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Vorbereitung auf den Ernstfall

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Von: Inka Friedrich

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Sollte es hart auf hart kommen, so sollen in den Bürgerhäusern Wärmehallen eingerichtet werden. Zwei Notstromaggregate sollen bis zum Ende des Jahres geliefert werden.
Sollte es hart auf hart kommen, so sollen in den Bürgerhäusern Wärmehallen eingerichtet werden. Zwei Notstromaggregate sollen bis zum Ende des Jahres geliefert werden. © Kopp, Thomas

Was passiert, wenn nichts mehr geht? Wehrheim hofft auf eine Lieferung von Notstromaggregaten noch in diesem Jahr.

Vor etwa zwei Wochen passierte es: Wer in Wehrheim sein Licht anknipsen, sein Handy benutzen oder den PC starten wollte, guckte in die Röhre. Der Strom war ausgefallen. Das zeigte den Menschen ganz deutlich, wie abhängig wir doch in unserer modernen Gesellschaft von der Elektrizität sind. Denn ohne Strom funktionieren weder die Pumpen für Toilettenspülung und Ölheizungen, die Kommunikationsmöglichkeiten oder aber Hilfsgeräte für Kranke wie beispielsweise Beatmungsmaschinen oder elektrische Krankenbetten. Was passiert, wenn der Strom einmal wirklich ausfällt, hatte auch ein Antrag der FDP zum Inhalt, der in der jüngsten Gemeindevertretersitzung diskutiert wurde.

Dass man sich in Wehrheim bereits seit längerer Zeit dieser Situation bewusst ist, machte Bürgermeister Gregor Sommer (CDU) bereits zu Beginn der Sitzung am Donnerstag klar. „Wir haben einen Krisenstab eingerichtet, der alle zehn Tage einmal tagt“, erklärte er vor dem Gremium. Insgesamt rüste man sich in Wehrheim bereits seit einiger Zeit dafür, sollte der Ernstfall tatsächlich eintreten. Dass das gar nicht so unwahrscheinlich ist, machten auch die verschiedenen Stromanbieter immer wieder deutlich.

Bürgerhäuser werden zu Wärmehallen

Geplant sei, Wärmehallen für die Bevölkerung einzurichten, in denen sich die Bürger aufwärmen können und Menschen, die auf die elektrische Unterstützung von lebenserhaltenden Maschinen (wie Beatmungsgeräte) angewiesen sind, versorgt werden können. Diese sollen dort mit Notstromaggregaten betrieben werden. Ein weiteres, großes Problem wäre, dass gar nicht bekannt sei, wie viele Menschen in den Ortsteilen auf eine solche Hilfe angewiesen sind. „Das ist ja auch eine Frage des Datenschutzes. Wir wissen nicht, wo jemand wohnt, den wir im Fall eines Falles aus seiner Wohnung oder seinem Haus herausholen müssen.“

Dass ein solches Katastrophenszenario für Wehrheim insgesamt ein logistisches Problem wird, zeigt sich auch an dem Umstand, dass die Bürgerhäuser und gemeindeeigenen Liegenschaften des Apfeldorfs fast vollständig mit Gas beheizt werden. Wenn das Gas tatsächlich abgedreht werden sollte, wird es für Wehrheim heikel. „Gerade beim Gas ist es so, dass man nicht einfach den Gashahn wieder aufdrehen kann, wenn es wieder fließt. Es braucht Tage, bis der Druck in den Leitungen wieder aufgebaut ist“, erklärte Amtsleiter Volker Minet.

Und auch Strom ist eine Engstelle. Sollte dieser tatsächlich ausfallen, so funktioniere auch das Handynetz nicht - was sich bei dem größeren Stromausfall vor zwei Wochen gezeigt hat. „Wir mussten uns also Gedanken darüber machen, wie wir als Gemeinde mit der Außenwelt kommunizieren“, betonte das Verwaltungsoberhaupt.

Darum stehe ein Satellitentelefon für den Notfall bereit. Zudem sei geplant, dass die Feuerwehrgerätehäuser binnen 30 Minuten nach Ausfall vollständig besetzt sind und als Anlaufstelle dienen können. Sein Handy oder Laptop aufladen kann man dort übrigens nicht. „Vorrang haben die Menschen, die auf die Stromversorgung medizinisch angewiesen sind“, betonte der Bürgermeister. Zudem habe die Gemeinde auch mobile Anhänger zur Notstromversorgung bestellt.

Ein Umdenken zeigt sich auch im Haushalt. Über 40 Jahre sei im Bereich Zivil- und Katastrophenschutz dort ein Platzhalter von 500 Euro vorgesehen gewesen. Im kommenden Haushalt jedoch sind 50 000 Euro für Stromaggregate eingeplant, außerdem sollen mit einem Nachtragshaushalt noch einmal 100 000 Euro bereitgestellt werden.

Allerdings ist die Beschaffung der Aggregate kein Selbstläufer. Obwohl die Kommune, wie der Bürgermeister gegenüber der Presse betonte, die Generatoren bereits frühzeitig im Frühjahr geordert hat, so seien diese immer noch nicht ausgeliefert. „Man hat uns zugesagt, dass zwei Generatoren noch binnen dieses Jahres geliefert werden“, versicherte der Bürgermeister. Weitere sollen im Frühjahr folgen. Doch was passiert, wenn nicht? Dann hat Wehrheim ein Problem, was sich der Bürgermeister lieber nicht ausmalen möchte.

Vorrang für medizinische Notfälle

Zudem habe Wehrheim nun alle Übergangs- und Umschaltpunkte für das Strom- und Gasnetz an den Ortsausgängen an den Kreis weitergeleitet - damit bekannt ist, wohin Einsatzkräfte im Falle eines terroristischen Anschlags ausrücken müssen. „Das herauszufinden, war gar nicht so leicht, weil diese Punkte überhaupt nicht bekannt gewesen sind“, sagte Sommer.

Sollte sich tatsächlich eine Gefahrenlage ergeben, werde künftig ein Signalton (Feuerwehrbrandton) über die Sirenenanlagen ausgegeben, so dass die Menschen mitbekommen, dass etwas nicht stimmt. Damit die Bewohner frühzeitig gewarnt werden können, standen die Sirenenanlagen der Hochtaunuskommune auf dem Prüfstand.

„Wir haben neue Mastanlagen bestellt, die im Frühjahr geliefert werden sollen“, sagte Sommer. Auch die vollständige Umstellung auf Digitalfunk sei in Arbeit. Ebenso verfügt das Apfeldorf über Lautsprecherwagen, die Durchsagen vornehmen können. VON INKA FRIEDRICH

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