der dann eine Nachreinigung veranlasse.

Alle bekannten Beschwerden seien zeitnah überprüft und abgearbeitet worden. „Wir tun alles uns Mögliche, um die bestmögliche Voraussetzung für Vereins- und Schulsport in unseren Hallen zu schaffen“, heißt es dazu abschließend. VON INKA FRIEDRICH

In der hinteren Ecke hat es mal wieder rein geregnet.
In der hinteren Ecke hat es mal wieder rein geregnet. © INKA FRIEDRICH
Das Dach im Anbau ist undicht. Die Deckenverkleidung platzt bereits ab. Stockflecken sind sichtbar.
Das Dach im Anbau ist undicht. Die Deckenverkleidung platzt bereits ab. Stockflecken sind sichtbar. © INKA FRIEDRICH

Auch interessant

Kommentare