Vom Aussichtsturm auf dem Pferdskopf hat man einen guten Blick auf die bestehenden sieben Windkraftanlagen im Windpark Weilrod.
+
Vom Aussichtsturm auf dem Pferdskopf hat man einen guten Blick auf die bestehenden sieben Windkraftanlagen im Windpark Weilrod.

Usinger Land

Wie wirtschaftlich ist die Windkraft im Usinger Land?

  • VonMatthias Pieren
    schließen

Erträge steigen in Weilrod - Siegfriedeiche liegt unter den Erwartungen.

Usinger Land -Die Namen der Finanzinvestoren und Projektentwickler der großen Windkraftanlagen sowie der Photovoltaik-Freiflächenanlagen im Usinger Land waren einprägsam und von symbolhafter Bildsprache - zum Beispiel Abo Wind im Fall von Weilrod oder Windwärts wie in Grävenwiesbach. Die Re-Finanzierungsmodelle für die enormen Millionen-Investitionen der Ökostrom-Kraftwerke klangen ebenso vertrauensvoll: Interessierte Bürger konnten zum Beispiel für die Mitfinanzierung des Windparks in Weilrod sogenannte Bürgerwind-Aktien erwerben.

Bei der Frage danach, wie wirtschaftlich Windkraft und Solarstrom im Usinger Land nach einigen Jahren des Betriebs eigentlich gewonnen werden, stieß diese Zeitung auf besondere Schwierigkeiten: Antworten waren nicht so einfach zu bekommen, denn zahlreiche Anlagen sind mittlerweile an neue Betreiber verkauft worden - oder diese haben umfirmiert.

Über die Gründe soll an dieser Stelle nicht spekuliert werden. Tatsache ist: Die Ökostrom-Branche ist deutschlandweit und branchenüblich sehr diversifiziert. Blicken wir zuerst auf die beiden großen Windparks im Usinger Land: Bereits 2014 ging der Windpark Weilrod als erster seiner Art im Hochtaunuskreis ans Netz. Die sieben Windkraftanlagen mit je 2,4 Megawatt Leistung wurden noch vom Projektentwickler Abo Wind errichtet. Bereits im Folgejahr übernahm ABO Invest AG zunächst 80 Prozent des Windparks. Seit April 2018 dann komplett.

Ganz neu aufgestellt

Das Unternehmen aus Wiesbaden hat sich im vergangenen Jahr zuletzt strategisch, personell und organisatorisch als Clearvise AG ganz neu aufgestellt. "Die Änderung des Unternehmensnamens steht sinnbildlich für den neuen Marktauftritt unseres Unternehmens", teilt Petra Leue-Bahns als Vorständin mit.

Heute ist das Unternehmen ein unabhängiger Stromproduzent im Markt der erneuerbaren Energien und betreibt ein diversifiziertes Anlagenportfolio in ganz Europa. Nach Angaben des im Usinger Land aufgewachsenen Vorstandsmitgliedes war der Ertrag im vergangenen Jahr überdurchschnittlich.

"Mit einer Strom-Produktion von knapp 50 000 MWh konnten wir 2020 knapp 4,5 Millionen Euro Umsatz erzielen", so Petra Leue-Bahns. Seit 2017 habe man sowohl die Produktion von 42 752 MWh als auch den Umsatz in Höhe von 3,75 Millionen Euro kontinuierlich steigern können. Schlechte Nachrichten hingegen für das laufende Jahr: "2021 ist bislang unterdurchschnittlich verlaufen."

Auch bei den fünf Windkraftanlagen des im Frühjahr 2020 ans Netz gegangenen Windparks Siegfriedeiche oberhalb von Grävenwiesbach gibt es eine klare Trennung zwischen Projektentwickler, Bauherr und Betreiber. Vorangetrieben und realisiert wurden die insgesamt sechs Anlagen vom Typ GE 2.75-120 mit einer Gesamtleistung von 16,7 MWh vom Investor Windwärts.

Anlagen laufen stabil

"Seit Mai 2020 erzeugt der Windpark pro Jahr rund 40 Millionen Kilowattstunden umwelt- und klimafreundlichen Strom", teilt Windwärts noch auf der Firmenhomepage mit. Doch Betreiber ist seither die MVV Energie AG aus Mannheim. "Seit Inbetriebnahme und der darauffolgenden Einlaufphase laufen die Anlagen technisch weitestgehend stabil", teilt MVV-Sprecher Sebastian Ackermann auf Anfrage mit.

Die für die Bürgerinnen und Bürger wahrnehmbaren längeren Stillstandzeiten der riesigen Rotorblätter der sechs Windkraftwerke resultieren demnach aus den in der Genehmigung festgelegten Abschalt-Auflagen zum Schutz von Wespenbussard und Fledermäusen.

"Die mit diesen Abschaltauflagen einhergehenden Ertragsverluste wurden im Vorfeld entsprechend einkalkuliert", so Ackermann weiter. "In den vergangenen zwölf Monaten hat der Windpark Siegfriedeiche über 32 000 MWh erzeugt, was deutlich unter dem langjährigen Erwartungswert liegt."

Als Gründe hierfür nennt er insbesondere das signifikant unterdurchschnittliche Windangebot im genannten Zeitraum, vor allem in den Wintermonaten, sowie längere Vereisungsperioden im vergangenen Winter, während derer die Anlagen zum Schutz vor Eisabwurf ebenfalls abzuschalten sind. Von matthias Pieren

Infos zur Solarstromproduktion

In einer späteren Ausgabe berichten wir über die Erträge der Solarstromproduktion der großen Photovoltaik-Freiflächenanlagen im Usinger Land.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare