Riedelbachs Wehrführer Mario Urban montiert das an einen riesigen Champignon erinnernde 360 Grad-Mobila-Lautsprechersystem mittels Saugnäpfen auf dem Dach des Mannschaftstransporters.
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Riedelbachs Wehrführer Mario Urban montiert das an einen riesigen Champignon erinnernde 360 Grad-Mobila-Lautsprechersystem mittels Saugnäpfen auf dem Dach des Mannschaftstransporters.

Hoher Wasserverbrauch

Weilrod ruft den Wassernotstand aus – Feuerwehren informieren die Bürger

Weilrods Bürgermeister Götz Esser hat die Notbremse gezogen und nach dem anhaltend hohen Wasserverbrauch der Bürger den Wassernotstand ausgerufen. Damit sind nun auch Bußgelder gegen Verstöße möglich.

Weilrod - Nun hat es auch Weilrod erwischt: Bürgermeister Götz Esser (FWG) hat mit Wirkung von Samstag (08.08.2020), 0 Uhr, den Trinkwassernotstand ausgerufen und damit die neue Gefahrenabwehrverordnung in Kraft gesetzt. Die darin geregelten Beschränkungen im Umgang mit dem Trinkwasser bleiben bis Ende August gültig.

Am Freitag hatte sich Esser mit den Wassermeistern Marcel Herchen und Stefan Maurer besprochen und nach Rücksprache mit dem Gemeindevorstand beschlossen, den Notstand auszurufen.

Er bedauerte im TZ-Gespräch, dass dieser Schritt nötig ist: "Alle Appelle der letzten Tagen, sparsam und verantwortungsvoll mit dem Trinkwasser umzugehen, sind verpufft, dann geht es eben nur so." Stefan Maurer hatte ihm am Freitag berichtet, dass in Hasselbach der Wasserverbrauch geradezu in die Höhe geschnellt ist und schon morgens weit über dem Üblichen lag.

Weilrod ruft Wassernotstand aus: Missbräuchliche Nutzung?

Auch aus anderen Ortsteilen wurden ungewöhnliche, nur mit missbräuchlicher Nutzung erklärbare Verbrauchsspitzen gemeldet. "Ich verstehe nicht, was daran so schwer ist, Trinkwasser nur seinem Zweck entsprechend zu nutzen. Niemand gießt seine Blumen mit Volvic. Eigentlich ist Wasser viel zu billig", redete Esser sich am Samstag beim Treffen mit der Feuerwehr sowie den stellvertretenden Feuerwehrchefs Stefan Jochetz und Holger Sorg im Gerätehaus von Emmershausen in Rage, "dabei ist genug Wasser da, es muss nur richtig verwendet werden".

Draußen standen die Mannschaftswagen der Wehren Riedelbach und Grävenwiesbach-Mönstadt, beide mit "Mobila-Lautsprecheranlagen" ausgerüstet, die wie ein großer, weißer Champignon auf dem Dach montiert wurden. "In der Kugel befindet sich ein 360-Grad-Lautsprecher für Durchsagen", erläutert Riedelbachs Wehrführer Mario Urban. Neben den Mobila-Bussen stand auch der Einsatzleitwagen mit einer Lautsprecheranlage bereit. Derweil zeichnete Michelle Schafferhans den mit Esser besprochenen Text auf, der bei den Rundfahrten als Endlosschleife abgespielt werden sollte, darin der Hinweis, dass die Versorgung mit Trinkwasser gefährdet sei und dass darum gebeten werde, den notwendigen Verbrauch auf ein Minimum zu begrenzen.

Wassernotstand in Weilrod: Bewässerung auf Friedhöfen abgestellt

Die 13 Ortsteile wurden "durch drei geteilt", wobei man, so Jochetz, auf den Routenplan, der sich bei der Corona-Befahrung im Frühjahr bewährt hat und bei dem auch Nebenstraßen befahren wurden, zurückgreifen konnte. Es gab zwei dreistündige Rundfahrten am Samstag, eine ab 11 Uhr und die zweite ab 16 Uhr.

Vom Wassernotstand betroffen sind auch die Friedhöfe. Bewässerung von Grabbepflanzung ist, so Wassermeister Stefan Maurer, nur noch in Winden und Riedelbach möglich, dort fließt "Grauwasser". Auf allen anderen Friedhöfen werden die Hähne mit Trinkwasser gespeist und zunächst abgestellt.

Das Grauwasser ist unbehandelt, es kommt aus stillgelegten Hochbehältern. Damit werden auch die Dorfbrunnen in allen Ortsteilen betrieben. Dort können sich auch weiterhin Bürger ihr Gießwasser holen, abfüllen in Kanister ist erlaubt, in Fässer abpumpen nicht. Und: "Es ist kein Trinkwasser", betont Maurer.

Brandschutz trotz Wassernotstand in Weilrod gesichert

Der Brandschutz sei trotz Notstand gesichert, erklärten Jochetz und Sorg. Alle Hochbehälter hätten zwei Kammern, eine für Trink- und eine für Löschwasser. Sollte Löschwasser in Anspruch genommen werden, werde die Entnahme automatisch über die Ringleitungen nachgefüllt.

Bisher war Weilrod beim Wasser immer besser aufgestellt als Grävenwiesbach, das derzeit noch mit 70 Kubikmetern täglich beliefert werden kann. Dort ist es in den letzten Jahren öfter vorgekommen, dass die Bürger mit Tankwagen versorgt werden mussten. In Weilrod war das, wie sich Altbürgermeister Hartmut Haibach erinnert, in den frühen 80-ern, als es noch keine Ringleitungen gab, auch der Fall. Jedoch: "Auch wenn das dazu heute nicht mehr nötig sein sollte - vorbereitet wären wir", sagte Esser. as

In einigen Regionen im Hochtaunuskreis in Hessen gibt es bereits Notstände bei der Wasserversorgung, andere stehen kurz davor. Die Stadtwerke appellieren deshalb, unbedingt Wasser einzusparen.

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