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Ein Bild aus besseren Tagen des Golfclubs Taunus Weilrod (von links): Vizepräsident Alfons Benkhofer, Pressesprecherin Susanne Czernick und Präsident Colin Kennard. Der Vorstand ist inzwischen wegen Unregelmäßigkeiten zurückgetreten.

Interimspräsident soll's richten

Untreue-Vorwürfe beim Weilroder Golfclub: Vorstand tritt geschlossen zurück

Ausgerechnet jetzt: Der Golfclub Weilrod wird 40, und der Vorstand zerlegt sich selbst. Unregelmäßigkeiten finanzieller Art auf Vorstandsebene sollen zu dem kollektiven Rücktritt geführt haben.

Weilrod - Wenn der Golfclub Taunus Weilrod 40-jähriges Bestehen feiert, lenkt sich der Blick der Mitglieder wohl auch auf die Wall of Fame im Treppenhaus des Clubheims, auf der alle Spieler, die in den vergangenen vier Jahrzehnten mit perfektem Schwung ein Hole in one geschlagen haben, vermerkt sind. Jetzt sieht es allerdings so aus, als richte sich der Blick eher auf einen Schlag ins Kontor: Wie diese Zeitung erfahren hat, soll es Unregelmäßigkeiten finanzieller Art innerhalb des Vorstandes gegeben haben.

Die Rede ist von "zweifelhaften fünfstelligen Beträgen", die an ein Vorstandsmitglied geflossen seien, und davon, dass nach Bekanntwerden der Angelegenheit in der vergangenen Woche nacheinander alle Vorstandsmitglieder zurückgetreten sind. Führungslos ist der Club dennoch nicht. Hans-Henning Buss konnte gewonnen werden, der bis zur Klärung der Vorfälle und zur Wahl eines neuen Vorstands die Clubgeschäfte als Interimspräsident führt. Buss ist Ehrenpräsident der Weilroder Golfer und stand bis 2017 an der Spitze des Vorstands.

Nach Turbulenzen bei Mitgliederversammlung tritt der Vorstand zurück

Auf Anfrage will er die der Zeitung vorliegenden Informationen weder dementieren noch bestätigen: "Ich würde gerne zur Aufklärung beitragen, kann es aber noch nicht, weil ich selbst auch noch zu wenige Informationen habe", sagt Buss. Bestätigt hat er jedoch, dass nach der Mitgliederversammlung am 8. Mai aufkommende Turbulenzen zum Rücktritt des Vorstands geführt haben. Buss zeigt sich darüber irritiert. Die Vorstandswahlen seien völlig komplikationslos verlaufen, "und nur Tage später fällt mir als Interimspräsident die ganze Mannschaft auf die Füße", so Buss. Das Problem sei nicht etwa während der Hauptversammlung aufgetaucht, sondern erst danach.

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In einem internen Schreiben an die rund 700 Vereinsmitglieder - das dieser Zeitung vorliegt - findet sich eine Chronologie der Ereignisse, wobei der Grund nur verbrämt mit "heftigen Turbulenzen" angedeutet wird. Am 21. Mai habe Präsident Colin Kennard seinen Rücktritt erklärt, wenig später sei Vizepräsident Alfons Benkhofer gefolgt.

Außerordentliche Mitgliederversammlung – Neuwahlen des Vorstands

Seit der Sitzung des Restvorstands am 25. Mai fungiert Buss kommissarisch als Interimspräsident. Dirk Freilinger habe am 25. Mai seinen Posten als Schatzmeister geräumt. Thorsten Göbel, Beisitzer und IT-Verantwortlicher, erklärte am 26. Mai seinen Rücktritt, will aber seine IT-Unterstützung für den Club fortsetzen. Buss hatte den Vorstand am vergangenen Dienstag zu einer Krisensitzung einbestellt, in der alle verbliebenen Vorstandsmitglieder, Karina Dyck (Mitgliederbetreuung), Kirsi Nyström (Jugendwartin) und Uwe Grünberg (Platzwart und Spielführer), ebenfalls ihren Rücktritt bekanntgaben.

Sie sind jedoch bereit, ihre Aufgaben kommissarisch weiterzuführen. Buss hat die Mitglieder für Mittwoch, 3. Juli, zu einer außerordentlichen Versammlung ins Clubhaus eingeladen. Einziger Tagesordnungspunkt: Neuwahlen.

Mit dem Rücktritt des Vorstands soll ein sauberer Neuanfang ermöglicht werden

Buss sagte, er hoffe, dass er bis Anfang Juli einen funktionsfähigen Vorstand beisammen hat. Auch will er sich in Gesprächen mit den ausgeschiedenen Vorständlern bemühen, diese zur Rückkehr zu bewegen. Von Ex-Präsident Colin Kennard wisse er allerdings schon, dass er für eine Wiederwahl nicht zur Verfügung stehe. Buss bemüht sich auch, Verständnis für den Rücktritt des Vorstands aufzubringen und wertet diesen als honorig: "Die Kollegen wollen damit einen geordneten und sauberen Neuanfang ermöglichen", sagt er.

Von Alexander Schneider

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