Haushalt

Zehn Tricks, mit denen Wehrheim seine Einnahmen verbessern könnte

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Wenn Geld in der Kasse fehlt, ist das unangenehm – da geht es den Kommunen wie dem Privathaushalt. Wehrheim, finanziell eigentlich auf Rosen gebettet, muss millionenschwere Mindereinnahmen verkraften. Das Rathaus arbeitet fieberhaft, konkrete Überlegungen sind aus der Politik noch nicht nach außen gedrungen. Diese Zeitung hätte da mal ein paar Vorschläge, wie die Kuh vom Eis gebracht werden könnte. . . . Und wenn diese keine Verbesserung bringen, können sie hoffentlich auch der Politik ein kurzes Schmunzeln entlocken.

Die Nachricht hatte das Parlament vor einem Monat kalt erwischt: Vier Millionen Euro weniger als zunächst kalkuliert stehen der Gemeinde an Gewerbesteuern zu. Die schwarze Null im Haushalt ist so zu einer tiefroten geworden – mit ein paar gleichfarbigen Ziffern vornedran.

Sparen tut weh und kommt bei den Bürgern meist nicht so gut an. Deswegen haben wir ein paar Vorschläge gesammelt, wie sich die Einnahmen der Gemeinde erhöhen ließen. Nein, keine platten Steuererhöhungen, das wäre zu einfach. In der heutigen Zeit ist etwas mehr Kreativität gefragt . . .

Erster Vorschlag: Sponsoren-Tafeln . An den Ruhebänken klappt es doch schon toll, warum sollte man das Konzept nicht auch auf größere Objekte ausdehnen? Die neue Sporthalle mit einer kompletten, eng beschrifteten Messing-Fassade würde morgens zwar die Autofahrer blenden, den restlichen Tag sähe es aber sehr beeindruckend aus . . .

Die Idee ließe sich zu einem kommunalen Dauer-Crowdfunding ausbauen. Einfach frühzeitig die beabsichtigten Investitionen auf der Homepage bekanntmachen und ein „Sparziel“ angeben. Wenn sich genügend Unterstützer gefunden haben, legt die Kommune den Rest drauf. Wenn sich keiner engagiert, kann das Projekt so wichtig nicht sein.

Und warum ein Vorhaben „nur“ sponsern lassen? Man könnte auch die Namensrechte verkaufen oder vermieten. Der Sport macht es vor: Stadien und Arenen heißen längst nach Firmen oder Produkten. Das hört sich manchmal – wie bis 2010 beim „Playmobil-Stadion“ in Fürth – ziemlich komisch an, spült aber Geld in die Kassen. Auf dem „Elektro-Wagner-Sportfeld“ etwa könnten bald die Veranstaltungen am Oberloh stattfinden, auf den Vongriesschen Feldern gedeiht das kommunale Obst. Nach oben gibt’s keine Grenze: „Bürgerhaus“, „Stadttor“, „Mitte“ – das schreit nach neuen, finanzkräftigen Namen. Und für sagen wir mal 13 Millionen Euro könnte Wehrheim selbst seinen Beinamen veräußern. Aus dem Apfeldorf würde dann beispielsweise „Wehrheim – das Karl-Matuisak-Dorf“ werden. Nachteil: Bei den Souvenirs gibt’s dann aller Wahrscheinlichkeit nach einen Absatz-einbruch . . .

Apropos Souvenirs : Vielleicht wäre das eine auszubauende Einnahmequelle. Etwas Marketing reicht oft schon, um einen Trend zu kreieren. Und hat sich die Marke erstmal etabliert, lässt sich einfach alles an den Mann bringen „Apfeldorf-Humus“, „Wehrheimer Wiesenwasser“ – wenn das läuft, kann man mutiger werden. „Erstehen Sie jetzt ein einzigartiges Stück Industriegeschichte“ könnte die Werbung für Stücke korrodierter Wasserleitungen lauten.

Zu optimistisch? Dann eine Nummer kleiner. Wie wäre es mit

Werbeeinblendungen

im neuen Rats-Infosystem ? Wer sich online einen Bebauungsplanentwurf anzeigen lassen will, muss zunächst 30 Sekunden Werbung aushalten. Einen Mindest-Kundenstamm gibt’s auf jeden Fall – die rund 50 kommunalen Mandatsträger werden das Angebot regelmäßig nutzen (müssen) – und sehr bald bestrebt sein, diese Einnahme überflüssig zu machen.

Überhaupt bietet das Internet ungeahnte Möglichkeiten. Schon mal über eine Paywall (deutsch: Bezahlschranke) beim Bürgermeister nachgedacht? Der hat alleine auf Facebook 4300 Freunde. Würde er von jedem monatlich nur einen Euro zugunsten der Staatskasse kassieren, wären das im Jahr über 51 000 Euro. Klar, dafür müsste er noch ein paar exklusive Inhalte mehr beisteuern, aber das dürfte für den Social-Media-Profi, der sich mit den klassischen Medien oft genug ein Wettrennen liefert, kein Problem sein.

Ein anderer Ansatz wäre die Kehrtwende von der Kehrtwende bei der Energiewende . Vielleicht könnten die Windräder am Winterstein doch gar nicht soooo hässlich sein, wenn sie dabei Geld in die Kasse spülen. Die CDU darf darauf hoffen, dass die Landespartei auch nach der Wahl auf die Windkraft setzt, Grüne und SPD waren eh nie dagegen und die FDP lässt sich (freilich unter Protest) überstimmen und darf dafür pro Windrad ein Wunschprojekt anmelden, das die anderen Fraktionen bei den Haushaltsberatungen (freilich unter Protest) durchwinken.

OK, nächster Vorschlag: Die Knöllchen-Flatrate . Geparkt wird im Ortskern gerne ohne Rücksicht auf die Schilder. Das Ordnungsamt kann nicht überall sein und so ist die Parkraumbewirtschaftung derzeit eine Art öffentliches Glücksspiel. Für beide Seiten hätte eine Flatrate – sagen wir mal 150 Euro im Monat – Vorteile. Die Gemeinde hätte sichere Einnahmen und die notorischen Parksünder müssen nicht mehr jeden Strafzettel einzeln begleichen, sondern können stattdessen ihren „Derf-Schein“ hinter die Windschutzscheibe legen.

Wenn alles nicht hilft, bleibt nur die Fusion mit Bad Homburg . Obernhain wollte es ohnehin und hofft immer noch auf den Stadtbus. Wehrheim hätte schon jetzt den S-Bahn-Anschluss und könnte noch stärker mit der Nähe zu Frankfurt werben. Auch marketingtechnisch passt die Verbindung zwischen Apfeldorf und Champagnerluft – immerhin hat Wehrheim schon längst einen Apfel-Secco im Programm.

Wenn auch das nicht auf der politischen Agenda landen sollte, gibt’s nur noch eine letzte Möglichkeit: Die Politik muss geschlossen zum Praktikum nach Neu-Anspach . In der Kleeblattstadt hat man immerhin eine lange Erfahrung mit defizitären Haushalten und ist noch immer bestrebt, 2018 trotz Mindereinnahmen ein ausgeglichenes Ergebnis einzufahren.

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