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In Corona-Zeiten das Cello-Spiel wiederentdeckt

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ualoka_geschwister_kh_31_4c © Sabine Neugebauer

Weilrod-Rod an der Weil. In Corona-Zeiten hat Regina Reisbacher aus Hünstetten nach 20 Jahren das Cello-Spiel wiederentdeckt. Zusammen mit ihrem Apotheker-Kollegen Paul-Achim Uhrig aus Rod an der Weil machte sie sich dran, viele klassische Stücke einzuüben.

Inspiration im Lockdown

Mit diesen erfreuten sie in Zeiten des Lockdowns über die sozialen Medien Freunde und Verwandte mit ihrer Musik. »Wir genießen es, vor echten Menschen spielen zu können und so viele Menschen mit unserer Musik berühren zu können«, sagte Reisbacher nach dem Konzert in der evangelischen Kirche von Rod an der Weil am Sonntagabend.

Rund 50 Zuhörer waren in die Kirche gekommen, um dem ersten Geschwisterkonzert von Martin Reisbacher (Violine) und Regina Reisbacher (Cello) sowie Paul-Achim Uhrig (Klavier) zu lauschen. Martin Reisbacher war extra einen Tag zuvor aus Aachen angereist, um noch an zwei Proben teilnehmen zu können. Da einige der für diesen Abend ausgewählten Stücke von den Komponisten für eine andere Instrumentalbesetzung vorgesehen waren, hatte Regina Reisbacher diese Stücke für die Instrumente des Trios neu arrangiert. Wie beispielsweise das »Lied ohne Worte«, op 38 Nr 6 von Felix Mendelssohn-Bartholdy »Duetto«. Uhrig erläuterte, dass dies eigentlich ein reines Klavierstück sei, bei dem rechte und linke Hand ein Duett spielten. Aber an diesem Abend übernahm Martin Reisbacher mit der Violine die Stimme der rechten Hand, Regina Reisbacher mit dem Cello die linke Hand. »Und das Klavier lässt etwas weg«, schmunzelte Uhrig, so habe das Stück eine Weiterentwicklung erfahren, sei eigentlich etwas ganz Neues geworden.

Das Publikum genoss dieses »richtige« Duett mit Klavierbegleitung, hörte Rede und Antwort der beiden Streichinstrumente sowie ihren Zusammenklang. Pfarrer Peter Lehwalder hatte die Zuhörer in der Kirche begrüßt: »Musik trägt zu Beschwingtheit und Unbeschwertheit bei, gibt Hoffnung.« Die von den Komponisten gewollten Dissonanzen in manchen Stücken lösten sich in Harmonien auf, was man sich auch für die Wirklichkeit wünsche.

Dissonanzen werden zu Harmonien

So beim Klaviertrio Nr. 2 op. 66 C-moll, Satz II Andante espressivo von Uhrigs Lieblingskomponisten Mendelssohn-Bartholdy. »Das ist ein hessisches Stück, er hat es in Frankfurt komponiert«, erzählte Uhrig. Man könne sich dabei eine Kahnfahrt auf dem Main oder einen Spaziergang durch die Hügel bei Bad Soden vorstellen. »Die Streicher greifen die Melodie auf, man hört den Wellenschlag des Wassers oder das Wogen der Ährenfelder«, so der Pianist. Aber es ziehen auch musikalische Wolken auf, eine leichte Irritation, die aber zum Schluss wieder aufgelöst wird, zurück ins Idyll führt. Uhrigs Credo, kein Konzert ohne Bach, wurde auch an diesem Abend verwirklicht. Die sehr bekannte Kantate, ein »Evergereen«, hatten Regina Reisbacher und Uhrig an den Anfang des Konzertes gesetzt. Aber auch Stücke von Edward Elgar und Dmitri Schostakowitsch hatten sie im Programm.

Etwas aus der Reihe fiel die Komposition des Japaners Joe Hisaishi, ein Stück, das Regina Reisbacher ausgewählt hatte: »Carrying you« aus dem Animationsfilm »Ein Schloss im Himmel«. Hier werde das Anderssein vertont, die Akkorde als musikalische Stilmittel verwendet, erläuterte Uhrig. »Manche Akkorde sind nicht von dieser Welt«, sagte er, »die Töne fallen wie Sternschnuppen vom Himmel.« Armin Hasselbächer vom Kirchenvorstand lud die Musiker ein, hier öfter Konzerte zu geben: »Die Kirche steht euch immer offen.«

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ualoka_axchim_kh_310522_4c © Sabine Neugebauer

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