Lorraine und Julien Vanel mit dem siebenjährigen Antonin nehmen bald schon wieder Abschied von dem liebevoll sanierten Fachwerkhaus in Oberlauken.
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Lorraine und Julien Vanel mit dem siebenjährigen Antonin nehmen bald schon wieder Abschied von dem liebevoll sanierten Fachwerkhaus in Oberlauken.

Weilrod

Drei Jahre Arbeit stecken im Gebälk

  • vonEvelyn Kreutz
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Französische Familie hat Fachwerkhaus in Oberlauken in Eigenarbeit wieder hergerichtet

Weilrod -Bis aus dem fast abbruchreifen Geschichtshaus in Oberlauken ein wahres Schmuckstück geworden ist, brauchte die Familie Vanel drei Jahre. Doch bald schon nehmen Julien und Lorraine mit ihren Kindern Antonin (sieben Jahre), Leonie (zwei Jahre) und Marius (sechs Monate) wieder Abschied, sie ziehen zurück nach Frankreich.

In dem Fachwerkhaus am Rande des Dorfplatzes waren nach dem Zweiten Weltkrieg viele Jahre lang Flüchtlingsfamilien beheimatet. Dann stand es leer, bis der Geschichtsverein dort sein Archiv unterbrachte und sogar einen Dorftreff mit Café einrichten wollte. Doch die Sanierung war zu teuer, auch für einen ersten Käufer, der das Gebäude 2011 erworben hatte. Weil Lorraine, die als Analystin arbeitet, eine Stelle in Frankfurt annahm, zog die Familie 2014 nach Schmitten. Auf einem Ausflug entdeckten sie das charmante Fachwerkhaus in Oberlauken und unterzeichneten 2016 den Kaufvertrag.

Vorhaben wurde für unmöglich gehalten

Julien ist gelernter technischer Zeichner, aber kein Büromensch. Er hat als Karosseriebauer, Lackierer, Traktorfahrer und Industriemaler gearbeitet, und er hat ein Faible für die Sanierung alter Häuser. In Südfrankreich hat er bereits ein altes Steinhaus wieder aufgebaut, das heute vermietet ist. Daher erstellte er für das Geschichtshaus, das schätzungsweise um 1700 erbaut worden ist, eine Planung und reichte sie bei der Denkmalschutzbehörde ein, die ihren Segen dazu gab.

Doch die Banken spielten nicht mit. "Es hieß, es ist nicht möglich, ein solches marodes Haus zu sanieren", erzählt Julien. Wer die Fotos sieht von dem Kamin, der dreimal ausgebrannt war, von zum Teil verfaulten Holzbalken, von Böden, die in einem Zimmer ein Gefälle von 18 Zentimeter haben, kann sich auch kaum vorstellen, dass ein solches Haus zu retten ist.

Mit Fachfirmen hätte die Familie das finanziell nicht stemmen können. Aber Julien hat drei Jahre lang jeden Tag gearbeitet, alles selbst gemacht, und die Familie hat geholfen, wo sie konnte. Erst als sie schon angefangen hatten, fanden sie doch noch eine Bank, die ihnen einen Kredit gewährte.

Die erste Hürde war die Beschaffung alter Eichenbalken. Die holte er aus Frankreich von den Nachbarn seiner Eltern. Die Gefache erhielten dann wie früher erst noch ein neues Holzgeflecht, bevor sie mit frisch aufgeschlämmtem Lehm verputzt wurden. Beim Verputzen packte Lorraine kräftig mit an. Und sogar der kleine Antonin hat geholfen, mit den Füßen den Lehm mit frischem Stroh zu verstampfen.

"Für die erste Hausseite haben wir sechs Monate gebraucht, genauso lange wie für die anderen drei Seiten", erinnern sich die beiden. Zum Glück habe ihnen ein Nachbar das Baugerüst kostenlos zur Verfügung gestellt.

Nach den Auflagen des Denkmalschutzes hat Julien die Wände und Böden mit Holzfasern und Kork gedämmt. Ein Kompromiss war die moderne Treppe mit Metallgeländer und alten Eichenbrettern. "Die originale schmale Stiege wäre für die Kinder zu gefährlich gewesen." Das Material für den Innenausbau hat Julien dort gekauft, wo es am günstigsten war, die Sanitäranlagen in Frankreich, die Leitungen für die Elektrik in Deutschland.

Im Jahr 2019 zogen sie endlich in ihr liebevoll wieder aufgebautes Haus. Im Erdgeschoss befinden sich Küche, Wohnküche und ein Spielzimmer, im Obergeschoss drei Schlafzimmer und ein Bad und im Dachgeschoss zwei kleine Zimmer und ein Gäste-Badezimmer sowie unter den Schrägen jede Menge Stauraum.

Es geht zurück in die Nähe von Lyon

Von der Gemeinde kauften sie noch ein paar Quadratmeter Außenfläche dazu für einen Minigarten. Doch bevor Antonin zur Schule musste, war die Familie erst einmal fast zwei Jahre auf Reisen in Europa und Asien.

Die Familie fühlt sich wohl in dem gemütlichen Haus und ist stolz über viel Lob von den Dorfbewohnern für die tolle Sanierung. Und doch werden sie Oberlauken im Juli verlassen.

Lorraine hat Anfang Mai wieder ihre Arbeit aufgenommen. Bliebe sie in der deutschen Vertretung ihrer französischen Firma, gäbe es kein Zurück mehr. Also ziehen sie in die Nähe von Lyon. Einen Käufer für das schmucke und mit viel Arbeit hergerichtete Fachwerkhaus werden sie bestimmt bald finden. von Evelyn Kreutz

Julien Vanel hat drei Jahre lang jeden Tag gearbeitet, um das alte Fachwerkhaus in Oberlauken in ein Schmuckstück zu verwandeln.
Um das alte Fachwerkhaus wieder bewohnbar zu machen, war eine Kernsanierung nötig.

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