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Vier Monate ohne Lappen

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Wehrheim -Vor zwei Jahren fuhr ein Lastwagen-Fahrer sein mit Stahl beladenes Gefährt an einer Baustelle in Wehrheim versehentlich gegen ein Tor. Schaden: 2700 Euro. Die Summe hat die Versicherung schon längst bezahlt, doch für den Fahrer hatte der kleine Unfall nun ein teures Nachspiel.

Das Bad Homburger Amtsgericht verurteilte ihn wegen Unfallflucht zu einer Geldstrafe von 2025 Euro (45 Tagessätze à 45 Euro). Was ihn noch schlimmer traf: Er darf sich vier Monate lang hinter kein Steuer setzen, also auch keinen Laster fahren - damit fallen ihm der Großteil seiner Einkünfte weg. Doch an dem Fahrverbot kam das Gericht nicht vorbei, ein solches ist bei einer Unfallflucht mit einem Schaden ab 1600 Euro üblich.

Der Prozess gegen den heute 70-Jährigen war aufwändig gewesen, schon vor einem Jahr wurde gegen ihn das erste Mal verhandelt. Damals wies er alles weit von sich und hat gesagt, er habe von einem Unfall nichts bemerkt und sei auch nicht von einem der Bauarbeiter darauf angesprochen worden. Und dann meinte sein Rechtsanwalt noch, die Lackspuren und die Höhe der Delle am Tor würden doch gar nicht zum Lkw passen, dessen Unterfahrschutz sei viel höher.

Daher beauftragte der Richter bei einem Unfallanalytiker ein Gutachten. Tor und Lkw wurden dafür gegenübergestellt. Der Angeklagte lieh sich den damals von ihm gefahrenen Lkw bei seinem Ex-Arbeitgeber aus, fuhr damit an die damalige Unfallstelle in Wehrheim und rangierte das große Gefährt direkt an dem Tor. Das Ergebnis war eindeutig. "Die Schäden passen exakt wie die Faust aufs Auge", berichtete der Sachverständige im Gericht, und da musste auch der Angeklagte nicken. Das sei schon überzeugend, meinte er. Allerdings sagte der Sachverständige auch, dass der Fahrer eines solchen Gefährts nicht unbedingt mitkriegen müsse, wenn er mit dem Heck gegen ein Tor fahre.

Damit wäre eigentlich der Vorwurf mit der Fahrerflucht vom Tisch gewesen - hätte sich nicht besagter Bauarbeiter damals laut Amtsanwalt "vorbildlich" verhalten. Nach dessen Auskunft war der Angeklagte aus dem Lkw gestiegen, nachdem es sehr eng geworden sei.

Der Bauarbeiter habe ihn auf den Schaden aufmerksam gemacht und gemeint, er müsse die Polizei rufen. Der Lastwagen-Fahrer habe aber nur flüchtig geguckt, dann abgewunken und gemeint, das sei nicht schlimm. Dies hatte der Bauarbeiter bereits bei dem Prozess vor einem Jahr berichtet, nun wiederholte er seine Aussage.

Dem Besitzer des Grundstücks, auf dem gebaut worden war, hatte der Lkw-Fahrer damals mit seinem Verhalten einiges an Arbeit besorgt. Er hatte den Schaden erst gesehen, als der Lkw schon längst weg war, das Tor ließ sich nicht mehr richtig schließen. Wer der Fahrer gewesen war, konnte er trotz intensiver Recherche nicht herausfinden. Er rief seinen Anwalt an, der riet zum Gang zur Polizei - und damit nahm das Unglück für den bis dahin unbescholtenen Lkw-Fahrer seinen Lauf.

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