Weilroder zu fünf Jahren und vier Monaten verurteilt

27-Jähriger muss danach in die Psychiatrie

  • vonAlexander Schneider
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Richter bleiben unter dem Antrag der Anklage - Gewalttäter, der seine Frau misshandelt hat, muss nach der Haft Therapie gegen seine Drogenabhängigkeit beginnen

Die 22. Große Strafkammer des Frankfurter Landgerichts hat den 27-jährigen Weilroder, der seine Ehefrau mehrfach brutal getreten und geschlagen haben soll, gestern nach fünf Prozesstagen zu fünf Jahren und vier Monaten Haft verurteilt.

Die Kammer hat, wie bereits der Staatsanwalt, den ursprünglichen Hauptvorwurf der versuchten Tötung fallengelassen und ist von gefährlicher Körperverletzung mit einer das Leben gefährdenden Behandlung ausgegangen, dazu kamen Fälle von einfacher Körperverletzung und Beleidigung. Das Gericht ist mit dem Urteil deutlich unter dem Strafantrag der Staatsanwaltschaft (acht Jahre) geblieben, hat aber wegen der hohen Rückfallgefahr die Unterbringung des Mannes in der geschlossenen psychiatrischen Anstalt Hadamar für notwendig erachtet.

Er soll die Therapie, die auf drei Jahre angesetzt ist, gleich nach Rechtskraft des Urteils antreten. Der Richter sah darin eine Chance für den Angeklagten, seine Alkohol- und Drogenabhängigkeit in den Griff zu bekommen, aber auch seine Antriebslosigkeit, sein fehlendes Durchhaltevermögen und seine Selbstunterschätzung zu überwinden. Gerade das sei nötig, die nicht leichte Therapie überhaupt mit Erfolg abschließen zu können.

Das Gericht hatte keine Zweifel daran, dass sich die Taten so abgespielt haben wie es in der Anklageschrift steht. Es gebe durchaus Anzeichen für versuchte Tötung und die dazu nötige Tötungsabsicht. So habe der Mann bei der "Gewaltorgie", bei der die Frau neben Rippenbrüchen auch einen potenziell lebensbedrohlichen Pneumothorax erlitten hat, sogar vor Zeugen gesagt, sie könne sich jetzt neben ihre verstorbene Freundin legen.

Am Ende, so der Richter, hätten aber die vorsatzkritischen Argumente überwogen. Dem Angeklagten sei es eher darum gegangen, seine Frau zu erniedrigen.

Dass das Urteil so weit unter dem Antrag des Staatsanwalts liege, sei dem Umstand geschuldet, dass der Täter zum Tatzeitpunkt noch nicht einschlägig vorbestraft gewesen sei. Im Grunde habe er das aber seiner Frau, für die das ganze "die Hölle" gewesen sein muss, zu verdanken. Dass die aus Scham oder Angst nicht viel früher den Weg zur Polizei gefunden habe, sei das falsche Signal an den Angeklagten gewesen, damit habe sie die Gewaltspirale nur verstärkt.

Kinder müssen Gewaltexzess miterleben

Als besonders schwerwiegend lastete der Richter dem Angeklagten an, dass die Kinder den Gewaltexzess vom 8. Januar miterleben mussten. Ob sie dadurch bleibende seelische Schäden davontragen, werde erst die Zukunft bringen. Auch die Frau leide nach wie vor psychisch, aber auch physisch unter den Folgen, sagte der Richter. Was ihn und das Gericht in diesem Prozess am meisten verstört habe, sei der im Prozess vorgespielte, verzweifelte Notruf der Tochter gewesen.

Das Gericht habe versucht, auch Dinge, die für den Angeklagten sprechen, in die Urteilsfindung einzubeziehen, aber nicht viel gefunden. Dass er die Taten nicht bestritten habe, sei "ein zartes Anzeichen dafür, dass er bereit sei, Verantwortung zu übernehmen".

Der Verteidiger schien nach Rücksprache mit seinem Mandanten bereit, auf Rechtsmittel zu verzichten, der Staatsanwalt braucht noch Bedenkzeit. Rechtskräftig ist das Urteil damit noch nicht.

Alexander Schneider

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