Gefahr für das Wild

Kunststoffzaun erhitzt die Gemüter

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Die Flächen für den Windpark Kuhbett sind mit Kunststoffzaun vom Wald abgetrennt. Während der Rotwildring Strangulationsopfer befürchtet, halten RP und Forst den Zaun für völlig unproblematisch. Ein Expertenstreit ist im Gange.

Roland Fetz, Vorsitzender der Rotwildjägervereinigung Taunus, stockte der Atem, als er das sah: Rund um die für den Bau des Windparks am Kuhbett gerodeten Flächen wurden kilometerlange, ein Meter hohe Kunststoffzäune gezogen. Das Material leuchtet in Orange, wird seiner Aufgabe als Zaun aber kaum gerecht, da es an vielen Stellen niedergetreten, teils auch zerrissen ist. Bei Fetz klingelten die Alarmglocken. Schon oft hat er qualvoll verendete Hirsche aus Zäunen herausgeschnitten, in denen sie sich mit ihren Geweihen verheddert und danach in Panik selbst stranguliert hatten. „Die Maschen des Zauns sind perfekt dafür geeignet, dass sich die Tiere mit ihren Geweihenden darin verfangen“, sagt Fetz, der die Zäune zufällig bei einem Waldspaziergang entdeckt hatte. Er ist Vorsitzender der Rotwildvereinigung Taunus. Auch Manfred Möbs, Fetz’ Mitpächter im Revier Emmershausen und Leiter des Rotwildrings Hegegemeinschaft Mitteltaunus, besah sich den Zaun kopfschüttelnd, war entsetzt und sprach von „Ignoranz der Behörden“.

Roland Fetz war im Forstamt Weilmünster schriftlich vorstellig geworden, hat das Amt darauf aufmerksam gemacht, dass bei den Hegeschauen oft schreckliche Bilder von qualvoll verendetem Wild gezeigt werden. Er bat das Amt im Interesse der Tiere um Abhilfe.

So einfach ist das aber nicht. Ulrich-Heinrich Kreuzer, stellvertretender Forstamtsleiter, verweist auf die Anordnung des Regierungspräsidiums (RP). Der Zaun sei aufgrund seiner Art und Höhe aus forstlicher Sicht „keine Gefahr für die Tiere“.

Auch von Gottfried Hagel, Bereichsleiter Liegenschaften beim Forstamt, bekam Fetz Post. Auch er schreibt und bestätigt es dieser Zeitung auch in einem Telefonat, dass das RP den Zaun so angeordnet habe. Hagel kann Fetz’ Sorge zwar verstehen, sieht aufgrund von Ausführung und Farbgebung des Zauns aber keine besondere Gefahr von Unfällen mit Wild. Bei früheren Windparkbaustellen sei ähnlich verfahren worden, Strangulationsopfer seien ihm keine bekannt. „Der Zaun ist für alle Wildarten gut wahrnehmbar und kann leicht übersprungen werden“, so Hagel. Die „ökologische Baubegleitung“ sei während der Arbeiten täglich auf der Baustelle und kontrolliere dabei den Zaun. Hagel verspricht dessen sofortige Beseitigung nach Ende der Bauarbeiten, auch das sei eine Auflage des RP. Der Zaun habe den Sinn, „dass von den Firmen kein weiterer Wald über den genehmigten Umfang hinaus geschädigt wird“. Der Zaun halte eine Planierraupe zwar nicht auf, sei aber eine gut sichtbare optische Grenze, „Flatterband reicht da nicht“, so Hagel.

Auch Wolfgang Rusert, Kreis Limburg-Weilburg, war von Fetz auf den Zaun hingewiesen und um Einschreiten gebeten worden. Er sieht dafür aber keine Möglichkeit: „Wenn der RP zuständig ist, können wir nichts machen.“

Mit der Oberen Forstbehörde (OFB) steht Fetz inzwischen auch in regem Mailverkehr. Die von Fetz geforderten, weit aufwendigeren Absperrungen seien trotz der hohen Baukosten für ein Windrad von 2,5 bis 3,5 Millionen Euro doppelt so teuer wie der Kunststoffzaun, schreibt Christian Schneider von der OFB an Fetz. Die Rotwildjägervereinigung könne natürlich gerne versuchen, den Vorhabensträger Dunoair dazu zu bewegen, dass er den Kunststoffzaun gegen einen Lattenzaun ersetzt, oder aber ihm anzubieten, dass die Rotwildjäger-vereinigung Taunus die Kosten übernimmt. Hoheitlich sei beides kein Problem, eine E-Mail reiche völlig aus. Deutlich verbindlicher verspricht Schneider dann aber, für die Zukunft anzuregen, „dass die Vorhabenträger eine Variante der Barriere wählen, die mit der örtli-chen Jägerschaft abgestimmt ist.“

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