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Fürchten um ihre Existenz: Löwenherz-Betreiber Torben Emmerich und seine Restaurantleiterin Veronika Esaias. 

Hochtaunus 

Nachbar genervt von Biergarten – und verklagt Landkreis

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Seit Gründung im Jahr 2011 hat sich das Wehrheimer Restaurant Löwenherz fest in der gastronomischen Szene im Hochtaunuskreis etabliert. Doch nun macht sich Inhaber Torben Emmerich Sorgen um den Fortbestand. 

Wehrheim – Um Punkt 22 Uhr muss Ruhe herrschen im Biergarten von Torben Emmerich und seinem Restaurant Löwenherz. Das ist von der Gemeinde auch für die Gastronomie geregelt. "Wir halten uns daran", sagt Emmerich. Doch könne es vorkommen, dass nach Veranstaltungen wie "Handkäs' und Gebabbel" noch letzte Aufräumarbeiten zu erledigen sind. Das aber ist einem Nachbarn zu viel. Der hat nun den Hochtaunuskreis verklagt, um somit das Löwenherz zu treffen.

In mehreren langen Schriftsätzen - der erste stammt aus dem Jahr 2017 -, die der Redaktion vorliegen, geht dieser Nachbar auf nächtlichen Lärm ein, nicht nur durch die Gäste, sondern auch durch Aufräumarbeiten und die Müllentsorgung. Auch die seiner Auffassung nach zu wenig vorhandenen Stellplätze sind ihm ein Dorn im Auge.

Wehrheim: Eigene Genehmigung

Der Biergarten liegt dabei im Fokus des Geschehens. Immer wieder sei - wie Emmerich vermutet, vom Nachbarn gerufen - das Ordnungsamt oder die Polizei angerückt, um dann festzustellen, dass es nicht zu laut gewesen sei.

Als Emmerich das Löwenherz in Betrieb nahm, wusste er nicht, dass er für den Biergarten eine eigene Baugenehmigung einholen musste. "Eine Nutzungsgenehmigung hatte ich, aber dass ein Biergarten eigens als Bau beantragt werden muss, wusste ich nicht", sagt der frühere Marketing-Fachmann eines amerikanischen Konzerns. Das hat er nachgeholt, der Kreis gewährte ihm die Genehmigung dafür. Dies ist der Dreh- und Angelpunkt, an dem der Nachbar seinen Feldzug ansetzt. Er sieht den Biergarten als Schwarzbau an, die beteiligten Parteien trafen sich deswegen schon vor einem Anhörungsausschuss des Kreises.

Zankapfel Biergarten: Für Torben Emmerich essenzieller Bestandteil seines Geschäfts, für einen Nachbarn Grund zur Klage.

Dort führte der Nachbar viele weitere Punkte an, die gegen den Fortbestand des Löwenherz sprächen. Der Ausschuss sah die Argumente des Nachbarn als haltlos an und bestätigte die nachträgliche Genehmigung. Doch der Nachbar lässt nicht locker, hat den Kreis nun verklagt. Der Verhandlungstermin vor dem Verwaltungsgericht Frankfurt steht noch nicht fest.

Wehrheim: Platzprobleme im Löwenherz

"Von dieser Entscheidung sind rund 30 Familien abhängig", sagt Emmerich im Hinblick auf seine Mitarbeiter. Der Biergarten sei für den Fortbestand seines Unternehmens absolut notwendig, "ansonsten sind wir mit 80 Sitzplätzen im Inneren zu klein, das lohnt dann auf Dauer nicht mehr".

Unterstützung erhält er von allen anderen Nachbarn. Die hätten ihm Schreiben gesendet, mit denen sie bestätigen, dass es ihnen nicht zu laut sei, sie den Fortbestand unterstützen möchten. Einige Nachbarn haben ihm von sich aus längere Unterstützungsschreiben gegeben. 17 dieser Schreiben liegen Emmerich vor. Der Gastronom ist dankbar dafür, doch ob es etwas bringt, stuft er als unsicher ein.

Viel mehr verspricht er sich von einer Lösung, an der er bereits seit Jahren plant. Denn er will den Biergarten überdachen. "Per Knopfdruck können dann Fenster hochgefahren und die Dachkuppel geschlossen werden, die den Lärm minimieren." Der Anbieter, den er im Auge habe, sei auf Lärmschutz spezialisiert. Er habe damit auf den streitlustigen Nachbarn zugehen wollen, doch sei keinerlei Kontaktaufnahme möglich.

Doch sind weitere bauliche Veränderungen notwendig. Deswegen hat er im vergangenen Jahr nicht nur den Bauantrag für den Biergarten gestellt, sondern auch für einen Anbau, der zum einen den Durchgang zwischen Zelt und den Innenräumen darstellt, zum anderen Toiletten und Personalumkleiden sowie einen Raucherbereich beinhalten soll. "Wir wollen damit alle Probleme lösen", sagt Emmerich.

Wehrheim: Problem der Zuständigkeit

Emmerich sieht sich hier vom Kreis im Stich gelassen. Denn immer wieder kurz vor Ablauf der dreimonatigen Frist, in der der Kreis über das Vorhaben entscheiden muss, erreiche ihn die Anforderung neuer Gutachten. "Ich habe schon über 25 000 Euro in diese Gutachten und in Architekten investiert, noch einmal in etwa die gleiche Summe für Rechtsanwälte", klagt Emmerich.

Und der Erweiterungsbau kommt auch nicht günstig. Auf etwa 250 000 Euro schätzt Emmerich die Investition. Er gibt sich jedoch kämpferisch und will - wenn nötig - die gleiche Summe noch einmal investieren, zum Schutz seines Lebenstraums und der Existenz seiner Angestellten, wie er sagt.

Die mögliche Lösung: So wie in dieser Grafik soll der Biergarten von einem Zelt umbaut werden. Fenster sind dann bei Bedarf und je nach Uhrzeit herauffahrbar.

Beim Hochtaunuskreis sei man durchaus bereit, Emmerich zu unterstützen, sagt der Kreisbeigeordnete Uwe Kraft (CDU) in seiner Funktion als Baudezernent. Doch wegen der geplanten Erweiterung sieht er die Gemeinde in der Pflicht, den Bebauungsplan zu ändern.

Während man dem Prozess vor dem Verwaltungsgericht recht gelassen entgegensehe, da die Lärmgrenzen eingehalten worden seien und es keine Gegenbeweise gebe, sei es mit dem Bauvorhaben schwieriger. Im überdachten Biergarten sieht Kraft kein Problem. Bezüglich des festen Anbaus liefen aber noch Diskussionen.

Bei der Gemeinde Wehrheim teilt man diese Meinung nicht. So habe sich die Gemeindeverwaltung die Pläne angeschaut und als in Ordnung empfunden, auch ohne den Bebauungsplan für das Gebiet abändern zu müssen. "Von uns wird das so durchgewunken", sagt Bürgermeister Gregor Sommer (CDU), der sich für die Gastronomie im Ort stark macht.

Und auch Emmerichs Architekt Jürgen Höser aus Neu-Anspach ist von dem Vorhaben überzeugt: "Wir versuchen selbstverständlich in unserer Planung, sämtliche nachbarschützenden Bestimmungen zu berücksichtigen."

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