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Ein glücklicher Zufall

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ualoka_weilrod_partnersc_4c_1 © Sabine Neugebauer

Weilrod. Am 26. Januar 2001 wurde die Partnerschaftsurkunde zwischen Weilrod und Billy-Berclau unterzeichnet. Dazu war eine Delegation unter Leitung des damaligen Bürgermeisters Hartmut Haibach und des inzwischen verstorbenen Parlamentsvorstehers Ottomar Löhr in das Departement Pas de Calais gereist. An diesem Wochenende wird das 20-jährige Bestehen dieser Freundschaft mit einem Jahr Verspätung gefeiert.

Doch wie kam es zu dieser Partnerschaft? Jean Paul Morand aus Billy-Berclau arbeitete Ende der 1990er Jahre in einem Ingenieurbüro in Bad Homburg. Nachdem dies aufgrund von Korruptionsaffären schließen musste, verlor er seine Arbeit. In Weilrod suchte man damals jemanden für das Bauamt. Und so kam Morand ins Weiltal. »Rundherum hatten damals schon alle Kommunen Partnerschaften, nur Weilrod noch nicht«, blickt der damalige Bürgermeister Haibach im Gespräch mit dieser Zeitung zurück. Es sei zwar »nicht der drängende Wunsch gewesen«, aber trotzdem ging man auf die Suche. Mit dem damaligen Grävenwiesbacher Bürgermeister Hellwig Herber fuhr Haibach in die Grävenwiesbacher Partnergemeinde ins Elsass, um dort bei einer Nachbarkommune anzufragen. Doch dort kam keine Partnerschaft zustande.

Und so fragte Haibach seinen Mitarbeiter, ob dieser nicht eine Gemeinde in Frankreich kenne, die an solch einer Jumelage Interesse habe - und dieser nannte seine Heimatgemeinde. Im Juli 1999 kam es im Landgasthof »Zur Linde« in Gemünden zu einem ersten Treffen mit einer französische Delegation mit Bürgermeister Daniel Delcroix an der Spitze, berichtet Kathia Hedwig, die damals zusammen mit Isolde Cousin-Mohr übersetzte und heute die Vorsitzende des Partnerschaftskomitees ist. Ein Jahr später reisten die Weilroder nach Billy-Berclau, um den weiteren Ablauf und die Unterzeichnung vorzubereiten.

Partnerschaftsverein seit März 2011

Im März 2001 kam das Weilroder Partnerschaftskomitee zu seiner ersten Sitzung zusammen. Gisela Otto wurde zur Vorsitzenden gewählt, Klaus Fischer zu ihrem Stellvertreter. Ihnen zur Seite standen die beiden Schriftführer Romuald Fuchs und Martina Liebhold. »Fuchs war die treibende Kraft«, erinnert sich Haibach an den schon verstorbenen Hauptamtsleiter, »er war ein großer Frankreich-Fan«. Und so wurden bereits im ersten Partnerschaftsjahr zahlreiche Kontakte zwischen den verschiedenen Interessengruppen beiderseits der Grenze geknüpft: Künstler, Naturinteressierte, Motorradfahrer, Radfahrer, Jugendgruppen, Jugendfeuerwehr, Musikanten.

Durch die gegenseitigen Besuche entstanden zahlreiche persönliche Freundschaften, von denen viele noch heute bestehen. »Wie in einer jungen Ehe«, sei der Austausch zu Anfang noch intensiver gewesen, zieht Haibach den Vergleich, später sei die Freundschaft in ruhigere Bahnen übergegangen, im Laufe der Jahre reduzierten sich die offiziellen Besuchstermine. 2016 wurde vereinbart, dass es jährlich nur noch einen offiziellen Austausch gibt, private Besuche waren und sind hiervon nicht betroffen. »Man trifft sich, man drückt sich, man spricht miteinander«, beschreibt der Alt-Bürgermeister das gute Verhältnis zueinander. »Wer miteinander redet, der schlägt sich nicht«, sagt er im Blick auf die Ukraine-Krise.

Gisela Otto, die Vorsitzende des Komitees in den ersten fast neun Jahren, berichtet: »In diesen Jahren habe ich nach besten Kräften geholfen, Sprachbarrieren zu überwinden, Kontakte herzustellen, die Bürger beider Gemeinden einander näher zu bringen, Interesse zu wecken für die jeweils andere Kultur und Lebensart. Es war eine spannende, aufregende, zufriedenstellende Zeit, die ich mit Freude durchlebt habe«.

Auch Liebhold ist heute noch im Komitee tätig. »Wir haben das savoir vivre von den Franzosen übernommen«, beschreibt sie den Einfluss der Freunde aus der Partnergemeinde. Und Elisabeth Kühlewindt erinnert sich beispielsweise an ein Fest, bei dem die französischen Frauen einen Can-Can getanzt haben. Überhaupt legen die Franzosen gerne ein flotte Sohle aufs Parkett. »Wir haben immer ein tolles Programm gehabt«, blickt sie auf zahlreiche Besuche in Frankreich zurück. Ausflüge nach Calais, an den Strand, eine Dampflokfahrt, der Besuch einer alten Mühle - jedes Jahr hätten sich die Gastgeber etwas Neues einfallen lassen.

Generationswechsel angemahnt

Sie bedauert nur, dass es nicht zu einer Fortsetzung des Jugendaustausches gekommen sei. »Es müsste jetzt ein Generationswechsel stattfinden«, betont sie. Denn heute sei es wichtiger als je zuvor, über den Tellerrand hinauszublicken. Allerdings denkt sie, dass die Städtepartnerschaft in dieser Form ein Auslaufmodell ist. »Die Struktur muss sich ändern, eine Freundschaft muss an der Basis gelebt werden.«

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ualoka_weilrod_partnersc_4c © Sabine Neugebauer
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ualoka_weilrod_partnersc_4c_2 © Sabine Neugebauer

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