Zu früh gedreht

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Die Riedelbacher Windräder sind nach dem automatischen, vereisungsbedingten Stopp zu früh wieder angeschaltet worden. Das steht seit gestern fest.

Jetzt ist es klar: Die wegen Eisansatzes automatisch gestoppten Windräder im Windpark Riedelbach wurden zu früh wieder angeschaltet. Recherchen der TZ beim Wiesbadener Betreiber ABO Wind haben ergeben, dass die Anlagen ohne vorherige Sichtkontrolle wieder in Betrieb gegangen sind. Lena Fritsche, Pressesprecherin des Unternehmens, sagte gestern: „Die Windräder wurden von der Nordex-Fernüberwachung in Rostock fälschlicherweise ohne Sichtkontrolle wieder gestartet, dies hat uns Nordex nun bestätigt.“ Das Rostocker Unternehmen hat die Anlagen hergestellt und ist per Datenfernübertragung in ihre Überwachung eingebunden. Fritsche versichert, dass sich ein solcher Vorgang nicht wiederholen werde.

Vertreter des Bündnisses gegen den Bau von Windkraftanlagen im Naturpark Hochtaunus (N.o.W.) hatten zu Beginn des neuen Jahres im Bereich der Rennstraße massenweise Eisbrocken gefunden, zum großen Teil auch auf den Wegen, wo sie Spaziergänger gefährdet hätten. N.o.W. hatte daraufhin beim Regierungspräsidium Darmstadt Alarm geschlagen und die Vermutung angestellt, wonach die genehmigungsrelevanten Eisdetektoren, die für eine automatische Abschaltung bei der Vereisung der Rotoren sorgen sollen, möglicherweise außer Betrieb seien (TZ berichtete).

In den sozialen Netzwerken der Windkraftgegner war sogar davon die Rede, die Detektoren könnten aus Gründen der Ertragsmaximierung blockiert worden sein. Auch bei Hessen Forst – der Landesbetrieb betreibt selbst eines der Windräder – ist man in Sorge. Man nehme die Sache sehr ernst, sagte der stellvertretende Forstamtsleiter Thomas Götz der TZ. Die Gefahr bestehe nicht nur bei laufenden Anlagen, sondern auch wenn diese abgeschaltet seien und Eis von den Rotoren aus bis zu 200 Metern Höhe zu Boden stürzen: „Einige Anlagen stehen so nah an den Wegen, dass die Flügel über diese hinweg reichen“, sagte Götz.

ABO Wind weist den Verdacht jeglicher Fahrlässigkeit, auch den, nicht rechtzeitig gewarnt zu haben, zurück. Entlang der Wege im Nahbereich der Anlagen seien 14 Warnschilder aufgestellt worden, mit denen auf das Risiko von Eiswurf hingewiesen werde. Mehr könne man – außer der automatischen Abschaltung – nicht tun, sagte Fritsche, die die Schilder mit solchen verglich, auf denen in öffentlichen Bereichen vor Glättegefahr durch eingeschränkten Winterdienst gewarnt werde.

Definitiv sei es so und werde künftig sicher auch so bleiben, dass die Anlagen im Fall einer Abschaltung erst nach der Freigabe eines Parkbetreuers wieder angeschaltet werden dürfen. Ein solcher sei für den Windpark Riedelbach verpflichtet worden. Laut Fritsche gehört es zu seinen Aufgaben, „Sicht- und Hörkontrollen der Anlagen durchzuführen und der Betriebsführung zu berichten“. Auch habe er bei Bedarf Eiswarnschilder zu reparieren oder zu ersetzen. Ferner sei er für die Organisation eines Schneeräumdienstes zuständig, er pflege die Grünflächen und lese auch die Zählerstände ab.

„Die Sichtkontrollen bei Eiswurfgefahr macht der Parkbetreuer vom Boden aus. Wenn die Anlagen frei von Eis sind, gibt er sein OK an die Fernüberwachung, die die Anlagen dann wieder einschaltet“, sagte Fritsche. Bei ABO Wind geht man davon aus, dass die Sache nun erledigt ist. Besondere Auflagen des Regierungspräsidiums zum Thema Eiswurf seien im aktuellen Fall nicht gemacht worden.

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