+
Die beiden Fluchttreppentürme an der Fassade der Erbismühle und die zahlreichen Feuerschutztüren im Inneren weisen auf die Brandsicherheit des Gebäudes hin.

Rundgang

Erbismühle: Neuer Besitzer erneuert Brandschutztechnik für 1,6 Millionen Euro

  • schließen

Brandschutztechnisch ist die Gemeinschaftsunterkunft Erbismühle auf dem modernsten Stand der Technik. Das war nicht immer so, wurde jetzt aber mit einer enormen Investition erreicht – ein Rundgang hinter den Kulissen.

1,6 Millionen Euro hat der Besitzer der Erbismühle, der Amerikaner Michael Ernestus, aufgewendet, um das Haus, in dem 160 Flüchtlinge leben, den Brandschutzbestimmungen anzupassen. Ernestus hat das Hotel 2018 gekauft und zunächst mit Umbaukosten von 300 000 Euro gerechnet, erzählte er jetzt bei einer Begehung des Gebäudes, zu der die Kreisbeigeordnete Katrin Hechler (SPD) auch Weilrods Bürgermeister Götz Esser (FWG) sowie Vertreter des Ordnungsamtes der Gemeinde eingeladen hatte.

Von außen sieht man nur die beiden Metallfluchttreppen. Der Brandschutz hatte einen „zweiten Rettungsweg“ vorgeschrieben. Den größten Teil der Investitionen sieht man kaum. Alle 160 Räume des Gebäudes mussten an die neue Brandmeldeanlage, doppelt so teuer wie geplant, angeschlossen werden. Es wurde für 70 000 Euro eine Funkmeldeanlage installiert, die es der Feuerwehr im Notfall erlaubt, digital zu kommunizieren.

Nach dem Umbau gibt es in dem Gebäude keine Aufzüge mehr. „Die Schächte wären im Brandfall zu Kaminen geworden, wir haben sie mit Spezialgranulat verfüllt“, erläutert Ernestus eine erst grob verputzte Fläche in der Wand; hier war früher die Aufzugstür.

Viele mögliche Fallen

Zur Brandfalle hätte sich auch die alte Belüftungsanlage entwickeln können. Alle Zimmer waren durch sie miteinander verbunden; Rauch und giftige Gase hätten sich im ganzen Haus verteilen können. Alle Zimmer, insbesondere aber auch die Gemeinschaftsküchen auf den Etagen, haben Rauchmelder, die erst dann Alarm auslösen, wenn zwei Melder binnen drei Sekunden anspringen. Meldet sich nur einer, gibt es in der Hausmeisterzentrale zwar auch Alarm, aber nur intern. Der Hausmeister, der künftig in der Erbismühle wohnen wird, kann dann genau sehen, welcher Rauchmelder ausgelöst wurde.

Das Haus ist inzwischen mit 35 Kameras überwacht. Die Videoanlage entspreche den neusten Datenschutzbestimmungen und diene vor allem auch der Abschreckung: „Seit wir sie haben und seit das gewusst wird, wird kein Müll mehr aus dem Fenster geworfen, und auch sonst ist es viel ruhiger im Haus“, sagt Ernestus.

Der in New York lebende Investor sagt, dass er Geschäftsmann und die Erbismühle eine Investition sei. Er sagt aber auch, dass er das Zusammenleben von Menschen verschiedenster Herkünfte in New York kennen und lieben gelernt habe. Die Idee, eine multikulturelle Flüchtlingsunterkunft zu betreiben, sei daher für ihn ein reizvoller Gedanke. Was 2028 wird, wenn der Beherbergungsvertrag mit dem Kreis ausläuft , weiß er noch nicht: „Denkbar ist vieles: Seniorenheim, Wohnungen, vielleicht auch eine Vertragsverlängerung – nur kein Hotel, dafür müsste ich neu bauen.“

Eine Vorzeige-Einrichtung

Hechler geht nicht davon aus, dass es nach 2028 keinen Bedarf an Gemeinschaftsunterkünften mehr gibt. Dazu sei der Weltfrieden zu brüchig. Eine Vertragsverlängerung sei also durchaus eine Option. Hechler zeigte sich im Übrigen von dem hohen Sicherheitsstandard beeindruckt. Auch sei die Erbismühle, in der nur Familien untergebracht sind, im Kreis eine Vorzeigeeinrichtung. Unliebsame Vorfälle gebe es so gut wie keine mehr, was auch daran liege, dass die Menschen in Weilrod sehr gut integriert sind. Etwa die Hälfte der 160 Bewohner ist anerkannt und sucht eine Wohnung. Circa zehn Familien, so Bürgermeister Esser, ist dies in Weilrod bereits gelungen. „Wer sich benimmt, wird bei uns nach der Anerkennung nicht rausgeworfen. Es gibt genügend Kapazität, maximal können hier 320 Menschen wohnen. Hauptsache, es ist ruhig im Haus und die Menschen fühlen sich hier wohl und gut aufgehoben“, gibt sich Michael Ernestus ganz gelassen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare