+
Christian Allendörfer nimmt sein Schicksal als Landwirt selbst in die Hand und investiert in einen Pferdehof.

Landwirtschaft

Mit dem Umstieg von Rinderhaltung auf Pferdezucht endet auf dem Wilhelmshof eine Ära

  • schließen

Die Allendörfers möchten vor den Problemen der Landwirtschaft die Augen nicht verschließen. Sie haben gehandelt, stellen von Milchviehhaltung und Zucht auf Pferde um und setzen auf ein neues Konzept.

Alles hat seine Zeit. Die der Milchkuhhaltung scheint – zumindest in dieser Region – vorbei. Was Günter Allendörfer Mitte der 1960er Jahre aus der Gartenstraße in der Ortsmitte auf dem Anspacher Berg mit dem Wilhelmshof aufgebaut hat, war das Modernste. „Damals haben viele gefragt, ob das alles nicht zu groß sei“, erinnert sich der 79-Jährige. Vor elf Jahren hat die Familie – damals hatte Christian mit 18 Jahren den Hof übernommen – mit einem modernen Laufstall mit Chip-System, Melkanlage, Kratzbürste und Fußbad als neue Kuh-Wellness in die Zukunft investiert und manche „Rekord-Kuh“ hervorgebracht. Jetzt hat auch das nicht mehr ausgereicht, um rentabel zu wirtschaften, und das Alter des Seniorchefs spielte auch eine Rolle.

„Allein ist ein Milchviehbetrieb nicht zu bewirtschaften“, sagt der Sohn. Für Kühe müsse man 365 Tage im Jahr da sein. „Sie müssen immer um die gleiche Zeit gemolken werden.“ Bei den Pferden habe er mehr Spielraum. Vieles hat den modernen Anforderungen nicht mehr genügt. Es hätte Einiges investiert werden müssen, und so hatten sich die Allendörfers – beide ziehen an einem Strang, das ist ihnen wichtig – nach reiflicher Überlegung in den vergangenen zweieinhalb Jahren zu einem Neuanfang entschlossen: Der Milchvieh- und Zuchtbetrieb wird zum Pferdehof. Die letzten Kühe verlassen diese Woche den Hof, der Verkauf sei jedoch nicht leicht gewesen: „Wer kauft bei dieser Trockenheit Kühe, wenn er kein Futter hat?“

Für die Hälfte der 50 Plätze gibt es bereits Anfragen, und elf Pensionspferde haben auf dem Wilhelmshof jetzt schon ein Zuhause. Sie alle sollen es richtig schön haben, sprich nach den neuesten Erkenntnissen in Gruppenhaltung im Aktivstall mit großem Auslauf artgerecht untergebracht sein. „Was früher nur für das Nutzvieh galt, gilt heute auch für Freizeittiere“, betont Landwirtschaftsmeister Christian Allendörfer. Die Zeit der Wehmut ist vorbei, jetzt blickt der junge Mann, der bereits mit zehn Jahren die ersten Preise mit den Deutschen Holsteiners, Rot- und Schwarzbunten, welche die Allendörfers züchteten, gewann.

Er freut sich darauf, dass Anfang nächsten Jahres auf der 4500 Quadratmeter großen Freifläche Pferde herum galoppieren. „Sie sollen 24 Stunden in Bewegung sein können.“ Diese sogenannte Aktivfläche ist terrassenförmig Richtung Wehrheim angelegt und wird kein öder Platz sein. Unterhalb des seitherigen Kuhstalls gebaut, wird sie begrünt, bekommt Hecken und Bäume, kleine Hütten mit Heu oder Kraftfutter und einen Wälzplatz, denn auch Pferde räkeln sich gerne auf dem Boden. Diese Art der Haltung gibt den Pferden so viel Auslauf, dass regelmäßiges Ausreiten nicht zwingend nötig ist.

Die Tiere können sich auch im dann umgebauten ehemaligen Kuhstall unterstellen. Sie tragen einen Chip, über den Christian Allendörfer, der sich für die neue Aufgabe weitergebildet hat, am Computer ablesen kann, wie viel welches Pferd gefressen hat.

Der alte Stall ist inzwischen abgerissen, hier entsteht eine 1200 Quadratmeter große Reithalle, denn seine zukünftigen Kunden sollen auch reiten können, wenn sie wollen. Was sonst noch gebraucht wird, wird die Zukunft zeigen, dabei möchte Christian Allendörfer auch auf Vorschläge der Pferdehalter eingehen.

Ein paar Kälbchen und zwei Kühe bleiben auf dem Wilhelmshof, damit es hier in Zukunft frische Milch gibt – zumindest so lange der Senior noch melken kann. Dem Junior ist wichtig, vor den Problemen, die die Landwirtschaft auch aufgrund der niedrigen Nahrungsmittelpreise derzeit hat, die Augen nicht zu verschließen, sondern nach Auswegen zu suchen. Mehr als eine Million Euro investieren Allendörfers in das neue Betriebssystem. Pferde und die Arbeit mit Ihnen ist ihnen auch nicht fremd: „Wir haben schon früher Fohlen gezüchtet“, erinnert sich der Vater. Allerdings waren das Kaltblüter, Arbeitstiere für den Hof. Zudem habe er seine Landwirtschaftslehre auf einem Hof mit Pferden absolviert.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare