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Das Restaurant Löwenherz in Wehrheim in Corona-Zeiten (von links): Devina Kappes, Torben Emmerich Veronika Esaias.

"Wir sind keine Superspreader"

Wehrheim

  • Thomas Kopp
    vonThomas Kopp
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Der Löwenherz-Betreiber investiert viel in Schutzvorrichtungen für Gäste.Für Gastronomen wird es immer schwerer, den Kopf über der finanziellen Kante zu halten. Und mit der kalten Jahreszeit fällt auch die Außengastronomie weg, wenn keine entsprechenden Angebote gemacht werden können. Wie sich die Restaurants über Wasser halten wollen, fragen wir in einer Serie nach. Heute geht's um das Restaurant Löwenherz in Wehrheim.

Wehrheim -Wer als Gastronom durch diese schwere Zeit kommen will, muss bereit sein, zu investieren. Das jedenfalls dachte sich Torben Emmerich, Betreiber des Löwenherz in Wehrheim. Aktuell wartet er auf die Lieferung eines Luftreinigers, der auch vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband empfohlen wird. Er verfügt über einen Hepa-14-Virenfilter und wird laut Emmerich auch in klinischen Reinräumen eingesetzt.

Das Gerät kostet ihn 3000 Euro. Da es eine gewisse Lautstärke verursacht, hat der Hersteller für den Einsatz in gastronomischen Betrieben nun auch einen Schalldämpfer im Angebot. Der schlägt mit noch einmal mit 500 Euro zu Buche. Hinzukommen könnten Photonen-Heizpaneele eines Bad Homburger Herstellers, die nicht nur eine bessere Wärme abgeben als Heizpilze, sondern auch als Trennwand fungieren. Pro Platte mit 1,20 Meter in Höhe und Breite werden noch einmal rund 800 Euro fällig.

Investieren, bevor Lücken aufreißen

Bei weitem nicht alles. Auch einen großen Pavillon mit 24 Plätzen mit ausreichend Abstand für den Biergarten hat sich Emmerich angeschafft. "Damit können wir trotz Abstandregelung fast so viele Plätze anbieten wie vorher", fasst Emmerich zusammen. In Anspruch genommen hat er für die Anschaffungen unter anderem die staatlichen Hilfen.

"Ich habe investiert, bevor Lücken entstehen, die ich nicht mehr stopfen kann", ist Emmerich von der Richtigkeit seines Handelns überzeugt. Auch habe er sich viel bei den Kollegen umgesehen und gute Ideen auch für sich genutzt. Dieses Handeln habe ihn bis jetzt gerettet, auch wenn er fünf Festangestellten und Aushilfen kündigen und Kurzarbeit einführen musste. "Aber es gibt uns noch!", fasst Emmerich nach über einem halben Jahr im Krisenmodus zusammen. Zu Beginn der Pandemie in Deutschland habe ihn der Imbissbereich und das Abhol-Essen gerettet. "Auch wenn man als Gastwirt den Gewinn über die Getränke erzielt, ist es doch allemal besser, durch das Essen überhaupt etwas verdienen zu können. Und der Umsatz hier hat uns fast das Restaurant ersetzt."

Ein Lieferservice habe sich aber nicht etabliert. "Wir haben ein Fahrzeug angeschafft. Doch es wurde vielleicht fünf Mal eingesetzt", sagt Emmerich. Gerade für Risikopatienten habe man das Angebot machen wollen, doch das Löwenherz habe vornehmlich eine jüngere Gästestruktur, vielleicht liege es auch daran, sagt Emmerich. Zu dem Zeitpunkt, als die Biergarten-Saison einsetzte, ging das mit dem Abholen rapide zurück. Hier dankt Emmerich seinem Kundenstamm vor allem dafür, dass diese das System der "Doppelschicht" klaglos akzeptiert habe. Die "erste Schicht" hatte von 17 bis 19 Uhr Zeit, nach einer viertelstündigen Grundreinigung ging es dann bis 22 Uhr mit der "zweiten Schicht" weiter.

Die Anschaffungen sind nicht die einzigen Extra-Kosten, die Emerich einkalkulieren muss. Vor allem beim Strom und Öl muss er durch das viele Heizen bei gleichzeitig wiederholtem Lüften drauflegen. Und das bei deutlich weniger Plätzen im Innenbereich. An die großen Tische im Thekenraum passen nur noch jeweils vier statt zuvor zehn Leute.

Und das wird seiner Einschätzung nach noch lange so weitergehen. "Mindestens bis 2021", schätzt er. Und mindestens mit Maske vielleicht noch länger.

Solidarität und Zusammenhalt erlebt

Bei den Weihnachtsfeiern merke er das schon jetzt. "Da gibt es noch nicht viele Rückmeldungen." Am 11. November beginnt bei ihm zudem die Martinsgans-Saison. Auch hier gebe es noch nicht viel Zulauf. "Aber wir haben die großen Öfen, die Gänse können dann auch abgeholt werden", setzt er doch auf eine gewisse Tradition im kulinarischen Kalender.

Eines ist Emmerich wichtig: "Wir sind keine Superspreader, auch wenn das oft so hingestellt wird." Größere Ausbrüche gebe es bei größeren Feiern und privaten Festen, in Restaurants hingegen kaum. Emmerich hält dies für gefährlicher als den Besuch im Restaurant. "Wir haben es in der Hand, alles so zu steuern, dass das Risiko minimiert wird." Und das tue er auch. "Denn sonst könnten wir zumachen."

Viele hätten das auch erkannt, er erlebe viel Solidarität und Zusammenhalt. Gerührt war er von einer Aktion seiner Fußballer von der SG Westerfeld. Hinter seinem Rücken hatten die eine besondere Aktion verabredet. Im 15-Minuten-Abstand kamen immer zwei bis drei Fußballer verschiedener Mannschaften zu seinem Restaurant, um Essen abzuholen. "Am Anfang dachte ich: ,Was für ein Zufall.' Doch dann ging mir ein Licht auf", freut sich Emmerich noch immer über die Aktion. Denn so haben die Fußballer insgesamt rund 500 Euro Umsatz generiert. Das alles zählt, ist sich Emmerich sicher.

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