Revierförster Björn Neugebauer (von links) erläutert Bauamtsleiter Frank Dechert, Ausschussmitglied Jan Krebs und dem Umweltbeauftragten Martin Ringwald die Aufforstungspläne für eine Fläche am Galgenberg.
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Revierförster Björn Neugebauer (von links) erläutert Bauamtsleiter Frank Dechert, Ausschussmitglied Jan Krebs und dem Umweltbeauftragten Martin Ringwald die Aufforstungspläne für eine Fläche am Galgenberg.

Wiederaufforstung

Wiederaufforstung: Wehrheim will keine weiteren Baumarten verlieren

  • Thomas Kopp
    VonThomas Kopp
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Revierförster schildert Wiederaufforstungspläne für die kommenden Jahre

Wehrheim - Alle Interessen berücksichtigen: Das ist die Aufgabe des Wehrheimer Revierförsters Björn Neugebauer, der mit seinem Team vor der Mammutaufgabe steht, dem Wehrheimer Forst ein neues Antlitz zu verleihen. Dem Ausschuss für Umwelt, Land- und Forstwirtschaft stellte er am Montagabend anhand von zwei exemplarischen Flächen ein Konzept vor, das in den nächsten Jahren greifen soll und dabei von vielen flankierenden Projekten begleitet wird.

Das nächste Ziel lautet dabei für Neugebauer, ein Konzept zu erstellen, das die Schritte der nächsten fünf bis zehn Jahre veranschaulichen soll. Revier- und Waldbesitzer sollen daran die konkreten Vorhaben und auch eine Kostenplanung ersehen können.

Bürger sollen mithelfen, Fehler von damals im Wehrheimer Forst ausbügeln

Denn seit 2018 ist der jährlich durch Hessen-Forst auf den von ihm betreuten Flächen zu erstellende Waldwirtschaftsplan mit Ungenauigkeiten versehen. Dürre, Stürme und der massive Befall etwa mit dem Borkenkäfer machten laut Neugebauer ein solides Arbeiten anhand dieses Planes schwierig bis unmöglich. "Deswegen wollen wir diesen Leitfaden entwickeln und stellen ihn auch gerne noch einmal in einer weiteren Sitzung des Ausschusses vor, da er sehr komplex ausfallen wird", erläuterte Neugebauer. Der Ausschuss stimmte dem zu.

Dass man einiges anders machen will als vor Jahrzehnten, wurde auch gleich beim ersten Stopp am Galgenberg deutlich. Dort standen 40 Jahre alte Fichten, nun ist davon kaum noch etwas zu sehen. Bürger sollen hier bei einer Pflanzaktion mithelfen, "die Fehler von damals auszubügeln". Denn so hatte man damals nicht an einen Waldrand-Saum gedacht, der gleich mehrere Schutzfunktionen erfüllt. Statt nun wieder Bäume bis zum Wegesrand zu setzen, wird der wirkliche Wald erst in mehreren Abschnitten entstehen.

Bepflanzungen mit Blühmischungen, Straucharten und verschiedenen Baumarten

So werden erst einmal zwei größere Linien gemulcht, auf denen Blühmischungen für Insekten gesetzt werden. Danach kommen Straucharten wie die Felsenbirne und der Wollige Schneeball. Abgetrennt wird dieser Bereich von einem Drahtzaun, dahinter sollen Bäume zweiter Ordnung wie Sommerlinde, Feldahorn, Wildapfel und Wildbirne gesetzt werden. Wiederum danach kommen dann Bäume wie Elsbeere und Wildkirsche.

Nicht nur ein sanfter Übergang in den eigentlichen Wald, sondern auch durchaus lukrativ. "Denn Vorhaben wie diese sind zu 85 Prozent förderfähig, der Wildschutz drumherum immerhin zu 50 Prozent", erläuterte Neugebauer.

Doch betreffen diese Planungen nur eine Hälfte des Areals. Die zweite Hälfte wird vorerst noch nicht bepflanzt. Wegen der hohen Sonnen-Exposition kann sich der Leiter der Unteren Naturschutzbehörde Dr. Dr. Dieter Selzer hier ein Versuchsfeld für neue Baumarten vorstellen, die im Zuge des Klimawandels größere Chancen haben zu wachsen. Zudem soll an dieser Stelle ein Teil des geplanten Klimapfades entstehen. Der gemeindliche Umweltbeauftragte Martin Ringwald: "Hier kann das Klima-Klassenzimmer mit roh behauenen Bänken und Tischen entstehen, an denen Kinder die Aufgaben aus dem mitgegebenen Klima-Rucksack lösen können."

Mit geklonten Bäumen Resistenzen für die Zukunft schaffen

Weiter ging es dann direkt ans Munitionsdepot in der Nähe der Wiesbachquelle. Hier wurden in einer gesponserten Aktion 2500 Roterlen gesetzt. "Wir wollen hier aber auch andere Sorten probieren wie die nordamerikanische Hickory", schilderte Neugebauer. Gerne hätte er hier Eschen gesetzt, die aufgrund ihrer Trockenresistenz als Hoffnungsbringer gelten. Doch die haben derzeit mit einem asiatischen Schlauchpilz zu kämpfen.

"Wir können es uns nicht leisten, weitere Baumarten zu verlieren, die wir später vielleicht noch dringend brauchen", führte Neugebauer aus. Deswegen gebe es intensive Forschungen. So würden etwa Bäume, die auf einer befallenen Fläche überlebt haben, geklont, um mehr über ihre Resistenz zu erfahren. von thomas kopp

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