Das Hochwasser von Neuweilnau aus gesehen: Vor der Erbismühle hat sich ein regelrechter See gebildet, am Hang gegenüber ist Altweilnau zu sehen.
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Das Hochwasser von Neuweilnau aus gesehen: Vor der Erbismühle hat sich ein regelrechter See gebildet, am Hang gegenüber ist Altweilnau zu sehen.

Usinger Land

Überschwemmungen im Usinger Land: Wasser läuft in viele Keller und Häuser

Hochwasser im Usinger Land: Weil, Erlenbach und Bizzenbach treten nach Starkregen und Schneeschmelze über die Ufer. In Weilrod dauern die Einsätze bis in die Nacht.

Usinger Land – Starker Dauerregen verbunden mit Schneeschmelze haben am Freitag (29.01.2021) zu überfluteten Kellern, Häusern und Scheunen und vielen Einsätzen der Freiwilligen Feuerwehren geführt. Vor allem Weilrod war betroffen, 12 der 13 Ortsteilwehren waren bis in die Nacht im Einsatz. Ebenfalls waren die Mitarbeiter der Bauhöfe im Einsatz, die verstopfte Abflüsse und Bachläufe reinigten. Aber auch in Schmitten, Grävenwiesbach und Wehrheim gab es Überschwemmungen. Lediglich in Wehrheim musste die Feuerwehr nicht ausrücken. Doch auch hier wurde das ganze Erlenbachtal über die Lochmühle hinaus überflutet.

Hochwasser in Weilrod: Feuerwehr bis in die Nacht im Einsatz

In der Erbismühle in Altweilnau und in einem Wohnhaus in der Unterdorfstraße im Ortsteil Winden dauerten die Feuerwehreinsätze bis in die Nacht auf Samstag (30.01.2021) hinein. Das teilte Kreisbrandmeister Norbert Fischer mit. "Die Weil läuft unterhalb der Erbismühle und wird mit Sandsäcken abgesichert. In dem Wohnhaus läuft Wasser in den Keller, das abgepumpt wird und das Haus wird abgesichert", sagt Fischer.

In Weilrod trat die Weil an sehr vielen Stellen über die Ufer, Wasser mischte sich mit Geröll. "Eigentlich überall drohte Wasser in Häuser einzudringen", so Stefan Jochetz, Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Emmershausen. Alleine in Rod an der Weil und Winden waren die Einsatzkräfte an 15 Orten gefragt. Insgesamt waren 80 Feuerwehrkameraden im Einsatz.

Die Weil musste plötzlich das Wasser aus den Seitentälern Riedelbach und Schnepfenbach aufnehmen, aber auch vom Großen Feldberg kam viel zu Wasser geschmolzener und vom Regen abgetragener Schnee ins Tal geflossen.

Angst um das eigene Haus in Weilrod: Feuerwehren richten Sand-Stationen ein

Weil sehr viele Keller vollliefen und viele Bürger Angst bekamen, dass ihr Haus vollläuft, richteten die Weilroder Ortsteilwehren kurzerhand einen Service ein: Im Gerätehaus Emmershausen, vor dem Rathaus in Rod an der Weil und in Niederlauken vor der Firma RMD Baustoffe wurden Sand-Füllstationen eröffnet und Sandsäcke für Bürger deponiert. Wer Sandsäcke benötigt, soll sich bitte unter der Rufnummer (0 60 83) 3 29 96 25 in Emmershausen melden.

Auch in Schmitten musste vielerorts Wasser aus Kellern geschöpft werden. Die Situation sah vor allem in Brombach, Hunoldstal und Schmitten dramatisch aus, war aber nach Auskunft des Gemeindebrandinspektors relativ entspannt. "Mit drei Fahrzeugen, besetzt mit jeweils zwei Kameraden, haben wir seit 9.30 Uhr den Bauhof unterstützt", so Christoph Brendel. Alle Ortsteile seien systematisch abgefahren worden.

