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An diesem Automaten auf dem Gelände des Oranienhofs können die Kunden künftig Milch aus dem Automaten zapfen ? und das 24 Stunden am Tag.

Oranienhof

In Wehrheim gibt es jetzt rund um die Uhr Milch auf Knopfduck

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Milch holen, wann immer es passt. Klingt ein wenig wie das Schlaraffenland, in dem bekanntlich Milch und Honig fließen. Nun, Honig gibt’s auf dem Oranienhof nicht, Milch aber schon. Außerdem unternimmt der Hof einen ersten Schritt in Richtung Selbstvermarktung. Und da spielt die Milch eine zentrale Rolle.

Regionale Produkte sind zunehmend gefragt. Immer mehr Menschen wollen Lebensmittel kaufen, die keine langen Transportwege hinter sich haben und deren Herkunft auf den ersten Blick ersichtlich ist. Das gilt zunehmend auch für die Konsumenten von Milch. Die war in der Vergangenheit immer wieder in die Schlagzeilen geraten, weil Genossenschaften und Abnehmer immer weniger an die Erzeuger zahlen wollten.

Dabei sind die steigenden Milchpreise nicht etwa den steigenden Lohnkosten des Landwirts geschuldet, denn der erhält einen vergleichsweise geringen Preis, „und man nimmt an, dass die Preise im nächsten Jahr noch einmal fallen“, sagt Frank Hammen vom Oranienhof.

Die Nachfrage ist da

Dass es eine regionale Nachfrage nach frischer Milch gibt, hat Hammen schon seit längerer Zeit festgestellt. Immer wieder kommen Menschen mit ihren Milchkannen, um Milch auf dem Hof zu kaufen. „Das konnten wir bislang aber nur zu den Melkzeiten anbieten“, sagt Hammen. Die Nachfrage nach der Milch war bislang schwankend, was Hammen auch auf die Zeiten zurückführt. Denn was einmal im Milchtank für die Hochwald Molkerei gelandet ist, darf nicht mehr auf dem Hof entnommen werden.

Wer keine (leere) Flaschen dabei hat, kann auch die aus einem Automaten ziehen, wie Marc Wiesner vorführt.

Also hat sich der Landwirt etwas anderes überlegt. Wie wäre es, wenn die Menschen Tag und Nacht frische Kuhmilch bekommen könnten? Sogenannte „Milchtankstellen“, wobei es sich hierbei um einen geschützten Markennamen handelt, gibt es bereits mehrfach in der Bundesrepublik. In Hessen sind es rund 30 Stück „und bislang wurde nur eine wieder abgebaut“, sagt Geselle Marc Wiesner, der sich eingehend mit dem Thema beschäftigt hat. Im Usinger Land ist Hammen Pionier mit der Zapfanlage.

20 000 Euro investiert

„Wir haben uns da sehr gründlich informiert“, schildert Hammen. 20 000 Euro hat er nun in die Hand genommen, um auch auf seinem Hof den Menschen täglich frische Milch anzubieten. Wann sie es wollen. 24 Stunden durchgehend.

„Wir haben dafür einen Teil des Grundstücks genommen, um dort einen Milchautomaten und Parkplätze hinzubauen“, schildert Hammen. Nach dem Einholen aller Genehmigungen ging es dann auch schon los. Im Oktober wurde nach dem Fundament die Bodenplatte gegossen und schließlich das kleine Holzhaus aufgesetzt, in dem schon der Milchautomat und der Flaschenspender stehen. Letzterer erinnert an einen 70er Jahre Sandwichautomaten „und streng genommen war es auch mal einer“, erklärt Wiesner.

Wer keine Flasche mitbringt, kann sich dort eine Ein-Liter-Glasflasche kaufen und sie wieder verwenden. Aber auch mitgebrachte Flaschen dieser Größe passen in den Milchautomaten.

Der ist so konzipiert, dass der Kunde sein Behältnis unter den Ausguss stellt. Die Kammer dazu lässt sich nach dem Geldeinwurf öffnen. „Dann drückt der Kunde auf Start, so lange, bis er seine gewünschte Menge Milch hat“, erklärt Wiesner. Nimmt der Kunde weniger ab, gibt es das Restgeld zurück, bei mehr muss er nachwerfen. Zahlen können die Kunden mit Geldscheinen, Münzen oder auch Kreditkarten.

Die Befürchtung, dass jeder problemlos an den Ausguss komme oder jemand sich vielleicht die Milch direkt in den Mund fließen lässt – man denke da nur ans Schlaraffenland – haben Hammen und Wiesner nicht. „Man kommt mit dem Kopf gar nicht in diese Ausgusskammer rein“, erklären die Landwirte. Auch die Befürchtung, dass vielleicht jemand den Ausguss anfassen könnte und damit die nächste Milch bakteriell verunreinigen würde, haben sie nicht. „Nach jedem Zapfen wird die Kammer komplett gespült“, erklärt Wiesner.

Hygiene wichtig

Überhaupt ist Hygiene so eine Sache bei der Milch. „Gelegentlich kommen Menschen mit Flaschen an, da geht man freiwillig und spült die noch einmal aus“, sagt Hammen. Aus der Haftung ist er allerdings raus. „Es genügt der Hinweis, dass wir hier Rohmilch abgeben, die vor dem Verzehr abgekocht werden muss“, erklärt er. So ist sie drei Tage haltbar. Was der Verbraucher tatsächlich macht sei seine Sache. Die erste Idee, eine Leitung zum Melkstand zu legen, habe Hammen wieder verworfen, „einfach weil der Weg zu lang ist.“ Deshalb werde die Milch in geschlossenen Behältnissen in die beiden 200 und 150 Liter Tanks gebracht, wo sie halbstündlich gerührt werde, damit das Fett nicht nur oben schwimmt. Sind die Tanks leer, wird nachgefüllt. In dieser Woche kommt das Veterinäramt zur Abnahme. Dann sollen auch noch Anzeigen für Temperatur und Fettgehalt angebracht sein.

Für Hammen ist die Tankstelle der erst Schritt in Richtung Selbstvermarktung. Was in Zukunft kommt, darüber schweigt er sich noch aus. Platz für weitere Automaten wäre jedenfalls in dem Häuschen. „Ich bin da offen“, sagt er. Nur mehr Arbeit dürfe es nicht machen.

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