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Das ehemalige Kinderheim nahe der Lochmühle in Wehrheim ist abgerissen worden.

Abgerissen

Die Ruine des Taunus-Kinderheims in Wehrheim ist endlich weg

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Ein großes Loch und ein Berg Steine zeugen davon – das ehemalige Taunus-Kinderheim in Wehrheim ist Geschichte. Der Bau wurde abgebrochen. Jetzt ist der Kreis am Zug, denn die Evim würde eigentlich dort gerne bauen. Wenn die Eigentumsverhältnisse geklärt sind.

Es war eine teure Ruine, das ehemalige Taunus Kinderheim in Wehrheim. Einige hunderttausend Euro musste der Kreis für das verfallende Gebäude in den letzten rund zwanzig Jahren bezahlen – und nun ist es verschwunden, nun zeugen nur noch die Abbruchreste von seiner Existenz. Es könnte also eigentlich weitergehen. Könnte.

Die Situation ist etwas schwierig. Denn eigentlich gehört das Areal der Waisenhaus-Stiftung Frankfurt. Von der wiederum hat der Hochtaunuskreis die Fläche gepachtet – für 40 000 Euro jährlich. Noch bis 2022. In vier Jahren dann könnte der Kreis mit der ihm zugesicherten Option das Areal kaufen. Die Stiftung wollte gestern zum laufenden Verfahren nichts sagen, nur soviel: Der Ball liege nun beim Kreis, man warte auf eine Entscheidung von ihm.

Die Gemeinde Wehrheim hat inzwischen einen Bebauungsplan erstellt, der für das Areal Planungsrechte für eine Schul- und Wohnheimnutzung vorsieht. Vorsichtshalber wäre laut Plan in Richtung Limesstraße auch Wohnbebauung möglich.

Größtes Interesse am Gelände hat die Evim, wie Sprecher Gerhard Kopplow gestern betonte. Die Evim („Evangelische Verein für Innere Mission“) hat in Wehrheim sowieso die Hände im Spiel und ist in der ehemaligen Heinrich-Kielhorn-Schule angesiedelt. Sie betreibt eine Außenstelle der Schule am Geisberg. Angegliedert ist eine Tagesgruppe, die zu einem Teil Schüler der Schule für emotionale Störungen über den Tag und nach Schulende betreut. Die Schule am Geisberg (Wiesbaden) ist eine staatlich anerkannte Förderschule für Erziehungshilfe und Kranke sowie ein sonderpädagogisches Beratungs- und Förderzentrum.

Nun soll die alte Kielhorn-Schule politischen Plänen nach sowieso weichen. Also wären die Schützlinge der Evim sozusagen obdachlos. „Deshalb können wir uns sehr gut vorstellen, an der Stelle des ehemaligen Kinderheims einen Neubau zu errichten“, sagte Kopplow. Das hört der Kreis gern. Kopplow weiß aber auch, dass man bei diesen Plänen nicht von 2019 spricht. „Wir denken, dass die Umsetzung eher zwei bis drei Jahre dauern wird.“

Bürgermeister Gregor Sommer (CDU) wäre früher lieber, wie er gestern sagte. Alleine, weil er die Kielhorn-Schule gerne abgerissen hätte, um dort Wohnbebauung zu ermöglichen. Nachverdichtung im Ortskern nennt sich dies im Fachjargon. „Je früher das ganze über die Bühne geht, desto besser ist es für die Gemeinde“, sagte er. Er wisse nur, dass Kreisbeigeordnete Katrin Hechler (SPD) derzeit in Verhandlungen mit der Waisenhaus-Stiftung stehe.

Das bestätigte gestern auch die Kreissprecherin Andrea Nagell. Und betonte, dass der Kreis die Fläche nicht kaufen werde. „Aktuell finden Gespräche zwischen der Waisenhausstiftung, Evim und dem Kreis statt“, sagte Nagell. Abgesehen von der Eigentumsfrage sei geplant, ein Gebäude für eine Tagesgruppe für maximal 15 Kinder und ein Gebäude für eine Schule für emotionale und soziale Entwicklung ohne dauerhaft feste Schüler zu errichten.

Übrigens: Die Evim lädt zum Tag der offenen Tür am Donnerstag, 25. Oktober, zwischen 14 und 17 Uhr ein. Sie stellt die „Tagesgruppe Plus“ erstmals allen Interessierten an ihrem Standort in der Schulstraße 3 in Wehrheim vor. Das Angebot für Schüler zwischen sechs und 12 Jahren aus dem gesamten Hochtaunuskreis besteht seit Anfang August.

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