Explosionsgefahr in der Weil

Kind entdeckt Hohlladung in Flussbett – Kampfmittelräumdienst rückt an

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Ein spielendes Kind hat in der ausgetrockneten Weil einen möglicherweise brisanten Fund gemacht und zwischen Flusssteinen eine Hohlladung aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt. Der Kampfmittelräumdienst musste kommen.

Die Weil ist über weite Strecken als Folge der langanhaltenden Hitzeperiode trockengefallen. Das staubige Bachbett dient seitdem vor allem Kindern als interessanter Erkundungsraum. Der eine oder andere Fisch, der in einem kleinen Gumpen überlebt hatte, konnte so zwar gerettet werden. Verweste Fischkadaver sind aber weniger erfreulich. Und auch was sich dort bisweilen sonst noch findet, ist nicht immer angenehm, sondern kann sogar gefährlich sein. Diesen Montag wurde ein Sprengkörper entdeckt.

Es war der Klassiker: Ein Kind hatte den Gegenstand beim Stöbern in der Weil zwischen Flusssteinen gefunden und präsentierte ihn stolz seiner erwachsenen Begleitung, die aber rasch und richtig entschieden und sich sofort ans Ordnungsamt der Gemeinde Weilrod gewendet hat. Dort zog man ebenfalls die richtigen Schlüsse und rief unverzüglich den Kampfmittelräumdienst.

Zunächst hatte es so ausgesehen, als sei im Bachbett der Weil nahe dem Gertrudenhammer eine Stielhandgranate gefunden worden. Die aus Darmstadt angereisten Experten des Kampfmittelräumdienstes des Landes Hessen begutachteten das Objekt und kamen danach allerdings zu einer anderen aber nicht minder brisanten Einschätzung: Es war wohl keine Stielhandgranate, sondern eine Art Hohlladung einer Granate, die möglicherweise von der Weil in den letzten Jahrzehnten angeschwemmt worden sein dürfte und nicht ungefährlich war. Wie lange der Sprengsatz dort gelegen hat, ist völlig unklar, auch ob sich darin noch zündfähiges Material befunden hat, konnte zunächst nicht geklärt werden. Das Objekt wurde von den Experten sichergestellt und zur fachgerechten Entsorgung mitgenommen.

Bürgermeister Götz Esser (FWG) zeigte sich, von dieser Zeitung auf den Fund abgesprochen, bestürzt und erleichtert zugleich: „Zum Glück ist nichts passiert. Man weiß nie, wie gefährlich diese Gegenstände nach Jahrzehnten noch sind.“ In diesem Zusammenhang weist Esser darauf hin, dass solche Funde auf keinem Fall berührt oder gar bewegt werden sollen. Eltern sollten dies ihren Kindern, die natürlich solche Spielplätze wie einen trockengefallenen Bach inspizieren wollen und auch sollen, unmissverständlich klar machen. „Schon beim leisesten Verdacht, dass mit einem Fund etwas nicht stimmen könnte, sollten die Behörden, der Kampfmittelräumdienst beim Regierungspräsidium in Darmstadt, die Polizei oder das Ordnungsamt informiert werden. Lieber einmal zu viel angerufen als einmal zu wenig“, sagte Esser.

Auskunft beim Kampfmittelräumdienst erteilt Dieter Schwetzler, Telefon (0 61 51) 12 65 01 oder E-Mail kmrd@rpda.hessen.de. Weitere Informationen zum Thema hält das Regierungspräsidium im Internet unter bereit.

Bei dem in der Weil gefundenen, einer Stabtaschenlampe ähnelnden Gegenstand dürfte es sich nach Experteneinschätzung um eine Hohlladung gehandelt haben, eine spezielle Anordnung brisanten Sprengstoffs um eine kegel- oder halbkugelförmige Metalleinlage, die sich besonders zum Durchschlagen von Panzerungen eignet. Das Prinzip war bereits im Ersten Weltkrieg bekannt, wurde damals aber noch nicht eingesetzt. Erst im Zweiten Weltkrieg dienten Hohlladungen als panzerbrechende Waffen in Panzermunition und Panzerabwehrwaffen. Auch im zivilen Bereich kommt Hohlladungssprengstoff zum Einsatz, etwa als Schneidladung beim Abbruch von Bauwerken.

Funde von Munition und Sprengladungen sind nicht ungewöhnlich. Denn gegen Ende des Zweiten Weltkriegs entledigten sich viele Soldaten auf der Flucht vor den heranrückenen Amerikanern ihrer Waffen. Dabei wurden die Gegenstände, die auch nach Jahrzehnten noch hochexplosiv sein können, oft in Bäche und Flüsse geworfen. Ob die jetzt gefundene Hohlladung tatsächlich auf diese Weise in die Weil geriet, steht freilich nicht fest.

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