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Walter Simon denkt daran, im kommenden Jahr seinen Posten als TSG-Chef aufzugeben.

In Pfaffenwiesbach geht eine Ära zu Ende

Walter Simon sucht Nachfolger für Vorsitz bei der TSG

  • vonTatjana Seibt
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Im März möchte er den Vorsitz nach 20 Jahren an der Spitze aufgeben

"Es geht nur gemeinsam", lautet das Credo von Walter Simon (79). Der Vorsitzende der Turn- und Sportgemeinschaft Pfaffenwiesbach hat eine klare Meinung dazu, wie ein Verein zu führen ist, vor allem aber, wie die Erfolgsformel lautet. "Es gibt bei uns im Vorstand keine einsamen Entscheidungen", unterstreicht der Mann an der Spitze, der aber doch das Gewicht der Verantwortung trägt und zugleich das Gesicht des Vereins ist. Und das, obgleich Simon selbst kein Sportler ist. Und auch nie im klassischen Sinne war, wenn man von seiner Zeit als Schiedsrichter in Frankfurt absieht.

Seine Mitgliedsnummer im Verein ist die 408, die er 1990 bei seinem Eintritt zugeteilt bekam. Am 8. August übernahm er den Posten des Stellvertreters im Verein, seit 2001 ist er der erste Mann.

Selbst denken ist gewünscht

Die 20 Jahre will er noch voll machen, "aber im März gebe ich meinen Posten auf", sagt er. Eigentlich gibt es keinen tiefgreifenden Grund dafür. Im Gegenteil. "Ich habe das immer sehr gerne gemacht, und die Arbeit ist überschaubar, wenn man ein gutes Team hat." Das hat er, wie Walter Simon immer wieder betont. Selbst denken ist nicht verboten, sondern wird im Verein sowohl beim Vorstand als auch bei den Abteilungsleitern ausdrücklich gewünscht. Auch Entscheidungen zu treffen und Verantwortung zu übernehmen. Das dürfte das wahre Geheimnis des Erfolges sein, dass es nur wenige Wechsel im Vorstand gab, dafür aber große Projekte und wegweisende Entscheidungen, die die Zukunft des Vereins gesichert haben.

Lange muss Simon dafür nicht nachdenken, um sie zu nennen. "Das begann vor rund 20 Jahren mit dem Bau der Flutlichtanlage", nennt er eines der kostenintensiven Veränderungen, die aber das Kicken auf dem damaligen Rasenplatz deutlich attraktiver machten. Das Projekt Kunstrasenplatz gehört sicherlich als größtes in die Ära Simon, auch die jüngste Renovierung des Clubhauses, das die Fußballer übernahmen, fand unter seinem Vorsitz, wenn auch nicht mit aktiver Beteiligung statt. Und dann wäre da noch die Spielgemeinschaft mit der TSG Wehrheim.

Manchmal ist ein guter Vorsitzender auch derjenige, der nicht verhindert, wohl aber die Last der Arbeit gut verteilt. So geschehen bei der Konfettiparty, dem Männerballettwettbewerb, der sich seit Jahren als gefragte Veranstaltung etabliert hat, ebenso der Kerb. Auch wenn die Ideen von anderen kamen, am Ende stehe der Vorstand und zuerst der Vorsitzende im Fokus und in der Haftung. Sorgen hat Simon das nie bereitet, denn Verantwortung scheut er nicht, "und ich bin stolz darauf, dass wir immer umsichtig agiert haben".

Eine neue Herausforderung

Viele Fäden sind bei ihm zusammengelaufen, auch durch den Vorsitz im Vereinsring. Doch damit soll Schluss sein. "Wenn ich noch jünger wäre, würde ich weitermachen", sagt Simon, der sich den Schritt gut überlegt hat. Aber wer nicht loslasse, der nehme den Posten womöglich mit ins Grab. Das sei nicht sein Ziel.

Gesundheitlich hat ihm 2020 stark zugesetzt, doch er ist ein Stehaufmännchen. Und so will er im März noch einmal für den Ortsbeirat kandieren, "denn da bin ich ein Teil des Ganzen". Die Alleinverantwortung bei der TSG und Vereinsring möchte er aber gerne abgeben.

Noch ist kein Nachfolger in Sicht, alle bislang geführten Gespräche haben sich am Ende zerschlagen. Die Hoffnung hat Simon aber nicht aufgegeben, denn "das ist ein sehr solide aufgestellter Verein mit einem tollen Vorstand". Dass es in Zeiten von Corona nicht einfach ist, jemanden zu finden, ist eine Sache, die andere, "dass die Menschen heute keine langen Bindungen eingehen". Wenn Mitglieder keinen Sport mehr betreiben können, "treten sie in kurzer Zeit aus".

Die Treuen werden weniger, der Verein mit rund 400 Mitgliedern sei daher einem ständigen Wandel unterlegen. Sich diesem anzupassen und dennoch für Kontinuität zu sorgen, das sei in seinem Amt besonders wichtig. Einen Kandidaten zu finden, der all das erfüllt, eine letzte große Herausforderung für Simon und sein Team. Tatjana Seibt

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