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Nur maßvolles Wachstum möglich

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Die orangen, unschraffierten Flächen in Pfaffenwiesbach könnten künftig für Wohnbebauung entwickelt werden. Ansonsten hat Pfaffenwiesbach nicht mehr viel unerschlossene Fläche anzubieten. FOTO: REGIONALPLAN © Red

Wehrheim (inf). Über zehn Jahre ist es her, dass zuletzt ein Regionaler Flächennutzungsplan für den Hochtaunuskreis aufgestellt worden ist. Eine langer Zeitraum, in der sich viel ändern kann - so auch in Wehrheim. So verwundert es nicht, dass ein neuer Flächennutzungsplan von vielen mit äußerstem Interesse erwartet wird - gibt er doch darüber Auskunft, in welche Richtung sich eine Kommune entwickeln könnte.

Im Jahr 2016 hatte die Verbandskammer den Beschluss zur Neuaufstellung dieses Planes gefasst. Im Rathaus erwartet man, dass den Kommunen etwa im Herbst dieses Jahres die Neufassung vorgelegt wird. Bis dahin würden zahlreiche Gespräche mit den Kommunen geführt, Landkarten anhand von Luftbildern aktualisiert sowie mit Daten von Behörden und anderen Verwaltungseinheiten beispielsweise zu Grüngürteln, klimatischen Besonderheiten wie Kaltluftschneisen oder veränderten Wasserflächen abgeglichen sowie gesamträumliche Planungskonzepte und übergeordnete Planungen des Landes Hessen in den neuen Plan mit einbezogen.

Neufassung im Herbst erwartet

»Alle Kommunen haben die Möglichkeit, dem Regionalverband neue Flächen vorzuschlagen. Diese Flächen werden dann vom Regionalverband und dem RP abgeprüft«, erklärt Wehrheims Bürgermeister Gregor Sommer. Momentan finde noch eine Überprüfung in den Fachbehörden statt, danach werde der entsprechend erarbeitete Plan des Regionalverbandes allen Kommunen zur Beratung übermittelt. »Diesen Plan haben wir noch nicht«, sagt Sommer.

Eines jedoch steht für das Apfeldorf bereits jetzt fest: »Wir werden in Wehrheim nur maßvoll wachsen«, sagt Sommer. Denn es bringe nichts, massenweise Flächen in einer Kommune auszuweisen, deren Wasserversorgung nicht ausreichend gewährleistet sei. »Unser Problem hier im Usinger Land heißt Wasser. So lange das nicht gelöst ist, können wir nicht überall neue Baugebiete ausweisen. Denn wir als Kommune haben ja auch eine Pflicht gegenüber unserer Bevölkerung, die mit den nötigen Grundbedürfnissen ausgestattet werden muss.«

Da aber eben nicht genug Trinkwasser vorhanden ist, geht die ausreichende Trinkwasserversorgung nur über neue Denkansätze. »Die Brunnen in unserem Wasserverband decken unseren Wasserbedarf nur zu etwa 50 Prozent. Die Menge des Wassers, das wir zukaufen können, ist ebenfalls limitiert. Was bedeutet: Wir müssen über die vierte Reinigungsstufe nachdenken, mit der Abwasser wieder zu Trinkwasser aufgearbeitet werden könnte«, sagt Sommer. Trotzdem könne man auch nicht unbegrenzt Abwasser wiederaufbereiten, sondern höchsten 8 bis 10 Prozent. »Die Usa ist von diesem geklärten Abwasser abhängig, gerade im Sommer«, betont das Verwaltungsoberhaupt.

Landwirtschaftliche Flächen vorhalten

Doch auch mit einer Wasseraufbereitungsanlage wäre es nicht getan: Die Entwicklung neuer Bauplätze bräuchte auch den Aufbau von Infrastruktur. »Die Menschen wollen wohnen, brauchen Straßen, eine Kita-Betreuung und Schulen sowie eine Grundversorgung, ebenso die Verkehrsanbindung, die S-Bahn und Parkmöglichkeiten am Bahnhof. All das muss gewährleistet sein«, erklärt Frank Dechert vom Bauamt. Um Orte wie Wehrheim weiterentwickeln zu können, seien vor allem neue Denkansätze sinnvoll. »In unserer Region ist es nicht mal mehr möglich, dass zwei Gutverdiener ein Haus errichten. Die Preise steigen immer mehr, gerade hier im Hochtaunuskreis. Das Stichwort heißt deshalb Innenentwicklung, beispielsweise, indem Leute noch ein zweites Stockwerk auf ihr Gebäude aufstocken oder aber die Scheune im Hof ausbauen. Dadurch ließe sich Wehrheim noch weiterentwickeln.«

Dennoch gibt es auch in Wehrheim noch Flächen, die laut Flächennutzungsplan erschlossen und bebaut werden könnten. Ein Beispiel ist eine Fläche oberhalb der Konrad-Adenauer-Straße in Pfaffenwiesbach, aber auch bekannte Flächen wie an der Heinrich-Kielhorn-Schule, am Bauhof oder sogar eine mögliche Entwicklungsfläche im Norden Wehrheims. Allerdings wäre gerade in Pfaffenwiesbach die Erschließung nicht ohne Weiteres möglich. »Es müssten massive Kanalarbeiten vorgenommen werden und vermutlich auch eine Hydraulik einkalkuliert werden, da das Wasser mehrere Meter nach oben transportiert werden muss«, erklärt Sommer. Was bedeutet: Wenn die Gemeinde diese Grundstücke noch erschließen möchte, ließen sich die Kosten für die Arbeiten nur begrenzt auf die künftigen Eigentümer umlegen.

Einen weiteren Punkt spricht Sommer gerade im Hinblick auf die Ukraine-Krise an. »Wir sehen gerade jetzt durch die Abhängigkeiten der vergangenen Jahrzehnte, auf welch dünnem Eis wir uns mit unserer Lebensmittelversorgung befinden. Aus diesem Grund müssen wir als Gemeinden landwirtschaftliche Flächen vorhalten und nicht alles zubauen, wo noch etwas produziert werden kann.«

Denkmalschutz erschwert Planung

Ein Punkt, der immer wieder zu Schwierigkeiten bei der Ortsentwicklung führt, sei übrigens der Denkmalschutz. »Viele Häuser in Wehrheim, die unter Denkmalschutz stehen, wären schon längst saniert, wenn sich die Behörden bewegen und Investoren flexiblere Möglichkeiten geben würden, diese Gebäude zu sanieren.« Ein Beispiel seien laut Sommer alte Scheunen, die viele Investoren als Kompensation für ihre Investition in die Sanierung eines denkmalgeschützten Gebäudes fließt. »Doch das erlaubt die Behörde oft nicht«, sagt Sommer. Aus diesem Grund wünscht er, dass im Zuge der Veränderung der innerörtlichen Verdichtung alte Regularien überarbeitet werden, sodass Kompromisse mit Investoren gefunden werden könnten, um den Erhalt von Kulturgut zu fördern - aber zweckdienlich.

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