Die Homeschooling-Unterlagen liegen bereit
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Die Homeschooling-Unterlagen liegen bereit

Projekt Junge Zeitung

Schüler und Riskiopatient berichtet: Viel mehr Motivation und Zeit für Erholung im Homeschooling

Seit Mitte März war Carlos Bayer nicht mehr in seiner Schule. Der Grund: der Gymnasiast gehört zur Risikogruppe. Homeschooling ist für den 16-Jährigen eine gute Alternative geworden, die viele Vorzüge hat. Hier schreibt er als Autor des Projekts Junge Zeitung über seine Erfahrung.

Wehrheim -Neun Monate habe ich nun nicht mehr den Schulunterricht besucht. Was in den Zeiten vor Corona für manchen Schüler wie ein Traum erscheinen mochte, wurde für mich die Regel.

Beginnen möchte ich mit dem Schlaf. Nicht falsch verstehen: Ich möchte nicht sagen, dass der Präsenzunterricht zum Schlafen langweilig ist. Ganz einfach: Ich habe durch die wegfallende An- und Abfahrt mit dem Schulbus deutlich mehr Zeit und musste nie so früh aufstehen.

Zudem entfällt die Zeit, in der man sinnlos in der Schule verweilen muss, wenn man eine oder mehrere Stunden Ausfall überbrücken muss. Für Wehrheimer Schüler lohnt es sich nie, in den Ausfallstunden nach Hause zu fahren. Überhaupt fiel mir schon bald auf, dass ich zu Hause deutlich effizienter arbeiten konnte.

Das liegt wohl daran, dass man zu Hause ausgeschlafen die Aufgaben erledigen kann und konzentrierter bei der Sache ist. In den eigenen vier Wänden war meine Motivation deutlich größer beim Lernen, als wenn ich den ganzen Tag in der Schule war. Schon nach kurzer Zeit wurde ich deutlich entspannter.

Ausgeschlafen

zur Klausur vor Ort

Man hatte nur eine Aufgabe und die musste bis zu einem gewissen Zeitpunkt abgegeben werden. Man durfte teilweise selber entscheiden, welche Aufgaben man in welchem Fach zuerst erledigt. So konnte ich den Mathe-Stoff einer gesamten Woche zum Beispiel an einem Tag in bis zu drei Stunden nacharbeiten. Bei eigenem Lern-Rhythmus habe ich die Inhalte zum Teil sogar deutlich besser verstanden als im Unterricht.

Zu den Klausuren bin ich aber in die Schule gekommen und habe alleine in einem separaten Raum zeitgleich mit meinen Mitschülern geschrieben. Ich hatte auch hierbei den Eindruck, dass ich einen deutlichen Vorteil hatte, weil ich ausgeschlafen war. Wenn zum Beispiel die Arbeit in der vierten Stunde um 10.35 Uhr angesetzt war, brauchte ich erst um 9 Uhr aufstehen.

Meine Mitschüler mussten wie immer - je nach Wohnort - schon um 6 Uhr oder 6.30 Uhr aufstehen, wenn sie Unterrichtsbeginn an der Christian-Wirth-Schule in Usingen in den ersten drei Stunden haben. Viele Schlafmediziner empfehlen schon seit langem, dass Schulbeginn erst um 9 Uhr anstatt um 8 Uhr sein sollte.

Bei Jugendlichen verschiebt sich der natürliche Schlafrhythmus. 17-Jährige können erst gegen 23 Uhr einschlafen, was eine amerikanische Studie belegt - egal ob sie früher ins Bett gehen oder nicht. Und dann müssen sie spätestens um 6 Uhr wieder aufstehen. Einige sogar früher.

Der Grund ist den Forschern nicht bekannt. Sie wissen nur, dass sich während der Pubertät das Gehirn neu strukturiert. Fakt ist allerdings, dass ein späterer Schulbeginn für alle Schüler hilfreich wäre. Länder wie England, Portugal und Schweden haben dies bereits umgesetzt.

Und wie funktionierte das Homeschooling praktisch? Der Kontakt mit den Lehrern verläuft über ein Onlineportal, was sehr gut klappt. Die Aufgaben werden von jedem Lehrer in jedem Fach dort eingestellt, die dann zu einem vorgegebenen Tag abzugeben sind.

Online-Portal nicht immer erreichbar

Nach einigen Tagen kommt das Feedback mit einer Bewertung. Zum großen Teil funktioniert das reibungslos. Manchmal hat aber auch die Internet-Plattform des Schulportals technische Probleme. Je nachdem, wie viele Schüler gleichzeitig zu Hause digital beschult werden, ist die Webseite schlichtweg überfordert.

Dann kann man zeitweise nicht auf das Online-Portal zugreifen. Eine direkte Zuschaltung in den Präsenz-Unterricht in der Schule war selten möglich. Dabei gab es häufig Schwierigkeiten mit der Internetverbindung oder auch damit, dass die Lehrer mit der Technik nicht klarkamen.

Zur Lösung des Problems hat manch ein Lehrer zum Telefon gegriffen, um mir persönlich die wesentlichen Unterrichtsinhalte mitzuteilen. Das verdient höchste Anerkennung, denn schließlich geschieht das dann in der Freizeit des Lehrers.

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