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»Schutz durch Nutz«

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Mit Biologin Katrin Willkomm (links) erfahren die Teilnehmenden der Wehrheimer »Safari« viel über Streuobstwiesen. FOTO: SAI © Ingrid Schmah-Albert

Wehrheim (sai). Streuobstwiesen, einst landschaftsprägendes Merkmal am Ortsrand eines jeden Dorfes und wichtige Möglichkeit der Selbstversorgung mit Obst, sind heutzutage eher selten geworden. Grund genug für die Gemeinde Wehrheim, bei der Fortsetzung ihrer Safari-Reihe sich dieses Themas zu widmen.

Dass Streuobstwiesen etwas aus dem Blick verloren gegangen sind, zeigte sich am Sonntagnachmittag auch an der überschaubaren Zahl an Teilnehmenden. Dabei waren die Ausführungen der Biologin Katrin Willkomm und des Umweltbeauftragten der Gemeinde, Martin Ringwald, interessant und die Teilnehmenden hatten offensichtlich auch nach über zwei Stunden noch nicht genug, denn am Treffpunkt, an dem man nach der Führung wieder angekommen war, ging es eine Weile weiter.

Tipps für Hobbykelterer

Kein Wunder, ist eine Streuobstwiese doch mehr als nur ein paar Bäume auf einem Stück Grünland und insbesondere einige Hobbykelterer holten sich gleich noch ein paar Tipps zur Pflege von Apfelbäumen und zur präventiven Behandlung bei der Schädlingsabwehr. »Leimringe nutzen nur etwas gegen den Frostspanner, der hier gar nicht so oft vorkommt, und dann auch nur in der kurzen Zeitspanne, in der er den Stamm hochkriecht. Danach sind die Leimringe eine tödliche Falle für alle Insekten und somit auch eine Gefahr für Vögel«, machte Willkomm aufmerksam.

Gegen den »Apfelwickler«, ein deutlich größeres Problem, weil er die Fruchtansätze schon im frühen Stadium bei der Blüte befällt und sehr häufig vorkommt, helfe ein Leimring dagegen gar nichts. Hier empfiehlt die Biologin, im Juni Wellpappe um den Stamm zu wickeln, weil der »Apfelwickler« sich dann dort statt in der Baumrinde verpuppen könne. Die Pappe könne dann ganz einfach wieder entfernt und im Hausmüll entsorgt werden. Gegen die Gespinnstmotte, ebenfalls sehr gefürchtet, helfe leider gar nichts. Früh genug entdeckt, könne man die Raupen aber gut absammeln, so ihr Tipp.

Auch der richtige Schnitt sei wichtig, weshalb übrigens Apfelbaum-Paten sich in Wehrheim quasi als Gegenleistung für die Ernte verpflichten müssen, an den kostenlosen Baumschnittkursen teilzunehmen und die Patenbäume zu pflegen. Das kommt nicht nur den Paten durch eine reichere Ernte zugute, es erhält auch die teils alten, aber sehr gut tragenden Bäume und somit die gewachsene Kulturlandschaft.»

Ziel: Jüngere Leute als Paten gewinnen

Schutz durch Nutz« ist die Devise und Ringwald möchte zum einen stetig neue Generation an Bäumen auf den Streuobstwiesen nachpflanzen, er möchte zum anderen auch jüngere Generationen an Nutzern gewinnen. Langfristiges Ziel sei es, die Bestände zu erhalten und das durchaus auch durch Erneuerung.

Die von den Safari-Teilnehmenden besuchte »Hardtwiese« in Pfaffenwiesbach ist allein schon durch die Obstbäume, von denen es hier eine Vielzahl an unterschiedlichen und größtenteils »alten« Sorten gibt, wertvoll. Die Sortenliste liest sich wie das »Who is Who« der besten historischen Apfelsorten. Etliche Bäume sind über 50 Jahre alt und noch sehr vital. Neben den zahlreichen, geschätzt etwa 100 Apfelbäumen, sind hier auch andere Obstsorten vertreten, darunter Zwetschen, Mirabellen, Süßkirschen, Birnen und, bei den Hobbykelterern sehr begehrt, Speierling.

Willkomm richtete aber den Blick nicht nur auf die Bäume, sondern auch auf die Wiese an sich. Sie ist, auch wenn ein paar vereinzelte »Stickstoffanzeiger« dazwischen wachsen, eine sogenannte magere Glatthaferwiese mit drei Schichten an Bewuchs und einer Vielzahl an Wildkräutern. Solche Wiesen seien in den vergangenen Jahrzehnten immer seltener geworden, denn sie taugen nicht als Futter für Hochleistungsrinder. Rund 60 Prozent der Böden würden inzwischen nur für den Anbau von Viehfutter genutzt und das Grasland verkomme zu Verklappungsflächen von Gülle. Dabei könne man den Landwirten gar keinen Vorwurf machen, denn sie bedienen nur die Nachfrage nach billigem Fleisch.

Umso mehr erfreuten sich die Teilnehmenden an dem selten gewordenen Anblick dieser reich blühenden Wiese unter den Obstbäumen.

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