Bei Brombach stehen die Wiesen und Teile des Weiltalweges unter Wasser.

Feuerwehren in Grävenwiesbach pumpen Keller aus

Bis zum frühen Nachmittag gab keine Anforderung, um Keller auszupumpen. Anders sah es in Grävenwiesbach aus, wo durch die dortigen Wehren fünf Keller ausgepumpt wurden.

Das bedeutete in Schmitten aber nicht, dass keine Schäden gab. Im unteren Weiltal hatte der sonst eher gemütlich dahinplätschernde Bach so viel Druck, dass er überlief und zwischen Schmitten und Hunoldstal die Wiesen an vielen Stellen in einen großen See verwandelte. An manchen Stellen war auch der Weiltalweg überflutet und wenn überhaupt nur mit hohen Gummistiefeln zu begehen.

Wasser kommt sehr nah an Grundstücke heran

In Hunoldstal kam das Wasser erneut sehr nahe an manche Grundstücke heran. Aber selbst ihre Gartenhütten haben die vorausschauenden Häuslebauer vor vielen Jahren in dieser Lage erhöht gebaut und sie blieben verschont.

Weniger Glück hatte nach Auskunft von Erika Tomaschek eine Familie auf der gegenüberliegenden eigentlich eher sicheren Straßenseite. Dort drückte das Schmelzwasser mit aller Macht den Hang hinunter und die Familie kämpfte mit aller Kraft, um größere Schäden zu verhindern. Wie lange die Hochwassergefahr anhält, hängt laut Brendel vom Wetter ab. Es sei möglich, dass sich die Situation wiederholt.

Situation in Wehrheim: Starker Regen treibt Pegel hoch

Wer am Freitagmorgen ins Wehrheimer Bizzenbachtal wollte, hätte sich für den ersten Streckenabschnitt ein Kanu gewünscht. Im Bereich des hinteren Schwimmbadgeländes des Ludwig-Bender-Bades waren die Straße zum Munitionslager und der Zugang ins Tal großzügig überflutet. Ortskundige ließen sich auf das nasse Abenteuer nicht ein und wählten stattdessen den trockenen Höhenweg zum Galgenberg.

Tauender Schnee und starke Regengüsse des Vortages hatten die Pegel rund um das Dorf hochgetrieben - kein Bachbett, das sich dem schwellenden Nass gewachsen zeigte.

So verwandelte sich das alte Mühlfeld zwischen den ehemaligen Mahlbetrieben Brücken- und Pfarrmühle in eine glänzende Teichlandschaft. Überall dort, wo Erlen-, Langwiesen- und Bizzenbach in Rohren und unter Straßen verschwinden, entstanden Engstellen, aus denen es sprudelte und gurgelte.

Im Bereich des hinteren Schwimmbadgeländes in Wehrheim sind die Straße zum Munitionslager und der Zugang ins Bizzenbachtal großzügig überflutet.

Feuerwehr in Wehrheim muss nicht ausrücken

"Das alles ist noch im Rahmen des Normalen", vermeldete Gemeindebrandinspektor Markus Lezius am Freitagnachmittag auf Anfrage dieser Zeitung. Die Freiwillige Feuerwehr von Wehrheim habe jedenfalls nicht ausrücken müssen. Ständig unterwegs war das Team vom Bauhof, um die Ein- und Abläufe frei zu halten.

Während in den Bezirken von Bizzen- und Langwiesenbach mit zurückgehendem Wasseraufkommen gerechnet wird, gibt es vorerst keine Entwarnung für die Uferregionen des Erlenbachs. "Durch die Schneeschmelze in den Taunushöhenlagen", so Markus Lezius, "dürfte da noch einiges zusammenkommen." Auch im Hinblick auf den tief liegenden, traditionell kritischen Standort Lochmühle aber gilt: "Noch Luft nach oben." (evk/nni/ov)

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