Marc Pellekoorne möchte in seiner ökologischen Jagdschule maximales Umweltbewusstsein vermitteln.
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Marc Pellekoorne möchte in seiner ökologischen Jagdschule maximales Umweltbewusstsein vermitteln.

Usinger Land

Waldschutz mit der Büchse

  • Nina Fachinger
    VonNina Fachinger
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Marc Pellekoorne hat in Weilrod eine "ökologische Jagdschule" eröffnet. Kontrolle des Wildbestandes ist Teil der Waldpflege.

Usinger Land -Es ist vor allem die Stille im Wald, die auf Marc Pellekoorne immer wieder eine unwiderstehliche Faszination ausübt. Der 42-Jährige ist gerne unter dem dichten Blätterdach unterwegs, hat als Ausdruck seiner Zuneigung zu diesem Lebensraum sogar einige Semester Forstwirtschaft studiert.

Als langjähriger Vorsitzender der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald kennt er sich aus: "Hier kann man eine Douglasie sehen, an der ein Hirsch offenbar sein Geweih gefegt hat", erklärt er und deutet auf einen kleinen Baum, der an der Spitze etwas ramponiert aussieht. Er pflückt einige Nadeln ab und zerreibt sie zwischen den Fingern. Ein leichter Zitronenduft steigt auf. "Der kommt von der Douglasie. Diesen Duft finden Hirsche natürlich auch ganz toll, weswegen das Geweih sehr gerne gerade an diesen Jungbäumen gefegt wird", erklärt er.

Doch das "Einparfümieren" des Geweihs hat auch einen Preis: Denn wenn man die zarten Jungbäume gerade in jungen Jahren nicht schützt, werden sie binnen kürzester Zeit zerstört. Und das gilt nicht nur für die Douglasie, sondern auch für viele Eichen, Buchen und sogar Fichten, denn die schmecken Reh- und Rotwild besonders gut.

Zweites berufliches Standbein

Genau das ist einer der Gründe, warum er seine Leidenschaft zu einem zweiten, beruflichen Standbein gemacht und eine "ökologische Jagdschule" gegründet hat, erklärt er. Er will den Wald als Lebensraum erhalten, "zukunftsfähig" machen, wie er sagt. Um den Klimawandel aufzuhalten, um ein Heim für die Tierarten zu erhalten, die sich hier im Hochtaunus aufhalten. Dies macht er auf seine Weise: Pellekoorne ist bereits seit 1996 Jäger und Falkner. Zudem noch Waldpädagoge und hat viele Jahre lang einen Tierpark betreut. Viele verantwortungsvolle Aufgaben, von denen er von zumindest einer weiß, dass sie nicht immer bei jedem gut ankommt. Weil sie auch mit dem Tod einhergeht.

Und doch unterscheidet er sich von vielen Jagdgenossen. Denn Pellekoorne geht der "ökologischen Jagd" nach und hat im letzten Jahr in Weilrod seine Jagdschule eröffnet, in der er deutlich strengere Jagdregeln weitergeben möchte. "Wir brauchen künftig sehr viel Verantwortung in der Jagd. Denn bei Jägern gibt es zwei Lager: Es gibt die konservativen Jäger, die in ihrem Revier maximal viel Wild haben möchten, das Wild anfüttern müssen, damit es im Winter nicht verhungert und sich gut vermehren kann. Und die dann auch viel einschießen. Und es gibt die ökologischen Jäger, die die Jagd im Revier genauestens auf das entsprechende Habitat ausrichten und dies an die Bedürfnisse der Pflanzen und sogar auch des Wildes in dem entsprechenden Revier anpassen." Pellekoorne versteht sich aus diesem Grund auch als Naturschützer, als jemand, der sein Revier hegt und pflegt, damit auf den Flächen, die wegen der letzten trockenen Sommer mittlerweile kahl sind, bald wieder neue Bäume wachsen können.

Wissen, was auf dem Teller liegt

Pellekoorne macht übrigens auch keinen Hehl daraus, dass er das Fleisch isst. Auch von den Tieren, die er selbst geschossen hat. "Wenn ich schon Fleisch esse, dann am liebsten von einem Tier, das völlig ohne menschlichen Zwang aufwachsen, frei sein, sich vermehren und artgerecht leben durfte, bis es dann plötzlich und unerwartet stirbt. Das finde ich deutlich ehrenhafter und besser als Fleisch aus einer Massentierhaltung", sagt er. Denn jeder Fleischesser müsse sich bewusst machen, dass ein Tier für das Steak oder die Wurst auf dem Teller stirbt.

Auf die Frage, warum es denn überhaupt heutzutage Jäger braucht, hat er eine einfache Antwort: Selbstverständlich könnten sich die Wildbestände auch bei uns natürlich einregulieren. Irgendwann würden dann Krankheiten auftreten, die beispielsweise viele Rehe und Wildschweine dezimieren. "In Deutschland aber wird mehr oder minder jeder Quadratmeter Fläche genutzt", erklärt er. Dazu komme, dass durch den Borkenkäfer viel Waldfläche zerstört worden sei. "Schon alleine, um das Klima zu schützen, müssen wir anfangen, den entstehenden Wald zu pflegen und vor Zerstörung zu schützen", so Pellekoorne. Und dies geht seiner Meinung nach nur dann, wenn auch der Wildbestand kontrolliert würde, denn der sei es vornehmlich, der den Jungbäumen immensen Schaden zufügen.

"So ist ein Waldschutz möglich, ohne auf irgendwelche Plastiknetze oder künstlichen Baumschutze zurückzugreifen, die anschließend im Wald herumliegen und in denen sich Tiere verfangen können", so der Jäger. Hier lege er selbst viel Wert auf eine verantwortungsvolle Bejagung, die sich an dem Wild und seinen Bedürfnissen orientiere.

"Wir halten beispielsweise strenge Ruhezeiten für das Wild ein, achten in der Setzzeit darauf, dass die Tiere nicht gestört werden. Und legen Wert darauf, dass die gesetzlich vorgeschriebenen Jagdquoten schnell erfüllt sind, damit so früh, wie es geht, wieder Ruhe ins Revier kommt." Von Inka Friedrich

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