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Christian Zander legt letzte Hand an und entfernt mit dem Besen ins Becken gefallenes Laub. Da die von ihm sanierte Wassertretanlage von Laubbäumen umgeben ist, werde man mit ein paar Blättern im Wasser wohl leben müssen, meint er.

Wassertreten im Taunus

Weilrod: Die Kneipp-Anlage ist betriebsbereit

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Christian Zander vom Weilroder Bauhof hat viel Zeit und Arbeit ins Projekt gesteckt, um die 1976 gebauten Kneipp-Becken für Bürger in Ordnung zu bringen.

Weilrod - Die Wassertretanlage in Gemünden erstrahlt wieder in neuem Glanz, als wäre sie gerade eingeweiht worden. Christian Zander, Mitarbeiter des Gemeindebauhofs und gelernter Maler- und Lackierer, hatte sich des in die Jahre gekommenen Gesundbrunnens angenommen und ihn von Grund auf saniert. Weit über eine Woche war er damit beschäftigt. Und nur das mit den Eisheiligen gekommene frostige Wetter der letzten Tage konnte ihn davon abhalten, sein Werk gleich selbst auszuprobieren.

Fast liebevoll fischte er beim Redaktionsbesuch das vom Wind ins Becken getriebene Laub aus dem Wasser, "damit es fürs Foto auch schön adrett aussieht". Dass Laub ins unter Bäumen gelegene Becken flattert, lasse sich nicht vermeiden, damit müsse man wohl leben, meinte Zander.

Zuerst hatte er das Becken mit dem Hochdruckreiniger gesäubert und damit die abblätternde Farbe entfernt, dann wurden die Wände und der Boden dreimal gespachtelt, immer wieder geschliffen und schließlich dreimal mit leuchtend blauer "Schwimmbadfarbe" gestrichen. Auch das ins Becken führende Geländer wurde geschrubbt und gereinigt, es sieht jetzt wieder aus "wie neu".

Wasser, etwa 40 Zentimeter tief, ist auch schon drin. Jetzt fehlen nur noch die Gäste, die mutig durch die eiskalten Fluten stapfen. Neben dem Bassin befindet sich ein halbhohes, gemauertes Becken mit dem Wasseranschluss. Das Becken erlaubt Unterarmgüsse. Sein Überlauf speist das große Becken.

Arm- und Wassertretbecken können überall da errichtet werden, wo mindestens zwei Liter kaltes Wasser pro Minute sprudeln, wärmer als 17 Grad sollte es nicht sein. Das ist in Gemünden zweifellos der Fall. Es muss sich dabei auch nicht um Trinkwasser handeln, da nur mit den Füßen oder den Armen eingetaucht wird. Es empfiehlt sich jedoch nicht, Fuß- und Armbad direkt hintereinander anzuwenden, das wäre aus therapeutischer Sicht sogar kontraproduktiv. Sebastian Kneipp lässt grüßen, Gesundheit, nicht nur für die Füße, hat also wieder ihren Platz in Gemünden.

In den 1970er Jahren galt Gemünden noch als begehrter Urlaubsort für Erholungssuchende aus dem Ruhrgebiet. Viele Pensionen hatten sich mit "Fremdenzimmern" auf die Gäste aus dem "Ruhrpott" eingestellt. Es gab noch diverse Kneipen, aber auch, und damit erlangte Gemünden fast in den Ruf, Kurort zu sein, ein Kneipp-Becken, hoch überm Dorf, am Ende der Feldstraße.

Gemündener Bürger hatten die Anlage 1976 in Kooperation mit dem damals aktiven, inzwischen aber längst aufgelösten Heimat- und Verkehrsverein erbaut. Es war damals die erste Wassertretanlage der noch jungen Großgemeinde Weilrod, erinnert sich Lokalhistoriker Bruno Rühl.

Mit dem aufkommenden Pauschaltourismus blieben die Gäste dann aber allmählich aus und die Wassertretanlage versank zwar nicht ganz im Dornröschenschlaf, erfreute sich aber nur noch relativ geringer Beliebtheit. Ab und zu konnte man dort Wandergruppen rasten sehen, deren Teilnehmer sich aber auch nicht gerade in Scharen in die Fluten trauten. Mit der Zeit sah man der von einem halbhohen Lattenzaun umgebenen Anlage die nachlassende Beliebtheit auch an, obwohl sie nach Kräften von Martin Rühl und seiner Familie ehrenamtlich gepflegt wurde. Wie Bauhofleiter Dieter Veidt beim Pressetermin sagte, steht Rühl auch nach der Sanierung zur Verfügung, praktisch als "Fußbademeister". 

Alexander Schneider

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