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Als dichtes Netzwerk ziehen sich die Wasser-Versorgungsleitungen durch den Ort. Blaue Schilder, wie hier am Hochbehälter Krausbäumchen, weisen auf sie hin. In 7,8 Metern Entfernung befinden sich zwei Schieber (Absperrventile) für Rohre mit je 20 Zentimetern Innendurchmesser.

Nach Sommer 2018

Das sind Wehrheims Pläne gegen die Trockenheit

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Der vergangene Sommer hat gezeigt: Auch im Taunus ist die Resource Wasser nicht unendlich. Zwar ist eine dramatische Verknappung nicht zu befürchten, aber die Gemeinde erwägt, autarker zu werden.

Wehrheim - Man wolle die Leistung der eigenen Brunnen zurückfahren und stattdessen mehr Wasser importieren. Von Hessenwasser beziehe man das Wasser zudem günstiger, als wenn Wehrheim es selbst fördere – im Ried oder im Vogelsberg, wo das Wasser herkomme, gebe es die Probleme mit der Trockenheit nicht.

Auch vor dieser Überlegung, geäußert von Bürgermeister Gregor Sommer (CDU) im Sommer 2005, lag eine außergewöhnliche Trockenzeit – der Rekordsommer 2003.

Jetzt, knapp 15 Jahre später, weiß man im Apfeldorf, dass auch die anderen Regionen keine unendlich sprudelnden Quellen sind. Und das Jahr 2018 hat gezeigt: Auch in Zeiten, in denen mehrfach und eindringlich zum Wassersparen aufgerufen wird, halten sich längst nicht alle Bürger daran. Und eine Sanktionierung, auch das war schon Thema in früheren Sitzungsrunden, funktioniere nur bedingt. Im Juli 2018 seien 29 000 Kubikmeter Trinkwasser verbraucht worden, gegenüber rund 22 000 Kubikmeter im Vorjahr.

Deswegen, so teilte Bürgermeister Gregor Sommer (CDU) jetzt im Bauausschuss mit, macht sich die Gemeindespitze derzeit Gedanken. Auf der einen Seite gehe es um Überlegungen, die bestehenden Vorhaltemöglichkeiten zu erweitern, also Hochbehälter auszubauen, um genug Reserven für extrem heiße Tage vorzuhalten, an denen der Wasserverbrauch besonders hoch ist. Das Prinzip lässt sich am besten mit einer Regentonne vergleichen: Ist die größer, passt in guten (Regen-) Zeiten mehr rein, der Vorrat hält länger. Solche Überlegungen sind nicht neu. So fasste der (erste) Hochbehälter am Krausbäumchen in den 1950er Jahren 200 Kubikmeter. Heute sind es 1400.

Keine absolute Sicherheit

Allerdings bringt Sommer auch neue Brunnenbohrungen ins Spiel. Entsprechende Gespräche mit einer Fachfirma liefen bereits. Denn bevor man einen Brunnen setzen will, ist ein hydrogeologisches Gutachten nötig, um einen aussichtsreichen Platz zu finden.

Doch Sommer schränkte ein: „Eine 100-prozentige Sicherheit, dass eine Bohrung erfolgreich wird, gibt es nicht.“ Er erinnerte daran, dass die Gemeinde vor 20 Jahren drei solcher Bohrungen initiiert hatte, die jedoch auf zu wenig, beziehungsweise qualitativ minderwertiges Wasser gestoßen seien. „Damals haben wir 230 000 Mark in den Sand gesetzt, ohne dass es erfolgreich war. Aber jetzt sind Technik und Forschung 20 Jahre weiter – wir wissen mehr.“

Dennoch sei es kein Selbstläufer. Sommer: „Es gibt ja schon Tiefbrunnen im Usa-Tal, wenn wir da dieselbe wasserführende Schicht anzapfen, müssten wir sehen, ob dadurch auch mehr gefördert werden darf oder ob sich die bestehende Entnahme nur auf mehr Brunnen verteilt.“

Allerdings, betonte Sommer, wolle, ja müsse man angesichts des Klimawandels mittelfristig autarker von Hessenwasser und OVAG werden. „Das wird sicher eine Herausforderung.“

Geklärtes Trinkwasser?

Auch andere Modelle, die auf den ersten Blick wenig appetitlich wirken, sind möglich. „Wenn die Kläranlage die vierte Reinigungsstufe bekommt, könnte das Wasser danach als Trinkwasser aufbereitet werden.“ Das gibt’s schon, in Kalifornien etwa gab es schon 2008 eine entsprechende Anlage.

Aber: „Das Wasser, was dort entnommen würde, fehlt dann natürlich den Bächen.“

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