1. Startseite
  2. Region
  3. Hochtaunus
  4. Wehrheim

Wie man in Wehrheim gut älter werden kann

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

ualoka_wehrheim_spd_phk__4c
Bei der Podiumsdiskussion mit Dr. med. Astrid Clarius (von links), Katrin Hechler und Elke Barth berichtet SPD-Fraktionsvorsitzende Heidrun Mony (rechts) stellvertretend für MGH-Koordinatorin Doris Landvoigt über die Angebote im Mehrgenerationenhaus. FOTO: SCHMAH-ALBERT © Ingrid Schmah-Albert

Wehrheim (sai). »Gut in Wehrheim älter werden« - mit diesem Titel stieß die SPD eine rege Diskussion an. Wie sich zeigte, könnte das auch gelingen - wenn die Parameter stimmen. Dazu zählt zuvorderst die eigene Gesundheit und Fitness der Senioren, weshalb neben Kreisbeigeordneter und Sozialdezernentin Katrin Hechler als Moderatorin und Landtagsabgeordneter Elke Barth auch Dr.

med. Astrid Clarius eingeladen war.

Clarius ist Hausärztin in Wehrheim und kennt die Probleme von Patienten und sie betreuenden Angehörigen, etwa bei der Suche nach einer geeigneten Pflege. Oft beschäftige man sich mit dem Thema erst dann, wenn man es schnell brauche, es sei jedoch wichtig, sich rechtzeitig um Hilfsangebote zu kümmern oder die eigene Wohnung barrierefrei umzugestalten, war man sich auf dem Podium einig. Aber nicht nur dann, wenn der Pflegefall konkret eingetreten sei, sind ältere Menschen auf Hilfen angewiesen, betont Clarius. Sie appellierte an die Politik, die Rahmenbedingungen zu schaffen, aber auch an die ältere Generation selbst, die Angebote etwa bei der Tagespflege auch zu nutzen (»Ich würde mir deutlich mehr Akzeptanz der Betroffenen wünschen«).

Mobilität als größtes Problem

Größtes Problem der älteren Menschen stelle die eingeschränkte Mobilität dar, hat sie beobachtet. Insbesondere im ländlichen Raum und hier besonders in Stadt- oder Ortsteilen seien Menschen ohne Auto aufgeschmissen. »Dass die Hochbetagten noch Auto fahren, obwohl sie es eigentlich längst nicht mehr sicher können, zeigt den Druck«, sagte Clarius. Hier sei die Politik gefragt, gute Alternativen anzubieten; es sei aber auch die Einsicht der Betroffenen gefragt, sich vom eigenen Auto zu verabschieden und stattdessen ein Taxi zu nehmen. »Wenn man die tatsächlichen Unterhaltungskosten eines Autos zusammenrechnet, kann man oft mit dem Taxi fahren«, waren sich auch Barth und Hechler einig - zumal Studien ergeben hätten, dass bei Menschen über 85 Jahren der Aktionsradius oft unter fünf Kilometern liege, zitierte Barth, die stellvertretende Vorsitzende der Enquetekommission »Mobilität der Zukunft« ist.

Die Nahmobiliät war denn auch ein wichtiger Themenblock in der Diskussion und es wurde klar, dass im öffentlichen Raum noch viele Verbesserungen nötig sind, etwa weil die Gehwege in schlechtem Zustand sind oder es für Menschen mit Rollatoren unüberwindliche Hindernisse gebe. Auch wenn Bushaltestellen inzwischen barrierefrei ausgebaut würden, sei das Angebot gerade in den Ortsteilen sehr mager, monierte unter anderem Peter Artzen, der zusammen mit Nassir Djafari die Veranstaltung organisiert hatte.

Impulse von außen sind entscheidend

Das sei sicherlich wechselseitig, stellte Barth klar: Weil die Busse nicht so oft fahren, werden sie nicht genutzt und weil es wenige Fahrgäste gibt, wird die Frequenz eingeschränkt. Das mache es schwer, die medizinische Versorgung oder Angebote, die es von Sozialträgern, Vereinen oder anderen Institutionen etwa im Mehrgenerationenhaus gibt, zu nutzen. Mitunter würden »die Menschen zu Gefangenen ihrer Häuser«, so die Analyse. Dabei schreite durch die Vereinsamung, selbst wenn noch ein Partner da sei, durch fehlende Impulse von außen und durch fehlende Bewegung (»Die ist für die Fitness im Alter, auch für die geistige Fitness, wesentlich wichtiger als Kreuzworträtsel oder Sudoku lösen«) der Verfall noch voran, so Clarius.

Dass die ältere Generation die Angebote selbst beim sogenannten betreuten Wohnen nicht annehmen, hat Barbara Dempsey vom Wehrheimer Pflegedienst ABP festgestellt. Sie machte gegenüber dieser Zeitung aber auch noch auf ein ganz anderes Problem aufmerksam: Ab September, wenn die Tarifpflicht eine Lohnerhöhung von 20 bis 40 Prozent nach sich ziehe, was sie grundsätzlich begrüße um den Beruf attraktiver zu machen, würden viele Pflegedienste das möglicherweise nicht überleben. Denn im Gegensatz zu »normalen« Wirtschaftsbetrieben, die ihre Preisgestaltung selbst bestimmen können, seien die Pflegedienste an die Vergütung durch die Krankenkassen gebunden. Damit wird das Angebot wohl in naher Zukunft noch dünner - bei steigender Nachfrage. Noch etwas, was die Politik als Hausaufgabe von der Veranstaltung bekam.

Auch interessant

Kommentare