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Dietlinde Patommel vom Weltladen sucht Käufer für Upcycling-Taschen aus Rettungswesten. Es sind Brusttaschen und Umhängetaschen.

Verkauf im Weltladen

Taschen aus alten Schwimmwesten

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Der Weltladen hat ein neues Angebot: Taschen. Aus gebrauchten Schwimmwesten genäht von Flüchtlingen und Einheimischen der griechischen Insel Lesbos haben sie eine große Symbolik. Ihr Erlös trägt zu einem besseren Leben der Asylbewerber bei.

Jeder Euro zählt, denn jeder Euro ist für die Menschen im Flüchtlingslager Lesbos: Ein Stift zum Schreiben, ein Notizheft, die Möglichkeit zu lernen, die Chance auf eigenen Füßen zu stehen und ein Stück Leben in Solidarität und Gemeinschaft. Das schreibt die Hilfsorganisation Lesbos-Mosaik auf ihrer Internetseite. Hier warten heute noch 6000 Geflüchtete auf die Anerkennung ihrer Asylanträge, ist dort nachzulesen. Krank und erschöpft, auf Familienangehörige wartend, seien viele nicht reisefähig.

Jetzt möchte der Weltladen Wehrheim den einen oder anderen Euro dazu beizutragen, den Menschen Hilfe, die über die unmittelbare Krisenintervention hinausgeht, zu gewähren, indem die Mitarbeiter Taschen verkaufen, die Flüchtlinge und Einheimischen im Mosaik-Support-Zentrum als Upcicling-Produkte hergestellt haben. In unterschiedlichen Größen, genäht aus gebrauchten Schwimmwesten.

So tragisch jeder

Tod im Mittelmeer

und jede Schwimmweste, die an Land geschwemmt wird, weil ihr Träger die Flucht nicht überlebt hat, ist, auf diese Art und Weise bekommen sie einen doppelten Sinn: Die Taschen sind Symbol für die vielen Menschen, die auf grausame Art und Weise auf der Flucht im Mittelmeer ertrunken oder anderweitig ums Leben gekommen sind.

Ihr Erlös trägt dazu bei, dass, mehr als 630 Menschen zwischen 4 und 89 Jahren aus 20 Ländern von insgesamt 30 Mitarbeitern zum Beispiel Rechtsberatung im Asylverfahren erhalten. Das Geld ermöglicht ihnen außerdem Kurse in den unterschiedlichsten Sprachen und kulturelle Veranstaltungen zu besuchen, Musik zu machen und zu tanzen. „Mosaik ist eine Antwort zur Verbesserung der Lage von Geflüchteten auf Lesbos – auch um zu beweisen, dass andere Lösungen möglich sind, als die, die als alternativlos bezeichnet und nach wie vor praktiziert werden“, betont die Nichtregierungsorganisation. Sie ist ein gemeinschaftliches Projekt von „Lesbos Solidarity“ (ortsansässige Helfer) und der deutschen Menschenrechtsorganisation „Borderline-Europe“, und ihre freiwilligen Mitarbeiter sind sich einig, dass Solidarität die einzig angemessene Antwort auf diese Krise ist.

Begonnen hatte alles mit dem Flüchtlingssturm des Jahres 2015, als mehr als 850 000 Menschen aus Syrien, dem Irak, Afghanistan und Somali flüchteten und auf der griechischen Insel Lesbos mit ihren 90 000 Einwohnern allein im September 2015 rund 30 000 Menschen ankamen. Auch wenn sich die Zahlen verringert haben, ist die Situation der Geflüchteten heute noch menschenunwürdig, und weil Mosaik die einheimischen einbindet seien Gemeinschaft und Solidarität entstanden.

Auch Dietlinde Patommel, Mitarbeiterin im Weltladen Wehrheim ist Solidarität wichtig, und für sie sind solche Aktionen unterstützenswert. „Flüchtlinge dürfen nicht als Menschen zweiter Klasse behandelt werden und haben das Recht menschenwürdig leben zu können.“ Deshalb verkauft sie gerne die Brusttaschen und Umhängetaschen in verschiedenen Ausführungen, die viel Symbolkraft haben, denn die Reste der Schwimmwesten sind gut zu erkennen.

Pfarrerin Sabine Müller-Langsdorf vom Zentrum Ökumene der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau hatte die Aktion entdeckt und dem Laden zunächst wenige zum Verkauf zur Verfügung gestellt, weitere können aber beschafft werden.

Im Lager lernen die Asylbewerber auch Poesie kennen und Shamshaid Jutt schreibt: „Ich bin ein Flüchtling aus Pakistan, der zurzeit im Flüchtlingslager Moria, Mytilini, Lesbos, Griechenland, lebt. Dieses Lager sieht aus wie ein Gefängnis. Ich schrieb Gedichte in diesem Lager. Mit Hilfe von Microsoft Word und der Hilfe eines lieben Freiwilligen.“

Die Öffnungszeiten

Der Weltladen ist in der Oranienstraße 8 a und hat von montags bis samstags, 10 bis 12 Uhr und dienstags und donnerstags von 15 bis 18 Uhr geöffnet. Weitere Infos unter lesvosmosaik.org.

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