Kein Platz

Auch auf dem Land gibt es kaum noch Baugrundstücke

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Der Brexit kommt und das Rhein-Main-Gebiet boomt. Der Siedlungsdruck auf die Umlandkommunen steigt, auch Weilrod ist ihm ausgesetzt, hat aber, so Bürgermeister Götz Esser, die passenden Angebote. Vorerst jedenfalls.

Von wegen „auf dem Land ist noch Platz“: Weilrod entwickelt sich mehr und mehr zu einer gefragten Adresse für Siedlungswillige, die dem direkten Frankfurter „Speckgürtel“ oder auch nur den dort aufgerufenen Grundstückspreisen fliehen. Inzwischen herrscht auch in den einschlägigen Immobilienportalen bei Aufruf der Postleitzahl „61276“ Ebbe. „Immowelt“ listet gerade einmal vier zum Verkauf stehende Häuser und fünf Baugrundstücke auf, Konkurrent „Immoscout“ sogar nur drei Häuser und zwei Grundstücke. Der Markt ist leer gefegt.

Das sagt auch Weilrods Bürgermeister Götz Esser (FWG), in dessen Rathaus beinahe täglich Suchanfragen eingehen. „Die Gemeinde hat derzeit kein einziges baureifes Grundstück im Angebot“, sagt Esser. Das große Interesse an Wohnraum in Weilrod sei in erster Linie der prosperierenden Entwicklung der Rhein-Main-Region geschuldet, wo heutzutage schon fast jeder geforderte Preis gezahlt werde. Es sei deshalb davon auszugehen, dass der Boom die nächsten Jahre anhalten werde, der Brexit sei dafür nur eine von mehreren Ursachen.

„Wenn erst einmal die S-Bahn bis Usingen elektrifiziert ist, kommt der nächste Schub“, sagt Esser, der die Aufgabe von ländlich geprägten Kommunen am Rande des Ballungsraumes vorrangig nicht darin sieht, „Wohnraum für Vorstandschefs“ zu schaffen, sondern auch für die Ebenen darunter: „Es muss möglich sein, dass auch Normalverdiener Wohnraum für sich und ihre Familien in guter Erreichbarkeit ihrer Arbeitsplätze schaffen können.“ Weilrod habe dafür die passenden Angebote.

Allerdings gingen diese zügig zur Neige. Von elf Grundstücken im Neubaugebiet „Hölle“ am Roder Kreisel sind bereits acht verkauft, für die restlichen drei gebe es Optionen, die nach Essers Erwartung auch kurzfristig gezogen werden: „Was die Einzelhausbebauung anbelangt, sind wir in der Hölle also durch. Es bleibt nur noch der Geschosswohnungsbau, wo wir von drei Häusern mit je drei Wohnungen ausgehen.“ Verhandlungen mit Bauträgern liefen bereits.

Am der „Hölle“ gegenüber liegenden „Cratzenbacher Berg“ hat nun auch das letzte Grundstück einen Käufer gefunden. Im „Taunusblick“ in Emmershausen, wo einmal zehn Bauplätze ausgewiesen worden waren, ist nur noch einer frei, für den es aber eine Reservierung gibt.

Das Pfund, mit dem Weilrod noch wuchern kann, das geplante Neubaugebiet „Neuerborn“ in Altweilnau, verkaufe sich praktisch aus dem Katalog, und das, obwohl es den noch nicht einmal gebe, geschweige denn einen Bebauungsplan: „Für die etwa 50 Wohneinheiten gibt es 25 ernst zu nehmende Anfragen“, erklärt Esser, der davon ausgeht, dass ein regelrechter Run einsetzen wird, wenn der Grundstücksverkauf erst einmal begonnen hat.

Das Baurecht für das Gebiet soll noch 2018 geschaffen werden, die Erschließung erfolgt Ende 2019/Anfang 2020, dann kommen die Grundstücke auf den Markt. Die wiederkehrende Forderung der Skeptiker von größeren Baugebietsausweisungen, erst einmal die Baulücken zu schließen, greift nach Essers Auffassung zu kurz: „Ja, es gibt eine ganze Menge solcher Baulücken, durchschnittlich vielleicht neun pro Ortsteil, die sind aber allesamt in privater Hand, da haben wir als Kommune keinen Zugriff. Dazu kommt, dass davon nicht einmal die Hälfte der sogenannten Enkelchenbauplätze überhaupt erschlossen ist. Das führt uns also nicht weiter.“

Auch eine weitere Sorge von Skeptikern, das Trinkwasserangebot könnte zur Neige gehen, hält der Bürgermeister für wenig zielführend, weil unbegründet: „Weilrod hat zum Glück genügend Wasser und ist außerdem an Beschaffungsverbände angeschlossen, so dass die Versorgung unserer Bürger in jedem Fall sichergestellt ist.“

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