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Bitte die Totenruhe wahren

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Von: Alexander Schneider

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Wurde bei den Ausgrabungsarbeiten an der Ruine Landstein die Totenruhe gestört, wie es zumindest eine Briefschreiberin befürchtet?
Wurde bei den Ausgrabungsarbeiten an der Ruine Landstein die Totenruhe gestört, wie es zumindest eine Briefschreiberin befürchtet? © ALEXANDER SCHNEIDER

Lärm durch die Feuerwehr, Bier zum Jubiläum, Straße sperren: Bürgermeister berichtet von seltsamen Bürgerwünschen.

Weilrod -Es gab Zeiten, da konnte Bürgermeister Götz Esser (FWG) es sich noch erlauben, "schräge" Anfragen und Beschwerden direkt auf seinem Schreibtisch unter der Schreibunterlage einzulagern. Das geht nicht mehr, denn die Unterlage erwies sich mit der Zeit als immer "entgegenkommender". Und bevor er Gefahr lief, im Stehen arbeiten zu müssen, heftete er die Schreiben, darunter auch ausgedruckte Mails, in einem blauen Aktenordner ab, der griffbereit im Schrank steht.

"Was nicht anonym ist, wird beantwortet, das andere nicht", sagt Esser. Ganz so anonym sind der eine oder andere Brief und auch die eine oder andere Postkarte mit nicht ganz jugendfreiem Inhalt trotz fehlender Signatur aber gar nicht: "Ich bin mir sicher zu wissen, auf wessen Mist das gewachsen ist."

Tag eins nach dem Weiltalsonntag

Erst am Montag musste er wieder an die Sammlung, es gab neue Post, die keinen besseren Ort als den blauen Ordner finden konnte. Es war Tag eins nach dem Weiltalsonntag: Die letzten Spuren des Fahrradaktionstages waren beseitigt, die Sperrgitter abgebaut, da kam auch schon Post. Jemand beschwerte sich, dass der Weiltalsonntag ihn mit seinen Sperrungen in seiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt hatte. Das wochentags vom Stallpersonal umsorgte Ross habe der sonntäglichen Selbstversorgung durch den Eigentümer bedurft. Dabei leben Ross und Reiter nur wenige Hundert Meter voneinander entfernt. Und schließlich gebe es auch Menschen, die sonntags arbeiten müssen. Nein, das mit der Sperrung sei gar keine gute Idee.

Als keine gute Idee empfand es auch ein, in diesem Fall anonymer Zeitungsartikelausschneider, dass die Gemeinde Weilrod eigens zum 50-jährigen Jubiläum der Gebietsreform ein eigenes Bier brauen ließ, wobei sich Bürgermeister, Landrat und andere Granden beim Einmaischen mit dem Brauer ablichten ließen. Dem Mann missfiel der Brauvorgang sehr, er beließ es nicht beim Ausschneiden, sondern ergriff auch noch den Edding, um so etwas wie "Club der Antialkoholiker" dazu zu texten und das Papier ans Rathaus zu schicken. Dabei haben die Herren gar nichts getrunken, schließlich musste das Bier ja erst unter der Zugabe echten Weilroder Wassers im Gärtank heranwachsen.

Um echtes Weilroder Wasser ging es auch bei einem Vorgang letzten Sommer. Da war die Feuerwehr mit dem Lautsprecherwagen über die Dörfer gefahren, um auf Geheiß des Bürgermeisters die Bürger zum sparsamen Umgang mit dem kostbaren Nass anzuhalten. Manch einer fühlte sich dadurch in seiner Ruhe gestört, ein anderer beklagte fehlende Freundlichkeit: "Wenigstens Bitte und Danke könnte man doch sagen."

Es kann nicht immer geholfen werden

Esser ist natürlich selbst am gesitteten Umgang miteinander gelegen, und er versucht auch, wo immer möglich, das Rathaus erreichende Anregungen und Beschwerden ernst zu nehmen. So manchem Manne und mancher Frau konnte da schon geholfen werden. Immer geht das allerdings nicht. Bei dem hier ging's nicht: Ein Briefschreiber verlangte allen Ernstes, dass die Straße, in der er wohnt, für den Verkehr gesperrt wird. Er brauche seine Ruhe. Da fragt sich dann auch ein an so manche skurrile "Anregung" gewöhnter Bürgermeister, "was man dazu sagen soll".

In diese Kategorie passt auch ein sicher gut gemeintes, von tiefer Sorge begleitetes Schreiben in der Zeit, als die Fundamente der Ruine Landstein freigelegt wurden. Darin wurde dringend geraten, die Totenruhe der um die Zeit der Reformation dort begrabenen Kleriker zu wahren. VON ALEXANDER SCHNEIDER

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