Das Wasser, mit dem der Golfclub Taunus Weilrod im August die Grüns und Abschläge der 18 Spielbahnen beregnet, stammt ausschließlich aus diesem künstlich und nur zu diesem Zweck angelegten Teich, der momentan aber nur noch halb voll ist.
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Das Wasser, mit dem der Golfclub Taunus Weilrod im August die Grüns und Abschläge der 18 Spielbahnen beregnet, stammt ausschließlich aus diesem künstlich und nur zu diesem Zweck angelegten Teich, der momentan aber nur noch halb voll ist.

Facebook-Video

„Ausnahmen für Reiche“ trotz Wassernotstand? Bewässerung von Golfplatz sorgt für Aufregung

  • vonAlexander Schneider
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Unter einem Facebook-Video herrscht große Aufregung über die Bewässerung eines Golfplatzes - trotz Wassernotstand. Dürfen „die Reichen sich alles erlauben"? Nun reagiert der Golfclub.

  • In der Gemeinde Weilrod im Taunus wird der Wassernotstand ausgerufen.
  • Kurz darauf taucht ein Facebook-Video auf, wie der Golfplatz in Altweilnau ausgiebig bewässert wird.
  • Die Aufregung im Netz ist groß: „Ausnahme für Reiche"?

Weilrod - Weilrod und die Weilroder ächzen unter dem Wassernotstand, der am Wochenende von Weilrods Bürgermeister Götz Esser (FWG) verhängt wurde. Wasser auf die Mühlen vieler Facebook-Nutzer ist es da, dass auf dem Altweilnauer Golfplatz offenbar genügend Wasser vorhanden ist, "um die Anlage, Wege, Biergarnituren, Bäume und sogar Besucher zu bewässern", wie das Video einer erbosten Friedwald-Besucherin glauben machen will.

Im Netz kocht die Wut auf den Golfclub Weilrod

Von „Ausnahmen für Reiche, die sich alles erlauben können“ ist die Rede. Das Netz regt sich auf. Ein Facebook-Nutzer schreibt, die stellvertretende Clubchefin Irmina Bültmann freue sich über den „gut gefüllten Teich“. Er muss dann aber, nachdem ein Facebook-Kollege Zweifel an der Aktualität angemeldet hat, zurückrudern und einräumen, dass der Beitrag vom 2019 ist, es aber „um die Information gehe und darum, dass nichts davon zu halten sei, einen Verein an den Pranger zu stellen und handfeste Beweise für die angebliche Schandtat schuldig zu bleiben!“.

Andere Nutzer finden es „zum K...“, fordern Strafen, die nicht nur angedroht, sondern auch verhängt werden sollten. Viele Posts werden mit „wütenden“ Emojis garniert. Nur wenige Einträge versuchen, die Balance zu halten, mahnen dazu, erst einmal zu klären, wie es wirklich ist.

Der Clubvorstand sah sich noch am Mittwoch veranlasst, eine Erklärung abzugeben, im Netz und gegenüber dieser Zeitung. „Bevor man solche Berichte über den Wasserverbrauch des Golfclubs ins Netz stellt, sollte man sich doch bitte erst informieren“, schreibt Clubsprecher Holger Zipp. Der Weilroder Club verwende ausschließlich Wasser aus dem Teich an der Bahn 1, der vor Jahren eigens zu diesem Zweck künstlich angelegt worden sei und gefüllt etwa 35 000 Kubikmeter Wasser fasse. Insofern bedeute es auch keine „Sonderstellung, die einen Eingriff in Flora und Fauna bedeute“, wie das eine Facebook-Nutzerin dargestellt hat.

Auch an die Fische ist beim Weilroder Golfclub gedacht

Club-Präsident Thorsten Göbel: „Sollte sich noch jemand an der Fontäne stören - die dient dazu, Sauerstoff in den Teich zu befördern, damit die Fische überleben können.“ Göbel räumt auch im Netz plakatierte Vorwürfe aus, der Club entziehe durch seine Brunnen Grundwasser und trage so zum Wassernotstand bei: „Ja, wir haben in Abstimmung mit allen involvierten Behörden Brunnen gebohrt, entnehmen diesen derzeit aus gegebenem Anlass aber kein Wasser, es käme auch nicht viel raus.“

„Der Teich ist momentan nur noch zur Hälfte gefüllt, wenn die Dürre anhält, ist er in 14 Tagen leer“, befürchtet Zipp. Die Grüns und Abschläge der 18 Spielbahnen, und nur die würden zur Erhaltung der Bespielbarkeit gewässert, seien über ein unterirdisches Leitungsnetz mit dem Teich verbunden und könnten so mit Wasser versorgt werden. „Wenn der Teich trockenfallen sollte, bedeutet das für uns, dass wir auch diese Flächen nicht mehr wässern können“, sagt Zipp, der alle Zweifler im Namen des Vorstandes auf den Platz einlädt, damit sie sich mit den tatsächlichen Gegebenheiten vertraut machen können. Im Übrigen weist Zipp den im Netz mehr oder weniger verklausuliert erhobenen Vorwurf, hier nehme sich ein „Club der Reichen Sonderrechte heraus, während Normalbürger ihre Rasen und Blumenbeete verdorren lassen müssen“, zurück: „Im Gegenteil, wir im Golfclub tun Gutes, was auch von der Bevölkerung Weilrods als positiv zur Kenntnis genommen wird, gerade in der Jugendarbeit und der Feuerwehr.“

Aufregung im Netz: Golfclub Weilrod nutzt kein Trinkwasser

Bürgermeister Götz Esser (FWG) hat sich nach dem im Internet entfachten Sturm der Entrüstung spontan mit dem Vorstand des Golfclubs auf der Anlage getroffen und die Dinge erörtert. Dem Club sei nichts vorzuwerfen, zuallererst kein Verstoß gegen die Gefahrenabwehrverordnung, sagte Esser nach dem Treffen. Das für die Bewässerung der Grüns und der Abschläge verwendete Wasser werde ausschließlich dem Teich entnommen, der praktisch nichts anderes sei, als eine nach oben offene Zisterne. Bei dem Wasser handele es sich um Brauch- beziehungsweise Grauwasser, das keinerlei Verbindung zum Trinkwassernetz habe, die Trinkwasserversorgung innerhalb der Gemeinde also auch nicht gefährde. Der Club stehe zurzeit im täglichen Informationsaustausch mit den Wassermeistern. Entnahmen aus den Brunnen würden, wenn sie denn vorgenommen würden, im Einvernehmen mit den Wassermeistern entnommen. Seiner Kenntnis nach verzichte der Golfclub derzeit aber wegen der Situation und aus Rücksicht auf den Grundwasserspiegel auf Wasser aus den Brunnen. Von Alexander Schneider

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