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Reviersleiter Wolf Liebold wird zum Jahresende die grüne Försterjacke an den Nagel hängen. 

Forstamt Weilrod

Akuter Fachkräftemangel im Weilroder Forst - dringend benötigte Studienplätze fehlen

Das Weilroder Forstamt leidet unter einem akuten Fachkräftemangel. Es fehlen Studienplätze. 

Weilrod - Von elf Revierleitern gehen allein in Weilrod in diesem Jahr vier in Pension. Jörg Erwe (Revier Rod/Hasselbach) ist bereits im Ruhestand, Klaus Bangert (Revier Weilnau) und Wolf Liebhold (Revier Merzhausen) werden bis Jahresende folgen. Hans-Peter Groos (Revier Neu-Anspach) scheidet in diesem Jahr ebenfalls aus, braucht aber keinen Nachfolger, da die Stadt Neu-Anspach ihren Wald künftig in Eigenregie beförstern will. Doch auch Erwe, Liebhold und Bangert ließen sich nicht "1:1" ersetzen.

Försterberuf ist attraktiv, doch die Bewerber fehlen

Forstdirektor Bernd Müller, Leiter des Forstamtes Weilrod, erläutert die Gründe und was es mit der "Strukturreform 2020/25" und "KVP" auf sich hat. Der Förster-Beruf sei immer noch attraktiv, es gebe auch Bewerber. Was dagegen fehle, seien Studienplätze, nennt Müller einen Grund für die zweite Forststrukturreform seit 2005, bei der die Forstämter Usingen und Weilrod zusammengelegt wurden. Der zweite Grund ist demografisch: Die geburtenstarken Jahrgänge kommen ins Pensionsalter. Eine Grafik zeigt einen regelrechten Berg von "Bald-Ruheständlern". Eine 1:1-Neubesetzung scheitert also an der zu geringen Zahl von Bewerbern.

Ausschreibung der Försterstelle in Weilrod abgeschlossen

Da die Waldfläche aber gleichbleibt, während die Arbeit, auch wegen der Borkenkäferplage, nicht weniger wird, wird jetzt bei der Form der Reviere erneut die Schere angesetzt. So werden die drei Weilroder Reviere mit Größen zwischen 1600 und 1700 Hektar zu zwei dann etwa 2000 Hektar großen Einheiten zusammengefasst. In einem Fall ist die Ausschreibung der Försterstelle bereits abgeschlossen, für das zweite Revier soll sie bald anlaufen. 

Weilrod hat das letzte Wort, nicht die Förster

Obwohl die Förster auf der Gehaltsliste des Landes stehen, hat bei der Besetzung in Weilrod die Gemeinde das letzte Wort. "Das ist gesetzlich so geregelt, wenn der Anteil des Kommunalwaldes den des Staatswalds übersteigt, und in Weilrod ist das so", sagt Müller.

Er hofft, die Neubesetzung bis spätestens Herbst verkünden zu können. Bis dahin soll auch ein Stab an Zuarbeitern in Gestalt von Forstwirtschaftsmeistern bereitstehen, die Aufgaben aus dem Berufsspektrum der Revierleiter zu übernehmen. Zwei Förster ohne Revier übernehmen spezielle Aufgaben und arbeiten forstamtübergreifend 

Wie die Forstämter das Konzept umsetzen, wurde ihnen von der Betriebsleitung freigestellt. "Es muss nur bis 2025 umgesetzt sein. Ich habe unseres in Kassel vorgestellt, es ging glatt durch", freut sich Müller, der von der Werthaltigkeit überzeugt ist.

Forstwirtschaft soll optimiert werden

Ziel der Reform ist nicht allein, auf den Personalmangel zu reagieren, sondern auch die diversen Prozesse der Forstwirtschaft zu optimieren. Auch dafür gibt es ein Programm - "KVP" heißt es und "kontinuierliche Verbesserung der Prozesse" meint es. "Wie sie das umsetzen, ist den Forstämtern freigestellt, Ziel ist aber auch ein landesweiter Wettbewerb der Ideen und dass funktionierende, zeit- und kostensparende Methoden von anderen Ämtern übernommen werden können", sagt Müller.

In Schulungen im Forstamt, auf Führungsebene, aber auch beim Landesbetrieb Hessen Forst in Kassel wurde das Strukturkonzept in den letzten Monaten vorbereitet.Mit der Reform ist auch eine an den Besitzverhältnissen orientierte Optimierung der Revierzuschnitte mit dem Ziel kürzerer Wege zu den Einsatzstellen verbunden.

Försterarbeiten sollen übertragen werden

Von derzeit elf Revieren bleiben nur noch acht übrig: Das Revier Neu-Anspach wird wegen der von der Stadt beschlossenen Eigenbeförsterung aufgelöst. Aus drei Weilroder Revieren werden zwei etwa 2000 Hektar große Einheiten. Um die Mehrbelastung der Revierleiter abzufedern, aber auch weil es, so Forstdirektor Bernd Müller, generell sinnvoll ist, werden sich zwei Nachbar-Reviere einen von vier neuen Forstwirtschaftsmeistern teilen. Deren Ausbildung lässt es zu, dass ihnen försterspezifische Arbeiten übertragen werden können. Zwei "Förster ohne Revier" werden als Funktionsbeamte revierübergreifende Spezialaufgaben wie Waldpädagogik und Friedwald übernehmen.

Um die Arbeitsabläufe ökonomischer zu gestalten, ist mit der Strukturreform auch ein neuer, an den Besitzgrenzen orientierter Zuschnitt der Reviere verbunden: Kommunalwald bei Kommunalwald, Staatswald bei Staatswald, soweit das räumlich möglich ist.

So wird zum Beispiel Grävenwiesbachs Gemeindewald künftig nicht mehr auf zwei Reviere verteilt sein. Revierleiter Uwe Neun wird für den kompletten Gemeindewald verantwortlich sein, seine Nachbarkollegin Birgit Wetzel ausschließlich für den Staatswald.Dienstsitze der beiden neuen Weilroder Revierleiter werden die Forstdienstgehöfte am "Landstein" und in Rod an der Weil sein. (as)

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